Unabhängig von vulnerabler Infrastruktur – Wie man durch rechtzeitige Vorsorge Panik und Hilflosigkeit vermeidet
Anschläge auf die Infrastruktur haben in den letzten Jahren stark zugenommen, die dadurch verursachten Stromausfälle im Berliner Raum sind uns noch allen im Gedächtnis. Dabei sollen laut Bundesregierung mindestens 70 Prozent der Angriffe auf linksextreme Gruppen zurückzuführen sein, in anderen Fällen – besonders bei Cyberangriffen – kann eine Mitwirkung ausländischer Kräfte nicht ausgeschlossen werden. Allgemein hat sich die Welt- und Bedrohungslage so verändert, dass es durchaus Sinn ergibt, davor nicht die Augen zu verschließen und sich stattdessen Gedanken darüber zu machen, wie man sich und seine Familie schützen kann.
Sogenannte „Prepper“ und Selbstversorger, die sich im Notfall nicht auf die staatliche Infrastruktur oder deren Institutionen verlassen wollten, wurden lange belächelt oder gar politischen Extremen zugerechnet. Dabei rät sogar die Bundesregierung dazu, selbst vorzusorgen und sich bei Lebensmittel-, Gas-, Wasser- und Stromversorgung zumindest zeitweise unabhängig zu machen. Fakt ist, dass solche Maßnahmen überhaupt nichts mit Kriegstreiberei zu tun haben, wie die jüngsten Erfahrungen zeigen. Einerseits ist die moderne Infrastruktur so anfällig, dass ein Brandanschlag oder eine Cyberattacke ganze Stadtteile lahmlegen kann, andererseits sind wir durch Digitalisierung und die ständige Verfügbarkeit von Waren so verwöhnt, dass schon der Ausfall des Handynetzes oder die Schließung von Supermärkten aufgrund eines Stromausfalls die meisten Leute in Panik versetzen würde. Und erwiesen ist: Sämtliche Informationen über die Schwachstellen unserer Infrastruktur sind für potenzielle Attentäter sehr einfach im Internet ersichtlich, da braucht man noch nicht einmal das „Darknet“ zu betreten. Beispiel: Stromleitungen und Strommasten können auf frei verfügbaren Onlinekarten metergenau bestimmt werden, Ähnliches gilt für andere Versorgungsleitungen, deren Lage beispielsweise in öffentlich zugänglichen Bau- und Straßenplänen ausgewiesen ist.

Angesichts vielfältiger Bedrohungen lohnt es sich also schon, sich für Notsituationen vorzubereiten. Dabei gilt: „Der Weise trifft für das Zukünftige Vorsorge, als wäre es zugegen“, schrieb der römische Schriftsteller Publilius Syrus schon vor mehr als 2.000 Jahren – oder noch einfacher, wie Friedrich Schiller es ausdrückte: „Der kluge Mann baut vor.“ Schon unsere Vorfahren, die zwar über weniger angreifbare technische Einrichtungen verfügten, dafür aber den Naturgewalten erheblich ungeschützter ausgeliefert waren, taten gut daran, für Notlagen oder Katastrophenfälle vorzusorgen. Ältere unter uns erinnern sich bestimmt noch gut an Omas Vorratskammer mit selbst eingeweckten Konserven, die auch dabei halfen, während der Nachkriegs- oder DDR-Zeit die Versorgung der Familie zu gewährleisten. Oft kamen Obst und Gemüse aus eigenem Anbau, und selbstverständlich wurde alles von Oma selbst verarbeitet. Heutzutage kommen Lebensmittel bei den meisten Leuten ausschließlich aus dem Supermarkt – und zwar zu jeder Jahreszeit und aus den entferntesten Anbauregionen, häufig als industrielle Fertigprodukte, weil viele nicht mehr selbst kochen wollen oder können. Mit dem Zusammenbruch von Lieferketten wurde man seither höchstens während der Pandemie konfrontiert, als manche Waren zeitweise ausverkauft waren, teils auch wegen Panikkäufen.

Um solche im Notfall zu umgehen, sollte man selbst einen gewissen Vorrat an lange haltbaren Nahrungsmitteln bevorraten – wobei es durchaus kompakte, gehaltvolle Produkte gibt, die sich auch auf kleinem Raum lagern lassen. Viele Lebensmittel – z. B. Reis oder Nudeln – halten sich übrigens praktisch ewig, wenngleich das Haltbarkeitsdatum Verderblichkeit vortäuscht. Eine gute Orientierung bietet die Broschüre „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“, die man sich aus dem Internet auf der Website des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe herunterladen kann. Darin ist unter anderem ein Verzeichnis für sinnvolle Lebensmittel- und Wasserbevorratung enthalten. Garten- oder Balkonbesitzer können darüber hinaus noch eine gewisse Selbstversorgung bereitstellen, indem sie kompakte Anbauformen wie Hochbeete oder Vorrichtungen für den vertikalen Anbau nutzen. Viele wissen gar nicht, dass bei manchen Pflanzen (z. B. Feldsalat, Spinat, Mangold, Grünkohl oder Porree) sogar ein ganzjähriger Anbau möglich ist. Zur Bewässerung des Gartens könnte im Notfall ein eigener Brunnen nützlich sein – allerdings erfordert das in unserer Region teils sehr tiefe und teure Bohrungen, damit der Brunnen später nicht versandet. Fürs Erste reicht oft schon der Inhalt von Regentonnen oder Gartenteichen, und für den Wohnungsbalkon müsste nur der Wasservorrat erweitert werden, den man laut Empfehlung des Bundesamts ohnehin im Hause haben sollte. Übrigens gibt es für die Wasseraufbereitung zu eigenen Trinkzwecken erschwingliche und hygienisch einwandfreie Methoden (Tabletten oder Filter), die im Onlinehandel erhältlich sind – ein guter Schutz gegen Sabotage von Wasserleitungen. So könnte man notfalls das Wasser aus Regentonnen, Teichen oder anderen Gewässern gefahrlos trinken. Zur Erhitzung von Wasser oder Lebensmitteln sollte jeder Haushalt einen Campingkocher (mit Gaskartuschen) bereithalten, notfalls reicht auch ein Grill oder eine Feuerstelle im Garten. Glücklich können sich diejenigen schätzen, die in der Wohnung oder im Haus einen Kamin haben. Er dient im Notfall nicht nur als Wärmequelle, ein Kaminofen kann obenauf oder im Backfach sogar zum Kochen genutzt werden.
Wie wir jüngst gemerkt haben, führt ein längerer Stromausfall auch dazu, dass die heimische Wärmequelle versiegt. Eine Wärmepumpe hat einen hohen Strombedarf und kann daher nicht durch einen kleinen Stromgenerator oder eine Powerstation versorgt werden, außerdem könnten die Leitungen im Winter vereisen. Hier sollte man an alternative Heizmöglichkeiten wie Kaminöfen oder Heizgeräte, die mit anderen Brennstoffen betrieben werden, denken und diese für den Notfall bereitstellen – das gilt ebenso für Haushalte, die an Fernwärme angeschlossen sind, denn auch deren Pumpen laufen nicht ohne Strom. Eine 3–kWh-Powerstation könnte eine 600– W-Infrarotheizung immerhin dauerhaft für fast fünf Stunden betreiben, aber bei einem tagelangen Stromausfall bringt das nichts. Falls Strom vorhanden ist, aber kein fossiler Brennstoff, könnte eine parallel installierte Infrarot-Decken- oder Wandheizung nützlich sein, zumal sie hochwirksam ist und schnell heizt. Die Powerstation (mit sicherem LFP-Akku um 1.000 Euro) könnte hingegen bei Stromausfall Computer und Handys, aber auch Kühlschrank oder eine LED-Beleuchtung über viele Stunden versorgen. Wenn die Powerstation dazu dienen soll, Strom für eine Gas-, Pellet- oder Ölheizung oder auch eine netzabhängige Alarmanlage zu liefern, kann man sich den Sicherungskasten vom Elektriker so präparieren lassen, dass man im Notfall nur die jeweilige Sicherung ausschaltet und stattdessen die Powerstation anschließt. Das ist gar nicht mal so aufwendig, als wenn man das ganze Hausnetz mit Ersatzstrom versorgen möchte. Powerstation oder Stromaggregat müssen nur qualitativ hochwertig genug sein (reiner Sinus-Wechselstrom). Alternativ liefert eine Balkonsolaranlage den Strom – aber nur, wenn die Sonne scheint. Das gilt auch für PV-Anlagen auf dem Dach, wo selbst dann, wenn man einen Speicher hat, dieser meist nur zur Überbrückung der Nacht ausreicht und im Winter kaum etwas hergibt.

Während der Berliner Stromausfälle haben viele Betroffene mit Erschrecken bemerkt, dass von Feuerwehr, THW oder den neu eingerichteten „Leuchttürmen“ wenig Hilfe zu erwarten war. Das Handy konnte man laden (allerdings nutzlos bei Handynetzausfall), manchmal gab es auch heiße Getränke, aber keinen Strom fürs eigene Haus oder die Wohnung. „Trotzdem waren die Bürger für jede kleine Hilfe dankbar“, berichtet Barbara Schwarzwälder, Pressesprecherin des THW. Auch das in Stahnsdorf ansässige THW Potsdam war in Berlin gefragt und blieb tagelang im Einsatz. Mit seinem mobilen Notstromaggregat konnte es wenigstens punktuell Ersatzstrom in die Stromkästen einzelner Straßenzüge einspeisen. „Die Anschaffung von Notstromaggregaten für Städte und Gemeinden ist aber eine kommunale Entscheidung, die von der Politik getroffen wird“, betont Schwarzwälder. Da kann man nur hoffen, dass die Verantwortlichen aus der Situation gelernt haben und für die Zukunft wenigstens Alten- und Pflegeheime sowie genügend Sammelstellen, die bisher noch unversorgt sind, für Notfälle rüsten. Die Pressesprecherin rät zu privater Vorsorge: „Genügend Trinkwasser, Nahrungsmittel, Hygieneartikel wie Feuchttücher, Taschenlampe, Kerzen, Batterien, Powerbank fürs Handy und ein Kurbelradio, das ältere Menschen sowieso besser kennen als junge.“ Auch Schwarzwälder verweist auf die Website und Broschüren des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, sie rät aber auch: „Im Notfall sind gute Nachbarkontakte, besonders für ältere und hilfsbedürftige Menschen, das Allerwichtigste.“ Also: vorbeugen, vorsorgen, nicht verdrängen, Kontakte pflegen – und vor allen Dingen nicht aus Angst die Augen vor den Realitäten verschließen. So gewappnet sollte man für unvorhergesehene Situationen ausreichend gerüstet sein.
Fotos: Mario Kacner / KI generiert
