Was macht man als Jugendlicher in dieser Region?

Kaum Busverbindungen, stundenlange Fahrten bis zur nächsten Disco, wenig Angebote im Jugendzentrum. Soweit die traurige Vorstellung. Wie steht es um den Alltag junger Menschen jenseits der Metropolen? Was bietet ihnen unsere Region?

„Gegenüber anderen Teilen unseres Landkreises stehen wir sehr gut da“, betont Dirk Orphal, Leiter des Teltower Jugendtreffs. „Woanders müssen Jugendliche Dutzende Kilometer zu Jugendzentren fahren oder gefahren werden – hier sind Angebote wie unseres direkt in der Stadt.“ Teenager bis etwa 15 Jahre schätzten das Jugendzentrum als offenen Treffpunkt, und die Projekte seien bestens besucht: „Zum Beispiel gibt es für die Töpfer- und Fotokurse nie genug Plätze.“

Jugendclubs mit breitem Angebot

Nur wenige Straßen weiter öffnet die Teltower MädchenZukunftswerkstatt ihre Türen für junge Teltowerinnen: „Mädchen zwischen 14 und 19 Jahren treffen sich hier, um mit Gleichaltrigen ungezwungen zu quatschen, zu kochen oder an Projekten zu arbeiten,“ berichtet Leiterin Janke Rehse. Einige würden ganz in Eigenregie veranstaltet: „Auch sonst halten wir Mitarbeiter uns im Hintergrund, wenn die Mädchen das so wollen.“

Und am Wochenende? „Für Partys oder Konzerte geht der Blick natürlich klar in Richtung Berlin“, ist sich Rehse sicher. Aber im kleineren Rahmen komme man auch vor Ort auf seine Kosten: Das Kleinmachnower Jugendhaus „Carat“ stehe Musikbegeisterten mit seinem Proberaum offen, und Konzerte wie „Rock am Kanal“ oder auf dem Stadtfest würden auch von jungen Teltowerinnen und Teltowern besucht. Bei Freizeitaktivitäten oder Events sei natürlich stets Luft nach oben, doch die Jugendlichen seien auch selbst gefordert: „Sie können jederzeit Wünsche äußern – mit dieser Eigeninitiative könnte sich auch die Suche nach einem Treffpunkt einfacher gestalten.“

Für Musikfans ist auch das Teltower Jugendhaus Schiffer eine feste Adresse: „Unsere Bandproben sind immer bestens besucht, genau wie unsere anderen Projekte“, freut sich Leiterin Geraldine Kliesch. Täglich kämen etwa 40 Jugendliche in das Haus direkt an der Oderstraße. „Die jüngsten Gäste sind 10, die ältesten 27 Jahre alt.“ Ehrenamtliche betreuen die Projekte, darunter Lisa (20) aus Teltow: „Im Sommer haben wir die Unterführung am Regionalbahnhof neu gestaltet: Graffittibegeisterte konnten sich auf der großen Fläche richtig austoben!“, erzählt die junge Helferin. Aber was kommt nach den Bandproben, den Projekten, der gemeinsamen Zeit im Jugendcafé? „Vor allem für Jugendliche über 16 Jahren fehlt ein Treffpunkt. Viele suchen einen Ort, an dem sich auch die Anwohner nicht gestört fühlen. Hier gibt es ja nur zwei oder drei Kneipen oder Cafés – das war´s.“

Wohin am Abend?

Damit ist Lisa nicht allein: Am Stahnsdorfer Gymnasium, beschreiben Zehnt- und Elftklässler Ähnliches: „Im Herbst und im Winter gibt es für uns einfach keinen guten Anlaufpunkt“, erzählt Schülersprecher Till (17). „Manchmal treffen wir uns abends auf dem Spielplatz am Klettergerüst – das ist uns mit 16, 17 Jahren selbst ein bisschen peinlich“, ergänzt Eric, ebenfalls 17 Jahre. Natürlich gebe es in der Region viele Kinder- und Jugendprojekte, berichten die Schüler, aber: „In unserem Alter ändern sich die Interessen, da gibt es für uns hier in der Gegend einfach viel zu wenig.“ Ihnen gegenüber sitzt Florian, 16, aus Kleinmachnow: „Freitag, Samstag schaut man auf sein Handy und liest die Nachrichten: Freunde fragen, wo heute in der Nähe etwas Interessantes passiert.“ Die Antwort sei meist dieselbe: „Nichts.“

Zum Glück biete das Gymnasium Raum für Kreativität und Veranstaltungen: „Wir veranstalten Konzerte und Theateraufführungen. Hier können wir unseren Hobbys und Interessen freien Lauf lassen“, freut sich Till trotzdem. Dennoch fehle in der Region ein Ort für Events außerhalb der Schule. „Eine Mehrzweckhalle, das wäre was! Natürlich keine riesengroße – es kann ja einfach nur eine leere Halle sein. Organisation und Sponsoring von Partys oder Konzerten können die Interessenten ja selbst in die Hand nehmen.“ Doch schon ein Treffpunkt ohne Konfliktpotenzial mit den Anwohnern wäre ein erster, wichtiger Schritt: „Wir können uns doch nicht nur auf dem Spielplatz oder an kalten Abenden im Dönerrestaurant treffen.“

Und die Berliner Partyszene? „Na klar – wer feiern will, für den ist das perfekt. Aber besonders abends und nachts sind die Verbindungen ziemlich schlecht“, beschreiben die Schüler das Problem ihrer Altersgenossen. Ein Ort als Treffpunkt, für Events, Partys oder Konzerte direkt hier in der Region statt langer Fahrt nach Berlin: „Das wäre perfekt.“

Standorte und Events: Jugendliche einbinden

In Teltow werden die Jugendlichen bei der Suche nach einem solchen Standort bereits eingebunden: Bei der ersten Kinder- und Jugendsprechstunde Anfang Dezember wünschten sie sich von Bürgermeister Thomas Schmidt vor allem eines: einen Ort für Freizeit oder Veranstaltungen. „Schon am 21. Januar werden wir mit Vertretern der Jugend die Standortsuche gemeinsam voranbringen“, erklärt Sozialraumkoordinator Marcel Hochmal. „Wir wollen sie konstruktiv einbinden, denn wir hoffen, dass ein künftiger Standort dann besonders gut und nachhaltig angenommen wird.“ Dennoch werde man bei der Suche auch den Siedlungsdruck im Blick behalten müssen.

Hochmal ist überzeugt, dass sich Teltow bei Freizeitangeboten keineswegs verstecken müsse: „Natürlich können wir nicht mit der Berliner Event- oder Partyszene mithalten, aber das kann ohnehin nicht unser Ziel sein. Für eine Stadt unserer Größenordnung gibt es dennoch ein großes Freizeitangebot für Jugendliche, etwa bei Workshops und Projekten von Jugendclubs oder Sportvereinen.“

Und was passiert in Sachen Events? Für Januar 2020 war mit Unterstützung der Stadt Teltow die nächste Techno-Party geplant. „Wir helfen gern bei solchen Events, müssen aber besonders bei Sicherheit und Brandschutz besondere Spielregeln einhalten“, unterstreicht Kulturkoordinatorin Christiane Füchsel. Für deren Umsetzung bleibt nun mehr Zeit als erwartet: „Der Januar-Termin kommt nun doch nicht zustande – weder die Stadtverwaltung noch die Vertreter der Jugend haben diese Fehlplanung zu verantworten“, berichtet Simon Behling von der Fraktion Grüne/Linke. Man visiere nun einen späteren Termin im gleichen Jahr an und setze auf die weitere Hilfsbereitschaft der Verwaltung. „Im Haushalt der Stadt sind die Gelder hierfür weiterhin vorgesehen“, ist Behling optimistisch. Offene Ohren und Rückhalt im Rathaus, ein breites Freizeitangebot vor Ort, ergänzt durch Events oder Partys in der nahen Großstadt: Bei guten Verkehrsanbindungen könnte die Region bei Jugendlichen bald mit einem Standortvorteil punkten. „Hoffentlich gibt es bald bessere Verbindungen mit dem Nahverkehr – die langen nächtlichen Pausen in Zehlendorf würden uns und allen Anderen aus TKS ganz bestimmt nicht fehlen“, hofft Till im Stahnsdorfer Gymnasium.

Text: Phillip Hochbaum/ Foto: Pixabay

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