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AOK-Umfrage zur digitalen Gesundheitskompetenz

Von Volkert Neef

Eine Umfrage der AOK zur digitalen Gesundheitskompetenz offenbart immensen Nachholbedarf: Rund jeder zweite Befragte gab an, mit digitalen Angeboten im Gesundheitssektor überfordert zu sein.

Die Angabe „Jeder Zweite“ sorgt normalerweise für Zufriedenheit: So ist es für einen Parteivorsitzenden ein Erfolg, wenn sich die Hälfte aller Wähler für seine Partei entscheidet. Bei der AOK sorgt diese Quote jedoch für Unruhe: Am 8. Dezember wurde Berliner Medienvertretern die ersten bundesweit erhobenen repräsentativen Daten zur digitalen Gesundheitskompetenz in Deutschland vorgestellt. Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, deutet die Zahlen folgendermaßen: „Der Umgang mit gesundheitsbezogenen digitalen Angeboten und Informationen fällt gut jedem zweiten Bürger schwer. Während die Digitalisierung immer weiter voranschreitet, wächst die Gefahr, dass die Bürger nicht mehr mitkommen. Deshalb brauchen sie verlässliche und leicht verständliche Informationsangebote im Netz.“

Das Institut Skopos hatte zuvor bundesweit 8.500 Frauen und Männer im Alter von 18 bis 75 Jahren befragt, wie gut sie digitale Gesundheitsinformationen ausfindig machen, verstehen und für sich nutzen können. Mit Ausnahme Nordrhein-Westfalens, wo 1.000 Personen kontaktiert wurden, befragten die Meinungsforscher pro Bundesland 500 Bürgerinnen.Mehr als die Hälfte der Befragten (52,4 Prozent) verfügt demnach nur über eine eingeschränkte digitale Gesundheitskompetenz. Knapp der Hälfte (48,4 Prozent) fällt es schwer zu beurteilen, ob die Informationen zuverlässig sind oder nicht. 40 Prozent finden es zudem „schwierig“ oder „sehr schwierig“, herauszufinden, ob hinter den Gesundheitsinformationen kommerzielle Interessen stehen. Es zeigte sich auch, dass Frauen sowie Personen mit höherem Einkommen und höherer Bildung tendenziell eine höhere digitale Kompetenz aufweisen.

Ist der Gesundheitszustand eines Menschen sehr gut oder gut, so besitzt er laut Umfrageergebnissen eine höhere digitale Gesundheitskompetenz als jemand mit mittelmäßigem, schlechtem oder sehr schlechtem Befinden. Litsch fordert zugleichh den Abbau von Hürden. „Die Umfrage zeigt auf, dass digitale Angebote leicht zugänglich und verständlich sein müssen, damit alle Menschen davon profitieren.“ Ohne derartige Schranken wären die Menschen besser in der Lage, die richtigen Entscheidungen für die eigene Gesundheit zu treffen. Die Gesundheitskasse sei bereits auf einem guten Weg. „Wir achten bei der Entwicklung unserer digitalen Angebote darauf, dass die Versicherten die Informationen gut verstehen und letztendlich auch so nutzen können, dass sie ihnen nützen.“ Besonders hilfreich sei unter anderem der „AOK-Gesundheitsnavigator“. Diesen habe man genau nach den für Nutzerinnen und Nutzer wichtigen Kriterien überarbeitet: leichter Zugang, Verständlichkeit und verlässliche Informationen.

Matthias Mohrmann, Vorstandsmitglied der AOK Rheinland/Hamburg und Co-Autor der Studie, betonte abschließend: „Eine fundierte Gesundheitskompetenz kann helfen, eine Spaltung der Gesellschaft in Informierte und Uninformierte zu verhindern und damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern. Gerade in diesen Zeiten ist es uns sehr wichtig, unsere Versicherten dabei zu unterstützen, dass sie der aktuellen Flut an Falschinformationen im Netz etwas entgegensetzen können.“ Mohrmann verwies darauf, dass seine Kasse als eine der ersten gesetzlichen Krankenkassen die Förderung der Gesundheitskompetenz als strategisches Unternehmensziel verankert habe. Darüber hinaus spiegele sich das Thema Gesundheitskompetenz in Versorgungsangeboten für Versicherte wider. „Die Angebote müssen zielgruppenspezifisch und auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtet sein.“ Als digitale Angebote stünden beispielsweise die Videosprechstunde des

Bilder: AOK-Mediendienst)