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„Von der Lösung her denken, nicht vom Problem“- Martin Wonneberger über seine ersten Amtswochen


Am 6. Juli 2025 gewann Martin Wonneberger (CDU) mit 59,9 Prozent im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit die Bürgermeisterwahl in Großbeeren. Nach seiner Vereidigung am 19. August hat er am 1. September offiziell sein Amt angetreten. Die ersten 100 Tage sind zwar noch nicht ganz vorüber, aber schon jetzt lässt sich Bilanz ziehen.

Teltower Stadtblatt Verlag: HerrBürgermeister, wie war Ihre erste Zeit als Amtsinhaber, was konnten Sie schon „anpacken“?

Martin Wonneberger: In den ersten Tagen habe ich mich erst einmal darum gekümmert, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennenzulernen und ihnen meine Ziele zu erklären. Dazu habe ich sie zu einer gemeinsamen Veranstaltung eingeladen und Einzelgespräche geführt, um Jede und Jeden zu informieren und abzuholen. Dann hat mich aber auch ganz schnell die Realität eingeholt, denn wir mussten eilig einen Nachtragshaushalt aufstellen. Der ist ein wichtiger Wegweiser für die Gemeinde. Zum Beispiel müssen wir unseren Kommunalservice umbauen, denn das Erscheinungsbild, sprich die fehlende Schönheit im Ort, ist ein Brennpunktthema in Großbeeren. Seit sieben Jahren gibt es viele Klagen seitens der Bürger. Großbeeren sei trostlos, hässlich, ungepflegt und nicht würdevoll. Nachdem der Nachtragshaushalt beschlossen ist, kann ich einen guten Aufwuchs des Kommunalservice sicherstellen. Dessen Aufgaben wird dann sein, Bäume zu pflanzen, Parkanlagen anzulegen und zu pflegen und sich um alles zu kümmern, was einen Ort schön und lebenswert macht.

Gibt es da schon konkrete Pläne?

Zurzeit sind diese Aufgaben noch extern vergeben, aber wir sind nicht zufrieden. Deshalb möchten wir das selber übernehmen. In Abhängigkeit der Übernahme der Aufgaben werden dann zeitnah gem. der neuen Personalstellen Ausschreibungen erfolgen. Wir haben vor, ab 2026 ungefähr sechs neue Mitarbeiter dafür einzustellen. Das wird uns in drei Jahren Einsparungen im sechsstelligen Bereich einbringen.

Eines ihrer „Nahziele“ war, dass es Frühstück im Hort gibt.

Ja, die Hortkinder haben schon einen Tag nach meinem Amtsantritt Frühstück bekommen. Das hatte ich in meinem Wahlprogramm versprochen. Das wird sehr gut angenommen, insbesondere von Kindern, die in die Frühschicht müssen, deren Eltern sie aufgrund von Schichtdienst schon um 6:30 Uhr bringen. Die haben dann oft schon ihr Pausenbrot gegessen und hatten bis zum Mittagessen nichts mehr. Dafür gibt es aktuell kein Budget im Haushalt, deshalb habe ich private Sponsoren gewinnen können.

Eines Ihrer langfristigen Ziele ist der Ausbau und die Verschönerung der Ortsmitte.

Genau. Das wollten ja schon meine Vorgänger Herr Ahlgrimm und Herr Borstel angehen. Ich werde das Thema genauso aufnehmen und mit den Eigentümern von gewissen Flurstücken und anderen Verantwortlichen reden und gemeinsam eine Agenda erstellen. Ich hoffe, dass wir dann in sechs bis sieben Jahren zu Ergebnissen gekommen sein werden. Auch private Investoren müssen dort stärker unterstützt werden. Das betrifft den Wohnungsbau, aber auch die Verschönerung der Dorfaue. Es existiert natürlich ein städtebaulicher Rahmenplan, aber der ist stark überarbeitungsbedürftig. Auch das steht auf meiner Agenda.

Aber Priorität hatte in den ersten drei Wochen, wie oben schon angesprochen, das „Durchpeitschen“ des Nachtragshaushalts. Ich möchte auch ein großes Lob an die Gemeindevertreter richten, die sehr konstruktiv und sehr an der Sache orientiert zusammen mit mir und der Verwaltung gearbeitet haben, so dass wir ihn am 15. Oktober beschließen konnten.

Brandenburg investiert drei Milliarden in Zukunftsprojekte wie Infrastruktur, Bildung, Sicherheit und Gesundheit. Davon gehen 1,5 Milliarden direkt an die Kommunen. Haben Sie schon einen Überblick, wieviel die Gemeinde Großbeeren erhält und was ist damit geplant?

Ja, wir bekommen 1,8 Millionen davon. Das ist natürlich ein Tropfen auf den heißen Stein. Das richtet sich nicht nach der Größe oder Einwohnerzahl, sondern nach der Wirtschaftskraft. Daher ist der Anteil relativ gering, was aber utopisch ist. Man sollte sich lieber den Bedarf an Infrastrukturprojekten anschauen, und der ist enorm. Man schaue nur auf die Osdorfer Straße. Das ist eine Hauptverbindungsader zwischen Berlin und dem Umland, ist jedoch durch die Einspurigkeit ein Unfallschwerpunkt in Brandenburg. Da kommen kaum zwei LKWs aneinander vorbei. Aber wir als Kommune werden das Thema 2027 wieder angehen, denn da sollen wieder Fördergelder zur Verfügung stehen. Es ist ja gut, dass Geld ausgeschüttet wird, aber die Rahmenbedingungen, Knebelungen und Auflagen, denen man unterliegt, damit man das Geld ausgeben darf, sind viel zu kompliziert und bürokratisch.

Ich möchte noch einmal auf den Sport- und Bildungscampus zu sprechen kommen, der in Großbeeren dringend sanierungsbedürftig ist. Was gibt es dafür Pläne?

Ja, da habe ich in diesen ersten vier Wochen schon mit der privaten Hand gesprochen, die sich das grundsätzlich vorstellen kann, zusammen mit uns etwas für die Kinder und Jugendlichen zu schaffen. Wir als Gemeinde können das nicht alleine. Mein Ziel ist es, in vier bis fünf Jahren ein neues Jugendzentrum zu haben. Unser jetziges ist ein altes marodes Gebäude aus DDR-Zeiten, sehr abgelegen und kaum beleuchtet. Da es sich im Außengebiet befindet, können wir es nicht so entwickeln, wie wir es gerne hätten. Außerdem ist es denkmalgeschützt. Wenn die Behörden es demnach untersagen, dass wir es kinder- und jugendgerecht entwickeln, müssen wir etwas Neues machen. Sinnvoll sind Kooperationen mit wirtschaftlichen Unternehmen, die schon etwas haben und Synergien zu nutzen.

Ich habe dieses Thema wie alle meine Themen in die Fläche gegeben und gestreut, bin von Termin zu Termin gerannt, um die Themen erst einmal aufzumachen. Das Gute ist, dass alle, mit denen ich gesprochen habe, ihre Bereitschaft signalisiert haben, den Weg gemeinsam mit mir zu gehen. Ich denke, alle Kommunen müssen lernen, Synergien zu nutzen und interkommunal zu denken. Die Verwaltungsbeamten müssen sich in den Regionen miteinander vernetzen, vor allem in Zeiten knapper werdender Kassen.

Daran schließt sich meine nächste und letzte Frage: inwieweit haben Sie schon mit den Nachbargemeinden Kontakt aufgenommen?

Natürlich bin ich schon enger zusammengerutscht an den zukünftigen Bürgermeister von Teltow. Andre Freymuth ist jemand, der genauso denkt wie ich, interkommunal, partnerschaftlich, der wie ich weiß, dass wir die Herausforderungen unserer Zeit nicht alleine lösen können und neue Wege sucht. Insofern ist das auch für Großbeeren als enger Nachbar sehr gut, dass Teltow sich so entschieden hat. Ich bin auch näher im Kontakt mit Bodo Krause aus Kleinmachnow und Tobias Krüger aus der Gemeinde am Mellensee sowie mit Andreas Igel aus Ludwigsfelde, die auch auf mich zugekommen sind. Sie alle denken nicht in Parteifarben, es geht ihnen um die Sache und um die Menschen. Da habe ich ein gutes Gefühl!

Ein Schluss noch die Frage: Was wünschen Sie sich?

Wir sollten von der Lösung her denken, nicht vom Problem! Ich wünsche mir, dass die Bürger und Bürgerinnen wieder aktiver an der Gesellschaft teilnehmen. Zum Beispiel hatten wir ein Gedenken an die Opfer des Faschismus und einen Tag der Deutschen Einheit, an denen ich mir eine etwas stärkere Teilnahme gewünscht hätte. Ich stelle fest, dass unsere Freiheit unter Druck gerät durch radikale linke und rechte Ränder sowie radikale religiöse Fanatiker. Die bürgerliche Mitte wird immer schweigsamer. Deshalb gibt es auch so etwas wie den Tag der Deutschen Einheit, um zu zeigen, dass wir eine Gemeinschaft sind und die müssen wir schützen!

Fotos: Elisabeth Kaufmann