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SPD-Landratskandidat Marko Köhler: „Die Menschen sorgen sich um das Wohnen“

Am 06. Februar wählt der Landkreis Potsdam-Mittelmark einen neuen Landrat. Für die SPD kandidiert Marko Köhler um die Nachfolge von Wolfgang Blasig, der sein Amt zur Verfügung gestellt hatte. Eine Woche vor dem Urnengang berichtet Köhler über den Wahlkampf.

Ein regnerischer, windiger Januarmorgen in Teltow. „Der Wahlkampf am Teltower S-Bahnhof macht Spaß, aber ich kann verstehe, dass viele Leute einfach nur ins Warme wollen“, lacht Marko Köhler. Der 48-Jährige Sozialdemokrat bewirbt sich am 06. Februar um die Nachfolge von Wolfgang Blasig, der im vergangenen September erklärt hatte, sein Amt aus Gesundheitsgründen zur Verfügung zu stellen. Köhler, derzeit Amtsdirektor im Amt Brück, will seine Erfahrungen aus dem 11.000-Einwohner-Gemeindeverband nun als Landrat des Kreises Potsdam-Mittelmark nutzen. „Das ist noch einmal eine ganz andere Größenordnung, das ist mir bewusst“, betont der Kommunalpolitiker, der vor seiner derzeitigen Amtstätigkeit auf eine 20-jährige Erfahrung im Polizeidienst zurückblicken kann.

Die größten Aufgaben: Wohnen und Verkehr

„Gerade beim Straßenwahlkampf treffe ich auf Bürgerinnen und Bürger aus den verschiedensten Altersgruppen, aber fast alle kommen sofort auf zwei wichtige Anliegen zu sprechen: Wohnen und Nebenkosten“, so der Kommunalpolitiker. „Die Menschen im Landkreis sorgen sich um das Wohnen.“ Doch was kann der Kreis überhaupt tun? „Als Landrat verfügt man zwar zunächst über eine vergleichsweise geringe Kompetenz“, schränkt Köhler ein, doch: „Gemeinsam mit anderen Landräten wollen und können wir Druck auf die Landespolitik ausüben, etwa, um das derzeitige Angebot zu erhöhen.“ Der Siedlungsdruck nehme im ganzen Landkreis zu; die Schrumpfungsprognosen der vergangen Jahre seien nicht eingetreten, sondern im Gegenteil: Aus Potsdam und Berlin sei ein anhaltend starker Zuzugstrend zu beobachten. „Ich will mich dafür stark machen, dass mehr Wohnbauflächen zur Verfügung gestellt werden, wo dies möglich ist.“

Kritisch betrachtet der Kandidat die ausbleibende Steigerung des Kreisbudgets für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). „Dass die Steigerung entfallen ist, hat mich schmerzhaft getroffen“, berichtet Köhler im Austausch mit dem Teltower Stadtblatt-Verlag. Mittelfristig müssten zudem die kreisübergreifenden Verbindungen gestärkt werden: „Die Verbindungen nach Potsdam und Berlin sind hervorragend, doch es fehlen gute Querverbindungen“, unterstreicht der SPD-Kandidat. Dabei sei die regionale Verzahnung wichtig, und bereits jetzt müsse mit den Planungen begonnen werden: Ab 2032 solle die S-Bahn bis Stahnsdorf rollen, wo ein neuer Knotenpunkt entstehen werde. „Ich wünsche mir, dass dort ein Busbahnhof entsteht, der seinen Namen verdient.“ Dieser werde den Umsteigepunkt an der Stahnsdorfer Waldschänke perspektivisch ersetzen. Allerdings müssten auch die Bedenken der Menschen ernstgenommen und bei den Planungen berücksichtigt werden.

Kandidatur in einer Pandemie

Doch wie gestaltet sich der Wahlkampf in Pandemiezeiten? „Corona belasten Austausch untereinander ungemein“, blickt der Kandidat auf die vergangenen Wochen zurück. „Die Lunte bei den Menschen ist kürzer geworden, viele Menschen sind gereizt.“ Die Radikalisierung einer Minderheit sieht er mit Sorge – daher engagiert sich der SPD-Politiker auch bei den Mahnwachen, mit denen das Netzwerk Tolerantes Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf (NTTKS) ein Zeichen gegen die „Spaziergänge“ von Coronaleugner, Maßnahmengegnern oder Impfskeptikern setzt. „Dabei haben wir uns bewusst dazu entschieden, keine Reden oder Protestkundgebungen zu halten. Die Stimmung ist manchmal schon aufgeheizt genug, und wir gedenken außerdem der über 250 Coronatoten im Landkreis und aller Opfer der Pandemie.“ Allerdings nehme er als Bürger an den Mahnwachen teil: „Die Mahnwachen dienen nicht der Politik.“

Die Corona-Infektionszahlen durch die Decke, durch die Omikron-Variante reiht sich Rekord an Rekord. Ist da überhaupt an einen normalen Wahlkampf zu denken? „Corona macht natürlich vieles unmöglich, doch wir machen das Beste daraus“, berichtet der Köhler. So seien Begegnungen im Freien möglich und auch wichtig, denn: „Wir müssen wieder lernen, miteinander zu reden. Das haben wir ein bisschen verlernt, wahrscheinlich auch durch die mittlerweile zweijährige Pandemie bei uns.“ Daher wolle er auch nach dem Wahlkampf weiter vor Ort Präsenz zeigen, den Austausch mit den Menschen suchen und nahe bei den Bürgern sein: „Der persönliche Kontakt ist gerade in so einem großen Wahlkreis wie Potsdam-Mittelmark ungemein wichtig, denn nur so kann man auch die Zwischentöne wahrnehmen und lernen, was die Menschen bewegt.“

„Nicht besser, sondern anders“

Der SPD-Kandidat informierte sich am selben Tag (Donnerstag, 27. Januar) im Teltower Diakonissenhaus über dessen Arbeit. Beim Austausch mit der Geschäftsführung wurden unter anderem Sorgen um die Nutzung der umliegenden Verkehrsflächen und die Anbindung der Verkehrsinfrastruktur geäußert, etwas nach Berlin-Lichterfelde. So würde der Radweg bisher an der Stadt- und Ländergrenze abrupt enden. Hier sei ein engerer Austausch notwendig. Angesprochen auf seine künftige Arbeit als Landrat – bei erfolgreicher Wahl – stellte Köhler zudem in Aussicht: „Ich will es nicht besser machen, sondern anders!“ ph

Bild: Redaktion