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Stahnsdorfer Ärztin stellt sich gegen Impfgegner

Die Stahnsdorfer Ärztin Sabine Kolbmüller beteiligt sich an der Impfkampagne. Nun hatte sie einen „Haftungsbescheid“ von Impfgegnern im Briefkasten. Das Schreiben ist belanglos, doch die Medizinerin bezieht trotzdem klar Stellung.

Die Stahnsdorfer Hausärztin Sabine Kolbmüller staunte nicht schlecht, als sie kürzlich ihren Briefkasten öffnete: In der Hand hielt sie einen „Haftungsbescheid“. Das Schreiben sparte nicht mit Drohungen. „Mit diesem Brief möchten wir Sie daran erinnern, dass Sie persönlich für Impfschäden haftbar gemacht werden können, wenn Sie Ihren Patienten einen der Gen-basierten Covid-19-Impfstoffe verabreichen“, droht ihr eine Organisation namens MWGFD. Zunächst weckt der Briefkopf einen offiziellen Eindruck: „Doctors for Covid Ethics“ und die „Ärzte für Aufklärung“ werden hier als Absender genannt, sodass der Empfänger zunächst glauben könnte, ein Behördenschreiben in seinen Händen zu halten.

Doch schnell wird klar, dass Impfgegner hinter der Aktion stecken. So sei bereits in vorhergehenden Schreiben dargelegt worden, „die Impfstoffe allesamt unnötig, unwirksam und gefährlich“ seien. Im Anschluss werden die Behauptungen vertieft und mit Referenzen untermauert. Das Schreiben erreichte neben Kolbmüller auch weitere Medizinerinnen und Mediziner in der Region. Für sie ist es der erste Kontakt mit Impfverweigerern. Sie sei entsetzt und wütend gewesen, habe sich jedoch nicht bedroht gefühlt, berichtet sie. Zunächst habe sie den Brief entsorgen wollen, doch ihr Lebensgefährte Klaus Hennicke habe sie davon überzeugt, öffentlich und ablehnend Stellung zu beziehen. Man wolle Gesicht zeigen, besonders weil sich die Autoren nur hinter anonymen Abkürzungen versteckten.

Kolbmüller, die sich schon seit Beginn an der Impfkampagne beteiligt, fühlt sich nicht bedroht: „Ich lasse mich nicht unterkriegen, ich impfe weiter.“ Bis zu 60 Personen bekommen von ihr den mRNA-Impfstoff von BioNtech bei Impfungen in Seniorenheimen, an anderen Tagen weniger, damit der Praxisalltag weiterlaufen kann.

Hinter MWGFD versteckt sich ein Star der Corona-Verschwörungsszene: Als Vorsitzender der „Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie“ ist „Prof. Dr. med. Sucharit Bhakdi“ vermerkt, einer der prominentesten Kritiker der Corona-Maßnahmen und hartnäckiger Gegner der Impfkampagne. Gegen Bhakdi läuft derzeit ein Verfahren wegen Antisemitismus. Als zweiter Vorsitzender der Gynäkologe Ronald Weikl aus Passau aufgeführt. Dieder befindet sich ebenfalls im Konflikt mit der Justiz. Ihm wird vorgeworfen, in 95 Fällen ohne vorherige Untersuchung ärztliche Atteste ausgestellt zu haben, mit denen er aus medizinischen Gründen eine Masken-Befreiung sowie die Befreiung von der Hand-Desinfektion bescheinigt.

Das Schreiben kann online heruntergeladen werden. Die Organisation appelliert an ihre Unterstützer, es an möglichst viele Empfänger zu versenden. Damit solle eine „Aufklärungswelle“ ausgelöst werden, die zum Umdenken im derzeitigen „Impfwahn“ beitragen solle. ph

Symbolbild: Pixabay.com