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Stahnsdorf: 275 Geflüchtete in Quarantäne

Je enger die Unterbringung, desto höher das Infektionsrisiko. Dies müssen Geflüchtete in Stahnsdorf nun am eigenen Leib erfahren: Im Übergangswohnheim ist eine Familie positiv auf das Coronavirus getestet worden. 275 Menschen müssen nun in Quarantäne.

Im Stahnsdorfer Übergangswohnheim für Geflüchtete ist am Wochenende eine Familie positiv auf das Coronavirus getestet worden. Zunächst habe der Vater am Samstag Krankheitssymptome gezeigt, woraufhin er in das Potsdamer St.-Josefs-Krankenhaus eingeliefert worden sei, so der Landkreis Potsdam-Mittelmark. Am Folgetag seien dessen Ehefrau sowie die fünf Kinder des Paares im Bergmann-Klinikum aufgenommen worden. Sowohl bei der Ehefrau als auch bei vier der fünf Kinder sei eine Infektion mit SARS-CoV-2 festgestellt worden.

Alle Bewohner des Wohnheims gelten nun als risikoverdächtig, weshalb zwei Gebäude mit insgesamt 275 Geflüchteten unter Quarantäne gestellt wurde. DIe Bewohner beider Häuser würden engen Kontakt untereinander pflegen – die Maßnahme sei daher für beide Häuser angeordnet worden, so der Landkreis weiter. Der Internationale Bund, der im Auftrag des Kreises die Wohnheime verwaltet und betreibt, organisiert nun die Grundversorgung der Betroffenen vor Ort.

Derzeit ermittelt das Gesundheitsamt die Kontaktpersonen der Bewohner beider Häuser, um eventuelle Infektionsketten unterbrechen zu können. Die seit Sonntag bestehende Quarantäne werde überwacht; zudem würden alle Geflüchteten auf das Coronavirus getestet – daher könnten in den kommenden Tagen weitere Krankheitsfälle auftreten.

Linke fordert dezentrale Unterbringung

Unterdessen fordert die für den Landkreis Potsdam-Mittelmark zuständige Abgeordnete der Linksfraktion im Potsdamer Landtag, Marlen Block, die dezentrale Unterbringung Geflüchteter. Die mit der Coronakrise einhergehende Situation unterstreiche erneut, mit welchen Zuständen sich Geflüchtete in diesem Land konfrontiert sehen. Die Unterbringung auf engstem Raum mit hunderten anderen Menschen könne nicht nur zu einer massiven psychosozialen Belastung führen, sondern wie im Stahnsdorfer Fall auch zu Gesundheitsrisiken. Deshalb müsse dafür gesorgt werden, dass Geflüchtete dezentral untergebracht werden können. Hierfür sei die massive Ausweitung des öffentlichen Wohnungsbaus unabdingbar, etwa durch gezielte Förderaktionen des Landes Brandenburg. Dies würde nicht nur die bereits genannten Probleme beheben, sondern sei laut einer Studie der Robert-Bosch-Stiftung auch die für den Staat kostengünstigere Alternative.

Neben den sechs bestätigten Neuinfektionen im Stahnsdorfer Wohnheim beläuft sich die Corona-Bilanz für den Landkreis Potsdam-Mittelmark auf 549 Betroffene. Derzeit seien noch drei von ihnen aktuell erkrankt und zeigten Symptome, erklärte das Landratsamt. Im ganzen Land Brandenburg sind bisland 3525 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden. ph

Symbolbild: Pixabay.com