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Der Spaß am„Selberdenken“ – Stahnsdorfer Denksport-Verein fördert Alt und Jung

In einer Zeit, wo das eigene Denken immer mehr auf KI und Influencer verlagert zu werden scheint, wird die Rückbesinnung auf eigene Fähigkeiten umso wichtiger. Aus der tiefen Überzeugung heraus, dass jeder Mensch in der Lage ist, seine Denkfähigkeit nicht nur zu verbessern, sondern auch noch Spaß am Training zu haben, gründete letztes Jahr eine Gruppe engagierter Stahnsdorfer den Denksport-Verein. Ein ehrenamtliches Wirken, das mit hohem Zeitaufwand verbunden ist und bei Jung und Alt ungeahnte Potenziale weckt.

Schaut man in die Geschichte, so erkennt man, dass schon immer die Gefahr bestand, dass Herrschende ihren Untertanen das eigenständige und kritische Denken untersagen wollten. Ganz anders sah das die berühmte Wissenschaftlerin Marie Curie: „Sie müssen ihr Talent entdecken und benutzen. Sie müssen herausfinden, wo ihre Stärke liegt. Haben Sie Mut, mit ihrem Kopf zu denken, das wird Ihr Selbstvertrauen und Ihre Kräfte verdoppeln.“ Diese Potenziale, die in jedem Menschen schlummern, unterhaltsam zu fördern, hat sich der ­Stahnsdorfer ­Denksportverein vorgenommen. In einer von Sozialen Medien und KI immer stärker geprägten Welt ist es nämlich umso wichtiger, sich seines eigenen Verstands zu bedienen und sich genügend Wissen und Fähigkeiten anzueignen, um damit verantwortungsvoll umzugehen – und wenn das Denktraining zudem noch vergnüglich und im Kreise Gleichgesinnter erfolgen kann, ist das umso wertvoller und motivierender.

Denksport AG Heinrich Zille Grundschule Foto: Hahne

Nachdem in der Heinrich-Zille-­Grundschule der Wunsch nach einem AG-Angebot abseits körperlicher Aktivitäten aufkam, fanden sich unter der engagierten Elternschaft einige, die willens waren, ihre knappe Freizeit dafür zu opfern: Die „Denksport-AG“ entstand unter dem Motto „Wo kleine Köpfe groß denken“. Dr. Stefanie Hahne (Naturwissenschaftlerin und Forscherin), ihr Mann Dr. ­Martin Hahne (Biotechnologe), ihr Vater Dr. ­Alfred Schmidt (ehemaliger Gymnasiallehrer) und weitere Aktive waren und sind die Hauptinitiatoren. Die Motivation von Frau Dr. Hahne: „Ich wurde selbst durch meine Eltern sehr gefördert, und weshalb sollte nur unsere eigene Tochter davon profitieren, wenn ich das weitergebe?“ Sie möchte den Leuten Raum geben für kreative Betätigung und ihnen die Freude am Denken vermitteln. Dabei ist sie überzeugt: „Jedes Kind, auch aus einem weniger unterstützenden Elternhaus, hat ungeahnte Fähigkeiten. Daher ist es uns ein Herzensanliegen, der Gesellschaft etwas zurückzugeben und jede Person unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrem Hintergrund zu fördern.“ Dass sich das offenbar lohnt, zeigen Beobachtungen bei Kindern mit ADHS oder anderen Lernbeeinträchtigungen: „Beim Denksport sind diese Kinder auf einmal ganz ruhig und konzentriert, das ist schon bemerkenswert.“ Sicher kommen den Kindern auch die pädagogischen Fähigkeiten und die Vorbildwirkung von ­Stefanie Hahne zugute, die durch eigenen Tanzunterricht schon als Kind Disziplin lernte und ihre so erworbenen Kenntnisse in unzähligen Kursen weitergab – und nicht zuletzt kann sie von der schulischen Erfahrung ihres Vaters, der auch im Ruhestand noch immer sehr aktiv ist, profitieren.

Dr. Schmidt mit Enkelin Antonia, Dr. Stefanie Hahne und Dr. Martin Hahne mit teils selbst gefertigten Knobelspielen Foto: Mario Kacner

Jede Woche treffen sich seit letztem Jahr Hortkinder aus den dritten und vierten Klassen der Heinrich-Zille-Grundschule unter der Koordinierung einer dortigen Lehrerin nachmittags zum gemeinsamen Denksport. Wegen der großen Nachfrage (momentan mehr als 20 Kinder) gibt es mittlerweile sogar zwei Gruppentreffen. Dabei besteht eine große Auswahl an vielfältigen Anregungen und herausfordernden Knobelspielen, die von der Familie Hahne zum Teil selbst entworfen und auf dem heimischen 3D-Drucker hergestellt werden. Denksportsticker und kleine Belohnungen locken und bewirken, dass die Kinder eifrig bei der Sache bleiben. Und damit auch ältere Kinder und ihre Familien von dem Angebot profitieren können, gibt es nun ein monatliches Zusatzangebot im zukünftigen Stahnsdorfer Bürgerhaus, dem ehemaligen Feuerwehrgebäude am Dorfplatz. Hier steht ein schöner, großer Raum zur Verfügung, in dem man ebenfalls ein großes, kreatives Material- und Aufgabenangebot vorfindet. Bürgermeister Albers sei ganz begeistert von dieser Initiative gewesen, wird uns berichtet. Zusammen mit dem Bürgerhaus-Verein will man den Ausbau der Räumlichkeiten und die zukünftigen Veranstaltungen fördern. Bereits jetzt ist der mittlerweile gegründete Denksport-Verein auf Gemeindeveranstaltungen präsent, so zum Beispiel beim sommerlichen Familienfest, wo der Mitmach-Stand auf reges Interesse und große Nachfrage stieß. Daher ist auch für die Zukunft geplant, sich mit Diskussionsrunden und Workshops zu aktuellen Themen wie „KI und Gesellschaft“, „Kreatives Denken“ oder „Fehlerkultur/Fehler machen klug“ am gesellschaftlichen Dialog zu beteiligen.

Stand der Denksport AG auf den Stahnsdorfer Familien und Sommerfest Foto Hahne

Der „Denksport e. V.“, der einzige dieser Art in Deutschland, der außer den neun Gründungsmitgliedern zwischen 8 und 74 Jahren auch aus weiteren Teilnehmern und Fördermitgliedern besteht, veröffentlicht auf seiner Webpräsenz (https://denksport-verein.de) wöchentlich Denksportaufgaben, die man allein oder mit der Familie lösen kann. Dieses niedrigschwellige Angebot kann jeder kostenlos nutzen. Darüber hinaus wäre es jedoch für den Verein sehr hilfreich, wenn sich weitere Personen finanziell oder persönlich engagieren würden. Dabei kann man bereits mit 30 Euro pro Jahr (gern auch mehr) Fördermitglied werden. Beiträge und Spenden (Kontodaten siehe unten) sind steuerlich absetzbar. Gern kann man sich mit eigenen Ideen oder bei der Teilnehmerbetreuung einbringen. Für die Zukunft sind Rätseljagden im Ort geplant, zusätzlich sollen Exkursionen zu Wissenschaftsmuseen und -einrichtungen stattfinden, wobei man auch auf externe Kontakte und Anregungen zurückgreifen möchte.„Ich bin unglaublich stolz auf das, was meine Tochter, die ja voll berufstätig ist, noch zusätzlich und uneigennützig beim Denksport-Verein leistet. Dieses soziale Engagement ist bewundernswert, und meine Enkelin profitiert ebenfalls davon“, betont Dr. Alfred Schmidt. Er selbst bemüht sich, nach Kräften mitzuhelfen, um auch ältere Personen mit den denkfördernden Aktivitäten bekannt zu machen. Dabei stieß er im örtlichen Seniorentreffpunkt auf großes Interesse. Besonders reizvoll fanden die Teilnehmer, dass man sich den Aufgaben ganz individuell und ohne Zeitdruck widmen kann: „Spiele, bei denen man sich selbst und vielleicht auch den inneren Schweinehund besiegt, können eine interessante Abwechslung zu altbekannten Gesellschaftsspielen sein.“ Nicht zuletzt wäre auch die integrative Funktion des Denksports für ältere Menschen und für Teilnehmer mit Migrationshintergrund wertvoll. So sind wir gespannt, wie sich der „Denksport e. V.“ zukünftig in Stahnsdorf und seinen Nachbarorten entwickelt – vielleicht gibt es ja demnächst Regionalgruppen, die gegeneinander antreten und miteinander wetteifern.