Brandenburg erinnert an Volksaufstand in der DDR vor 73 Jahren mit Gedenkstunde im Plenarsaal
Mit einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung haben der Landtag Brandenburg, die Landesregierung und die Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur heute an den Volksaufstand in der DDR vor 73 Jahren erinnert. Das zentrale Gedenken fand in diesem Jahr vor Beginn der Landtagssitzung im Plenarsaal des Parlaments statt. Im Rahmen der Veranstaltung boten die Schauspielerin Kristin Muthwill und der Schauspieler Henning Strübbe vom Potsdamer Hans Otto Thea-ter eine szenische Lesung von historischen Zeitdokumenten dar. Musikalisch begleitet wurde das Programm durch den Saxophonisten Ralf Benschu mit Eigenkompositionen.
Bei der Gedenkveranstaltung sagte Landtagspräsidentin Prof. Dr. Ulrike Liedtke: „Der 17. Juni war nur ein Moment der Freiheit, die Ahnung, dass Widerstand gelingen kann, aber es war ein Anfang. Wie mutig treten wir heute für Demokratie ein, nutzen wir unsere Freiheit zur Gestaltung eines guten, glücklichen Lebens? Frei von Ideologisierung, überparteilich in Diskussion und Auseinandersetzung, mit Respekt vor den Gedanken und Po-sitionen Anderer. Wir haben doch eine gute Verfassung, freie Wahlen, un-abhängige Gerichtsbarkeit, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Religionsfrei-heit, Reisefreiheit, Redefreiheit. Darauf können wir stolz sein im Osten Europas, in einem historisch gewachsenen Miteinander. Aus dem Schlüsselereignis vom 17. Juni 1953 erwächst eine europäische Aufgabe, noch heute – und auch für uns.“
Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke erklärte anlässlich des Gedenkens: „Das Aufbegehren der mutigen Bürgerinnen und Bürger am 17. Juni 1953 ist kein ferner Geschichtsakt. Es ist Mahnung an uns heute: Freiheit und Demokratie müssen verteidigt werden und sind alles andere als selbstverständlich. Vor 73 Jahren haben Hunderttausende in mehr als 700 Orten der DDR ihre Stimme für Meinungsfreiheit und politische Teilhabe erhoben. Das sind die Grundfeste der Demokratie und die Erinnerung daran Ver-pflichtung für die Zukunft. Wir gedenken der Opfer und erneuern damit auch unser Versprechen, unsere demokratischen Werte entschlossen zu verteidigen.“
Die Aufarbeitungsbeauftragte Dr. Maria Nooke erklärte: „Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 zeigt, wie entschlossen sich die Bevölkerung landesweit gegen die SED-Diktatur aufgelehnt hat und demokratische Rechte einforderte. Er ist Teil unserer Demokratiegeschichte und erinnert uns bis heute daran, dass Freiheit von Menschen lebt, die bereit sind, für sie einzustehen.“
Am 17. Juni 1953 gab es in mehr als 700 Orten in der DDR Demonstrationen für bessere Lebensbedingungen, Demokratie und Freiheit. Sowjetisches Militär und DDR-Volkspolizei schlugen den Aufstand blutig nieder. Mehr als 50 Menschen starben; etwa 15.000 Frauen und Männer wurden inhaftiert.
Foto: Blick in den Plenarsaal während der szenischen Lesung von historischen Zeitdokumenten während der Gedenkveranstaltung. © Landtag Brandenburg
