Bundeskanzler Olaf Scholz lernt von den Schülern in Kleinmachnow

Bundeskanzler Olaf Scholz hat am Montag die Eigenherd-Grundschule in Kleinmachnow besucht, um mit Schülerinnen und Schülern über Europa und Politik zu sprechen.

Die Vorfreude war am 22. Mai auf beiden Seiten sichtlich groß. Zum einen beim Bundeskanzler, der es kaum schaffte, all die kleinen Hände zu schütteln, die ihm entgegengestreckt wurden. Zum anderen bei den Schülern, die sich sehr genau auf den hohen Besuch vorbereitet hatten und ihren Gast in vielen Sprachen begrüßten, unter anderem auf Ukrainisch.  

Über Europa reden – darum geht es beim EU-Projekttag an Schulen. Während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2007 ins Leben gerufen, ermöglicht die Initiative Politikern, Behördenvertretern und Mitarbeiter der EU-Institutionen, das persönliche Gespräch mit jungen Menschen zu suchen und deren Vorstellungen und Wünsche für die Zukunft zu diskutieren.

Zunächst informierte sich Scholz über das Austauschprogramm, das die Kleinmachnower Eigenherd-Schule seit 2016 gemeinsam mit der Stadt Jablonec in Tschechien für Schülerinnen und Schüler ab der 4. Klasse anbietet. Frau Rühlemann, Fachlehrerin für Mathematik, Englisch, Sachkunde und Deutsch, leitet zusammen mit dem Sportlehrer Herrn Schüttler dieses Projekt und berichtete, dass sich über die Jahre nicht nur ein reger Schüleraustausch, sondern sogar Freundschaften zwischen den Familien entwickelt hätten. Die Lehrpläne der beiden Schulen ergänzten sich sehr gut; dazu kommen die unzähligen gemeinsamen sportlichen und kulturellen Aktivitäten sowie das unmittelbare Erleben von Gastfreundschaft durch die private Unterbringung. Da jeder Schüler seine Gastfamilie mindestens zweimal in aufeinander folgenden Schuljahren besuche, werde ein intensiver Austausch ermöglicht, der eben auch Freundschaften entstehen lässt.

Für mich war das heute ein ganz beeindruckender Besuch, um mit Schülerinnen und Schülern dieser Schule über Europa zu diskutieren, aber auch etwas zu lernen über die Aktivitäten, die hier in Partnerschaft mit einer Schule in Tschechien unternommen werden, und natürlich ganz konkret auch ein Gespräch zu haben mit Schülerinnen und Schülern aus der Ukraine, die hier zur Schule gehen, aber in deren Köpfen natürlich immer die Situation in der Heimat ist, über die wir auch genau gesprochen haben“, sagte der Bundeskanzler.

Bei der Gesprächsrunde in der Aula stellten die Kinder Fragen an den Bundeskanzler. Der Krieg in der Ukraine, Klimaschutz, Zustand der Demokratie und Europa – alles Themen der Gegenwart, welche auch die Schülerinnen und Schüler beschäftigen.

Ein Kind erkundete sich zum eigenen Engagement des Kanzlers für den Klimaschutz. Scholz antwortete, dass er nicht mit dem Fahrrad nach Japan zum G7-Gipfel am Wochenende komme. Außerdem räumte er ein, dass sein persönlicher CO2-Fußabdruck negativ sei, da die Fahrzeuge, die er nutze, aufgrund ihrer Panzerung sehr schwer seien.

Ein weiterer Schüler wollte wissen, wie der er die Aktionen der sogenannten Klimakleber bewerte. Scholz äußerte seine Zweifel, dass diese dazu beitragen, die Meinung anderer Menschen zu ändern und meinte, sie führten eher dazu, dass sich alle Beteiligten nur ärgern. Die Klebeaktionen bezeichnete der Kanzler wörtlich als „bekloppt“; dies wiederum rief heftige Reaktionen seitens der Aktivisten hervor.

Viele Fragen drehten sich um den Krieg in der Ukraine und die Bedrohung der Demokratie in Europa. Scholz zeigte sich zuversichtlich, dass Russland den Krieg nicht gewinnen könne, betonte aber auch, dass dieser Krieg nicht nur eine Gefahr für die Demokratie in Europa darstelle, sondern auch Leid auf beiden Seiten der Frontlinie verursache, was er als bedrückend empfinde.

In Bezug auf die Debatte über geschlechtergerechte Sprache erklärte der Kanzler, dass er schon lange von Frauen und Männern spreche, um zu verdeutlichen, dass die Welt zu etwa gleichen Teilen aus beiden bestehe. Jeder solle diesbezüglich seine eigene Entscheidung treffen können.

Gefragt nach seinem politischen Werdegang und Vorbildern verriet Scholz, dass er sich schon sehr früh für Politik interessiert habe. Vorbilder seien die SPD-Größen Helmut Schmidt und Willy Brandt gewesen. Sein Motiv mit 17 Jahren in die SPD einzutreten und politisch tätig zu werden, war vor allem das Thema Gerechtigkeit. Dies begleitet ihn bis heute. Es sei wichtig, sich für die Gesellschaft, in der man lebt, und deren Zusammenhalt einzusetzen. Dafür trete er in seiner politischen Arbeit und in der öffentlichen Debatte ein.

„Ich hoffe, dass viele aus einem solchen Gespräch auch ein bisschen die Begeisterung für unser gemeinsames Europa mitnehmen“, sagte der Bundeskanzler zum Abschluss. ib

Foto: Gemeinde Kleinmachnow