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Teltower Hafen: Gastronom gesucht

Im Frühjahr 2021 schien ein Betreiber für die künftige Hafengastronomie in der Teltower Marina gefunden. nach dem Absprung eines Interessenten startet die Suche nun von Neuem.

Hinter der Knesebeckbrücke zwischen Teltow und Zehlendorf legt der Teltowkanal in Richtung Kleinmachnow eine ganz seichte Rechtskurve ein. Dann, nach wenigen Metern, taucht der Teltower Hafen schon am linken Ufer auf. In den 1990er Jahren entstand die Idee, in Teltow einen Stadthafen anzulegen. Oder besser: eine Marina. So sollte das Areal heißen. Liegeplätze, Hafengebäude – und eben auch Gastronomie. Fünf Millionen Euro waren für das Ensemble eingeplant. Über die Jahre verdoppelten sich die Kosten zunächst auf zehn und verdreifachten sich schließlich auf 15 Millionen Euro. 2014 erfolgte der erste Spatenstich auf dem Grundstück am Zeppelinufer, und fünf Jahre später wurde die Eröffnung gefeiert – aber ohne zentrales Hafengebäude.

Derzeit versorgt die „Kleine Freiheit“, ein kleiner Kiosk mit Ausschank, Teltower, Gäste und Freizeitkapitäne. Doch dies war nur als Übergangslösung gedacht, denn Gastronomie, Hafenverwaltung und sanitäre Anlagen sollten künftig in einem zentralen Gebäude ein gemeinsames Dach finden. Im Frühjahr 2021 schien das Warten tatsächlich bald ein Ende zu haben. Silvio Schobinger, Immobilienentwickler und Betreiber des Goerzwerks in Berlin Steglitz-Zehlendorf bot sich als Investor an. Seine Vision: Ein hochwertiges, gesundes und familienfreundliches Angebot in einem Gebäude, das dank seiner Bauweise aus umgerüsteten Transportcontainern ständig erweiterbar sein sollte. Teltows Stadtverordnete waren überzeugt und gaben Schobinger den Zuschlag. In diesem Frühjahr dann der Rückschlag: Schobinger macht einen Rückzieher und steigt aus den weiteren Planungen aus.

Mehrere Gründe für den Rückzug

„Es gab Schnittstellenprobleme zwischen uns, der Stadt Teltow und dem Pächter des Hafengeländes, Hafenbetreiber Thomas Klemm“, blickt der Unternehmer zurück auf die Entscheidung. Die „Kleine Freiheit“, deren Container sich ebenfalls auf dem von Klemm gepachteten Hafengrundstück befinden, hätten zwar ohne weiteres umgesetzt werden können, doch es habe Differenzen hinsichtlich der langfristigen Grundstücksentwicklung gegeben.

Hinzu kamen Pläne seitens der Stadt Teltow, parallel zum Ufer Anleger für die Fahrgastschifffahrt zu errichten – direkt vor dem geplanten Hafengebäude mit Verwaltung im Unter- und Gastronomie im Obergeschoss. „Diese hätten sich dann direkt vor unserer Location befunden“, bedauert Schobinger gegenüber dem Lokal-Report. Hinzu sei schließlich die gesamtwirtschaftliche Lage gekommen. „Unsere Branche erholt sich noch immer von Corona, aber der Ukraine-Krieg hat die wirtschaftlichen Grundbedingungen nochmals grundlegend verändert“, berichtet Schobinger vor allem mit Blick auf Inflation und gestiegene Energiekosten. Nur die vom Hafenbetreiber verpachtete „Kleine Freiheit“ wird also auf kommende Zeit Speisen und Getränke für die Hafengäste bereithalten.

Stadt Teltow ist weiter optimistisch

Die Stadt Teltow sieht die Lage dennoch positiv: „Der Hafen läuft“ bewertet Stadtsprecher Jürgen Stich die Lage am Zeppelinufer. Alle 39 Bootsliegeplätze seien belegt, und bei den Winterliegeplätzen herrsche ungebrochene Nachfrage. Diese seien für den wirtschaftlichen Betrieb des Hafens am wichtigsten. „In der näheren Umgebung gibt es so etwas nicht, und da sind wir ganz klar im Vorteil“, unterstreicht Stich. Hinzu kämen Bootswerkstatt und Bootsbauer, die mittlerweile hoch frequentiert würden. „Der Hafen agiert hier als wirtschaftliches Unternehmen, und das funktioniert schon sehr gut.“

Die Absage des Investors sei „sehr, sehr schade“, bedauert Stich. „Er war der aussichtsreichste Bewerber, und alle Voraussetzungen haben aus unserer Sicht gepasst“, blickt Stich zurück. Nun steht die Stadt Teltow vor der Wahl: selbst bauen und einen geeigneten Gastronomen suchen oder erneut ausschreiben. „In jedem Fall läuft nun die interne Sondierung, und schon bald wird die Stadtverwaltung entscheiden, ob zum sechsten Mal eine Ausschreibung für das Hafengebäude samt Gastronomie vorgenommen wird“, blickt Stich voraus. Dabei sei auch möglich, dass in den Ausschüssen und in der Stadtverordnetenversammlung Fragen aufgeworfen werden. „Auf diese wird selbstverständlich eingegangen.“

Die Stadt selbst bevorzuge eine erneute Ausschreibung, denn: „Ein Investor bringt Erfahrung und Kenntnisvorteile mit. Dagegen hat die Stadt keine Expertise beim Aufbau von Gastronomiebetrieben“, begründet Stich diese erste Tendenz. Ein ausgeschriebenes Gesamtpaket für Verwaltungs- und Gastronomiegebäude sei daher nach wie vor die beste Lösung. Für den Kiosk „Kleine Freiheit“ bedeutet dies: Der kleine Containerbau geht in die Verlängerung.

Konsequenzen muss nach dem Rückzug Schobingers übrigens niemand befürchten: Der Vertrag war noch nicht unterschrieben, und man wolle weiter mit der Stadt Teltow im Gespräch bleiben, wenn auch nicht mehr zum Hafen, sagt Goerzwerkbetreiber Schobinger. „Wir bleiben Nachbarn!“ ph

Bild: Redaktion