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„Teltow hat einen ganz besonderen Reiz“

Juliane Lorasch (33) ist die neue Pfarrerin der Teltower St. Andreas-Kirchengemeinde. Sie freut sich auf das Leben in einer wachsenden Kirchengemeinde und auf den ­Neustart nach der Pandemie-Pause.

Frau Lorasch, was führt Sie nach Teltow?

Die Pfarrstelle hier in Teltow war schon Ende vergangenen Jahres ausgeschrieben, und nach dreieinhalb Jahren Pfarrdienst im Löwenberger Land nördlich von Oranienburg hatte ich Lust auf ­etwas Neues. Da habe ich mein Glück versucht, mich beworben und freue mich nun auf die kommende Zeit hier in der Gemeinde.

Wie kann man sich die Wahl eines Pfarrers vorstellen?

Der Gemeindekirchenrat, das Leitungsgremium einer jeden Kirchengemeinde, und das Konsistorium, also die kirchliche Verwaltung, entscheiden immer abwechselnd über die Besetzung einer Pfarrstelle. Hier in Teltow war nun die Verwaltung am Zug. Aber natürlich hätte auch die Gemeinde nach meiner Vorstellung ihr Veto einlegen können, was sie zum Glück nicht gemacht hat. Die Besetzung wurde für zehn Jahre ausgeschrieben, und ich hoffe, davon möglichst lange hierzubleiben. Nach Ablauf dieser Frist entscheiden Pfarrerin oder Pfarrer und Gemeinde über eine Verlängerung.

Wie trifft man die Entscheidung für das Pfarramt?

Für mich gehörte die Kirche schon seit meiner Kindheit und Jugend in Berlin–Charlottenburg-Wilmersdorf zum Alltag. Ich habe mein ganzes Leben mehr oder weniger zufällig ganz in der Nähe einer Kirche gewohnt. Mein Elternhaus war kirchlich engagiert, und das gehörte von Anfang an zu meinem Alltag. Und später, als Studentin, habe ich mich im Gemeindekirchenrat engagiert, und allmählich wuchs der Wunsch, selbst ins Pfarramt zu gehen. Theologie hatte ich anfangs nämlich „nur“ aus Interesse studiert, aber dann habe ich Kirche als einen Ort erfahren, der ein ganz besonderes Gemeinschaftsgefühl vermittelt.

Was passiert denn eigentlich nach dem Studium?

Danach folgt das Vikariat, das man mit einem Referendariat bei Lehrern oder ­Juristen vergleichen kann. Es ist eine praktische Ausbildung, die rund zwei Jahre dauert.

Wo haben Sie Ihr Vikariat absolviert?

Das war auch in der Berlin-Brandenburger Region, nämlich in Strausberg. Ich denke, diese Erfahrung wird mir jetzt helfen, denn Teltow und Strausberg sind einander relativ ähnlich. Allerdings hat Teltow einen ganz besonderen Reiz, denn die St. Andreas-Gemeinde ist eine der wenigen Kirchengemeinden, die noch wachsen.

Juliane Lorasch vor ihrer neuen Wirkungsstätte, der evangelischen St. Andreas-Kirche

Wie groß ist die Teltower Kirchgengemeinde derzeit?

Momentan sind es rund 4.000 Mitglieder, zusammen mit Ruhlsdorf sogar etwa 4.400. Teltow wächst als Stadt weiterhin, und das spiegelt sich auch in der Kirchengemeinde wider. Im Löwenberger Land waren es ganz andere Größenordnungen. Dort wurden die Gemeinden auf den Dörfern so klein, dass sie zu einem Pfarrsprengel, also einer „Groß-Pfarrstelle“, die durch eine Pfarrerin oder einen Pfarrer geleitet wird, zusammengelegt wurden. Kirchengemeinden als ­Körperschaften des öffentlichen Rechts müssen laut einem neuen Gesetz mindestens 300 Mitglieder haben, um selbstständig sein zu dürfen. In vielen Orten wird diese Mindestgrenze nicht mehr annähernd erreicht.

Wo sehen Sie jetzt die größten ­Herausforderungen auf sich und Ihre neue Gemeinde zukommen?

Ganz wichtig ist mir ein Neustart des Gemeindelebens nach den Corona-Einschränkungen. Natürlich konnte ich auch Gottesdienste über Zoom feiern, und das funktioniert erstaunlich gut. Zwar entsteht dabei auch ein Gemeinschaftsgefühl, aber das kann man natürlich nicht mit dem Alltag in einer Kirchengemeinde vergleichen. Die Gruppen müssen sich neu finden und zusammentun, und darauf freue ich mich.

Stellt die drohende Energieknappheit Ihre Gemeinde ebenfalls vor Probleme?

Wir machen uns natürlich Gedanken darüber, was wir als Kirchengemeinde tun können. Hier ist der nächste große Schritt, die Siedlungskirche energetisch zu sanieren, und wir arbeiten gerade an einem Heizkonzept für unsere Räumlichkeiten in den kalten Monaten. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, Energie und damit auch Geld zu sparen.

Was denken Sie, was erwartet die Gemeinde von Ihnen?

Der Wunsch, der oft geäußert wird, ist Kontinuität. Es gab häufige Wechsel in der Besetzung, und die Gemeinde wünscht sich nun einen Pfarrer oder eine Pfarrerin, der oder die möglichst lange hier in Teltow bleibt, und das möchte ich auch.

Schauen wir über Teltow hinaus: Wie gestaltet sich die Kooperation mit den Nachbarkirchengemeinden?

Da muss ich selbst noch eine Routine entwickeln, denn ich bin ja erst seit Anfang Juli hier in der Teltower St. Andreas-Gemeinde. Aber drei- bis viermal pro Jahr tagt ein Regionalkonvent mit den umliegenden Kirchengemeinden, und der nächste Regionalgottesdienst findet am Reformationstag (31. Oktober, Anm. d. Red.) in Ruhlsdorf statt.

Zum Ende schauen wir noch weiter über die Region hinaus: Ihre Landeskirche, die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische ­Oberlausitz, gilt als weltoffen und progressiv. Teilen Sie diese Meinung?

Ja, auf jeden Fall! Es gibt natürlich auch konservative Stimmen, die gehört werden, aber allgemein ist es richtig und auch gut, wie sich unsere ­Landeskirche in den letzten Jahren geöffnet hat, zum Beispiel auch gegenüber anderen ­Lebensentwürfen, und das zeigen wir auch. Wenn Vertreterinnen und Vertreter aus unserer Landeskirche sich zum Beispiel am Christopher Street Day beteiligen, dann ist das kein Akt der Verzweiflung, um etwas gegen den Mitgliederschwund zu tun oder sich einem Zeitgeist anzupassen. Nein, wir machen das aus unserem Glauben heraus, und darüber freue ich mich!

Das Gespräch führte Philipp Hochbaum.