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Stahnsdorf – Stricken bis zum Weltrekord

Es gibt Weltrekorde, bei denen man unwillkürlich den Kopf schüttelt – etwa darüber, wie viele Walnüsse mit der Stirn geknackt werden können oder wie viele Hot Dogs in zehn Minuten gegessen werden. Und dann gibt es Weltrekorde, die einen förmlich aus den Socken hauen.

Petra Kautz aus Stahnsdorf ist Teil eines solchen Versuchs, der die Welt ein kleines Stück wärmer und menschlicher machen soll. Bis April 2027 möchten zahlreiche Menschen in Deutschland und der Schweiz 36.000 Paar Socken stricken, um sie an Kältebusse und weitere Obdachlosenhilfen zu spenden. Ins Leben gerufen wurde die Aktion von Susanne Oswald, bekannt durch die Romanreihe „Der kleine Strickladen in den Highlands“, und Veronika Hug, die mit ihrer Marke „Woolly Hugs“ viele Menschen fürs Stricken begeistert hat. Petra Kautz beschreibt die Regeln so: „Die Socken müssen mindestens Größe 40 haben, von Hand aus Wolle gestrickt werden, nach einem bestimmten Schema zusammengenäht sein, und die Schaftlänge muss mindestens zehn Zentimeter lang sein. Farbe und Muster spielen keine Rolle. Mitmachen kann jeder.“ Dabei erinnert sie an Thorsten Duit, den kreativen Kopf hinter dem YouTube-Kanal „Garngemunkel“, der seit seinem vierten Lebensjahr strickt. „Ich weiß, dass es viele Männer gibt, die gerne stricken, sich aber nicht trauen, das öffentlich zu machen. Bei unserer Aktion ist wirklich jeder willkommen.“

Petra Kautz mit den ersten 18 Paar Socken
Für diese Aktion gibt es sogar eine besondere Wolle.

Petra Kautzs Laden „Wolle und Co.“ und der Hofladen in Letschin im ­Märkisch-Oderland sind die einzigen beiden Sammelstellen für diese Aktion in Brandenburg. Hier können die Socken abgegeben werden, bevor sie in die Schweiz geschickt werden, wo sie für den Weltrekord gezählt werden. „Dort wird es eine fünf Kilometer lange Wäscheleine geben, an der jedes einzelne Paar aufgehängt wird.” Bislang hat Petra Kautz bereits 18 Paar Socken gesammelt. Sie engagiert sich zudem im Kreativtreff in Stahnsdorf, bei dem sich regelmäßig 18 Frauen in der Alten Feuerwache zum gemeinsamen Stricken treffen. „Für ein Paar Socken in Größe 42 benötigt man etwa 100 Gramm Wolle”, erzählt die Stahnsdorferin. Hochgerechnet auf die angestrebten 36.000 Paar ergibt das eine halbe Tonne Garn – zumal viele Socken auch in größeren Größen bis 47 gestrickt werden. „Die bereits gesammelten Socken kommen von überall aus der Region. Eine Frau ist sogar mit dem Fahrrad aus Ludwigsfelde gekommen, um die gestrickten Socken abzugeben.“

Wer Frau Kautz bei dieser Aktion unterstützen möchte, kann sich unter der folgenden Telefonnummer bei der Inhaberin des Ladens „Wolle und Co.” melden: 03329/691006

Beim Entgegennehmen ist Petra Kautz jedes Mal berührt von der Vielfalt der Strickstile. Besonders bei den Fersen zeigt sich eine große Kreativität – neben der Herzchen-, Zunahme- und Tomatenferse wird gern auch die moderne Variante, die sogenannte Boomerangferse, gestrickt. Für diese Aktion hat sich Petra Kautz selbst für die klassische Ferse entschieden, so wie sie schon von unseren Großmüttern gestrickt wurde. „Die Socken haben eine bequemere Passform über dem Spann, denn die Menschen, die sie tragen werden, müssen viel gehen, weil sie leider auf der Strasse leben.“

Fotos: Redaktion