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Eine logistische Erfolgsgeschichte

Anfang dieses Jahres endete eine Ära für das Güterverkehrszentrum (GVZ) in ­Großbeeren. Die Projektentwicklungsgesellschaft IPG, die nach der LEG Brandenburg die Gemeinde bei der GVZ-Entwicklung unterstützt hat, zieht sich aus der Verwaltung des inzwischen 400 Hektar großen Geländes zurück. Seit Anfang der 1990er Jahre ist das GVZ eines der größten Logistikzentren Deutschlands. Nun liegt die Verwaltung in den Händen des kommunalen Bauamts der Gemeinde Großbeeren. Dies hat allerdings Armin Jordan und Cathrin Müller von der IPG in die eigenen Reihen geholt und sich mit diesem Schachzug die Expertise der Projektentwickler weiterhin gesichert.

Der Erfolg des GVZ Großbeeren liegt in seiner strategisch günstigen Lage begründet. Die nächste Autobahnauffahrt liegt nur fünf Kilometer entfernt, die B 101 führt direkt durch das Umschlaggelände. Der Flughafen ist nur 20 Kilometer entfernt. Dass aus dem GVZ Großbeeren aber tatsächlich eine Erfolgsgeschichte wird, stand zu Beginn in den Sternen. Die Zahl der Skeptiker war groß, als es 1993 mit der Planung losging, berichtet Armin Jordan, schon damals im Team der Projektentwickler tätig. „Die Skepsis war durchaus berechtigt, es entstanden ja zeitgleich auch der Brandenburg Park bei Genshagen und der Preußenpark in Ludwigsfelde. Daher gab es ein sehr großes Grundstücksangebot auf dem Markt, und viele fragten sich, wo die ganzen Unternehmen denn herkommen sollten“, erinnert sich ­Jordan an die Anfangszeit. Dazu kam, dass ­Ludwigsfelde näher an der Autobahn liegt. „Das war deren ­Standortvorteil“, meint der studierte Geograf. Ein Vorteil, der nicht lange Bestand hatte, denn mit der kreuzungsfrei ausgebauten B 101 ist dies nicht mehr relevant.

Armin Jordan kennt das GVZ wie seine Westentasche.

Ein Projekt nimmt Fahrt auf

Bei einer Rundfahrt über das 200 Hektar große Gelände des GVZ berichtet der 56-Jährige, welche Faktoren zum Erfolg des Gewerbegebiets in Großbeeren beitrugen. „Wir hatten zum einen die günstigeren Grundstückspreise, weil wir nicht gewinnorientiert wirtschaften mussten. Es handelte sich bei der Erschließung als Logistikzentrum um eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme.“ Mit ­anderen Worten: Die Gemeinde konnte die Grundstücke gemäß Wertgutachten ankaufen. Gleichzeitig wurden sie gemäß Wertgutachten wieder verkauft – ohne Aufschlag von Seiten der Projektentwickler, die die Geschäfte lediglich treuhänderisch abwickelten.

Der zweite Grund für die rasche Anwerbung von Firmen war eine Förderung des Landes Brandenburg: „Die Ansiedlungen von Logistikern wurden finanziell unterstützt, wenn sie zusätzliche Arbeitsplätze schufen. Die Landesregierung wollte gezielt Logistikunternehmen anlocken, wenn diese nicht nur umsiedelten, beispielsweise aus Berlin, sondern auch zusätzliche Arbeitsplätze schufen – das war einmalig in Deutschland“, blickt Jordan zurück. Damit habe man erreicht, Logistik in Brandenburg zu konzentrieren. Spätestens seit Beginn des Onlinehandel-booms haben sich die Vorteile dieser Wirtschaftspolitik gezeigt, denn das Land Brandenburg verfügt über sehr viele Logistikstandorte.

Nachdem 1995 der Straßenbau begann und das erste Grundstück an German Parcel (heute: GLS) verkauft wurde, war die Vermarktung der Grundstücke jedoch keineswegs ein Selbstläufer: Die ersten Jahre seien schwer gewesen. Der Durchbruch kam, als Aldi im Jahr 1997 ein Grundstück erwarb, um von hier aus die Filialen der Hauptstadt zu beliefern. „Das war der Wellenbrecher, der viele Unternehmen hat aufhorchen lassen“, erinnert sich Jordan.

Entlang der Märkischen Allee reiht sich ein Logistiker an den nächsten. Dies ist so gewachsen, da die Bebauungspläne der Gemeinde vorrangig diesen Wirtschaftszweig erlaubten, berichtet Jordan. So finden sich im GVZ die Zentrallager von Lidl, Penny und Aldi. Ebenso von ­Nordfrost, das die meisten deutschen Discounter und Lebensmittelketten mit Tiefkühlwaren versorgt, und ­Meditterranean, einem Großhändler für griechische Lebensmittel. Versandhäuser wie ­Zalando, ASOS und A&O sind ebenfalls vertreten, und natürlich gibt es etliche Speditionen wie Fiege, DB Schenker, Rieck und Kühne und Nagel oder Paketdienste wie DHL und GLS.

Knackpunkt: Die Anbindung

Fast zwangsläufig haben sich zudem Betriebe angesiedelt, die das Logistik-universum ergänzen. So gibt es ein Unternehmen, das die Silofahrzeuge für den Lebensmitteltransport reinigt, eines, das die Kühlanlagen für Lkw und Transporter wartet, eine Lkw-Werkstatt, Verleiher von Hebebühnen und einen Großhändler für Lagertechnik. Hinzugekommen sind aber auch Produktionsstätten, etwa der Karrosserieteilebauer Gestamp oder die Stahnsdorfer Firma Stange Design, die im GVZ Pappmöbel entwirft und produziert. Insgesamt beherbergt der Umschlagplatz nun rund 80 Firmen.

Etwa 10.000 Menschen kommen hier zur Arbeit, doch die Regionalzüge der Anhalter Bahn halten nur in Teltow am Nordende des GVZ und am Bahnhof Großbeeren am südlichen Ende. Wer mit dem Zug kommt, muss entweder sein Fahrrad dabei haben, das letzte Stück gehen oder auf Busse umsteigen. Ab Ende des Jahres wird dies vereinfacht, wenn der Busbahnhof auf der Hauptstraße in Betrieb genommen wird. Bis zu acht Buslinien treffen sich dann hier.

Für Güter ist die Anbindung ans Gleis deutlich besser. Im KV-Güterbahnterminal wird die Ware zum Weitertransport von der Schiene auf Lkw geladen oder umgekehrt. Aus den anfänglichen zwei Gleisen sind bereits vier geworden, auf denen nun jeweils Güterzüge in voller Ausdehnung – 700 Meter Länge – mit den beiden Portalkränen be- und entladen werden. Mit seinem Warenumschlag belegt das GVZ Platz fünf im Europa-Ranking.

Rosa Ortega, Luftbild GVZ: Gemeinde Großbeeren