Postverteilzentrum Stahnsdorf: Doch keine Corona-Quarantäne

Am Sonntag war bekannt geworden, dass sich Mitarbeiter des Stahnsdorfer Postverteilzentrums mit dem Coronavirus infiziert hatten – zunächst war von nur vier Betroffenen die Rede; am Dienstag bestätigte Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) diese Zahl schließlich auf acht Personen nach oben. Alle Infizierten hatten in derselben Nachtschicht ihren Dienst verrichtet. Medienberichte, nach denen für alle 100 Mitarbeiter dieser Schicht eine Quarantäne angeordnet worden sein, bestätigten sich dagegen nicht. Vonseiten des Landkreises Potsdam-Mittelmark hieß es, dass diese Maßnahme nur für die betroffenen Mitarbeiter und deren Familien vorgesehen sei.

Zunächst habe die Amtsärztin nicht ausschließen können, dass die Kontaktsichte zwischen den betroffenen Mitarbeitern des Stahnsdorfer Postverteilzentrums außerordentlich hoch gewesen sei; eine Quarantäne sei jedoch nicht angeordnet worden – deren Anordnung sei nur eine Überlegung gewesen. Man werde stattdessen abwarten, wie sich das Infektionsgeschehen im Verteilzentrum entwickle.

Unterdessen wurden die meisten Mitarbeiter der betroffenen Nachtschicht auf Kosten des Unternehmens getestet; hierzu wurden die Abstriche vom eigenen betriebsärztlichen Personal vorgenommen – die überwiegende Anzahl der Mitarbeiter habe sich daran beteiligt. Eine allumfassende Quarantäne scheint derweil vom Tisch: Es sei rechtlich schwierig, einen Privatbetrieb in Quarantäne zu schicken, hieß es aus dem Kreis. Es werde nun untersucht, wie eng die Kontakte zwischen den Mitarbeitern waren und auch ob es Kontakte zu anderen Schichten gegeben habe. Die Mitarbeiter seien über die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln entsprechend informiert worden. Wenn positive Ergebnisse vorliegen, werde für die Betroffenen häusliche Quarantäne angeordnet. Wie und wo sich die Mitarbeiter angesteckt haben, ist bislang nicht geklärt. Man werde nun gemeinsam mit dem Gesundheitsamt abklären, wo es gegebenenfalls Kontakte oder Infektionsmöglichkeiten gegeben hab.

Wie die Deutsche Post erklärte, habe sie schon lange vor dem Ausbruch Schutzmaßnahmen in Betriebsstätten umgesetzt und die Arbeitsprozesse umgestellt, sodass möglichst wenige Mitarbeiter aufeinandertreffen und die Distanz zueinander halten können. Eine Mund-Nasen-Bedeckung sei Pflicht. Auch während der Pausen seien Mitarbeiter angehalten, Abstandsregelungen strikt zu wahren und soweit notwendig eine Maske zu tragen.

Im Landkreis Potsdam-Mittelmark sind mittlerweile 538 Fälle verzeichnet (Stand Mittwoch, 12:00 Uhr). Dabei hat Werder (Havel) mit 164 Fällen die meisten Infektionen zu verzeichnen. Dahinter vermeldet Kleinmachnow 54 Infektionen seit Beginn der Pandemie, gefolgt von Teltow mit 48 Fällen. Stahnsdorf liegt mit nun 29 Fällen auf dem 7. Platz der betroffenen Städte und Kommunen. In Potsdam-Mittelmark sind mittlerweile 41 Menschen an der durch das Coronavirus ausgelösten Covid-19-Krankheit verstorben, 443 gelten als genesen.

Mit durchschnittlich 250,6 Fällen je 100.000 Einwohner ist der Landkreis hinter der Landeshauptstadt Potsdam ein Infektionsherd – nur dort ist die Häufigkeit von 354,3 Infektionen je 100.000 Einwohner noch höher. Seit Beginn der Pandemie wurden hier 631 Infektionen registriert. Vergleichsweise glückliches Schlusslicht in Brandenburg ist der Landkreis Prignitz mit lediglich 25 Infektionen seit Beginn der Pandemie. Auf 100.000 Einwohner kommen hier durchschnittlich nur 32,7 Infektionen. Ph

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