Warn-Apps: Katastrophenschutz in der Hosentasche

Flutkatastrophen haben ganze Landstriche in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen verwüstet, über 170 Menschen starben. Auch Sachsen und Bayern sind betroffen. Welche Sicherheit bieten Frühwarnungen über spezielle Apps?

Flutkatastrophen wir kürzlich in West- und Süddeutschland, Bombenentschärfungen oder Terroralarm: Die Warn-Apps NINA und KATWARN informieren über drohende Gefahren. Die Apps sind für Android-Handys und für iPhones erhältlich. Nutzer können sie in den entsprechenden App-Stores kostenlos herunterladen. Um Meldungen über lokale Gefahren für ihren jeweiligen Aufenthaltsort zu erhalten, müssen sie anschließend eine Region oder einen Ort auswählen – ein Nutzer aus Oberbayern wird daher nicht über eine Bombenentschärfung in Stahnsdorf informiert; im Gegenzug werden Teltower nicht wegen steigender Rhein- oder Moselpegel alarmiert. Auch Warnungen für den aktuellen Aufenthaltsort sind möglich, wenn der Standortzugriff per GPS aktiviert ist. Warnungen kommen dann als Push-Nachrichten und akustische Signaltöne direkt aufs Handy.

NINA: App von Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe

Hinter der NINA-App steht das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Sie führt Warnmeldungen von Bevölkerungsschutz, Deutschem Wetterdienst und lokalen Hochwassermeldungen der Bundesländer zusammen. Es können Meldungen für Orte sowie für Umkreise von bis zu neun Quadratkilometern ausgewählt werden. Standortbezogene Warnungen sind über GPS möglich. Das Bundesamt versichert, dass für diese Funktion keinerlei Bewegungsdaten gespeichert werden. Auf einer Karte lassen sich zudem bundesweit Gefahren anzeigen; hinzu kommen Verhaltenshinweise für bestimmte Katastrophen-Szenarien.

KATWARN: App des Verbands öffentlicher Versicherer

Hinter KATWARN stehen die öffentlichen Versicherer sowie das Fraunhofer-Institut FOKUS, welches die App entwickelt hat. Die Warnmeldungen stammen von Bund und Ländern, Behörden- und Organisationen der angeschlossenen Landkreise und Städte, von Nutzern sowie von Betrieben kritischer Infrastrukturen. Dazu zählen auch Feuerwehr-Leitstellen, Polizei-Dienststellen, der Deutsche Wetterdienst, Hochwasser- und Erdbebenzentralen. Wie bei NINA ist auch hier ein Überblick über Gefahrenlagen in ganz Deutschland möglich. Die App ist international vernetzt und bietet auch im Ausland – beispielsweise bei Urlaubsreisen – Warnhinweise zum Aufenthaltsort sowie zur Lage in der Heimat an. KATWARN verzichtet laut eigenen Angaben auf die Speicherung personenbezogener Daten und von Bewegungsprofilen.

Welche Nachteile haben Warn-Apps?

Sind beispielsweise extreme Wetterlagen absehbar, sollten sich App-Nutzer in betroffenen Regionen nicht ausschließlich auf die Warnmeldungen verlassen. So hat die aktuelle Flutkatastrophe gezeigt, dass Mobilfunk und Internet-Zugänge durch eine zerstörte Stromversorgung ausfallen können, sodass Apps nicht nutzbar sind oder Handys nicht wieder aufgeladen werden können. In akuten Warnsituationen ist es auch schon zu App-Überlastungen gekommen. Aus diesen Gründen ist es ratsam, zusätzlich auf analoge Katastrophenschutz-Warnungen – im Rundfunk, sofern noch vorhanden durch Sirenen sowie Lautsprecherdurchsagen – zu achten. Für Notfälle sollte man ein tragbares und batteriebetriebenes Radio im Haushalt haben. ph