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Förderschüler führen Zirkusvorstellung auf

Schon von weitem hört man die fröhliche Musik, die aus dem rot-blauen Zelt über die Festwiese des Diakonissenhauses in Teltow-Seehof klingt. Bunte Kostüme schillern in der Sonne hinter der Manege im Schatten einer hundertjährigen Eiche. Hier warten die Schülerinnen und Schüler der Hans-Christian-Andersen-Schule mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“ auf ihren großen Auftritt.

Unter den Zweigen einer hundertjährigen Eiche: Die Schüler warten hinter dem Zirkuszelt auf ihren großen Auftritt.
Quelle: Madlen Pilz

Auf der Tribüne wartet das Publikum. Kinder aus den evangelischen Kindertagesstätten der Stadt und aus Berlin-Steglitz, Bewohner des Seniorenwohnheims des Diakonissenhauses und ehemalige Schüler aus den Behindertenwerkstätten dürfen am vergangenen Freitag (01. Juli) noch vor der eigentlichen Aufführung für die Eltern bei der Generalprobe dabei sein und freuen sich auf die Vorstellung.

Für ein an der Schule bislang einzigartiges Projekt haben die Kinder und Jugendlichen eine Woche lang fleißig trainiert. Jetzt können sie zeigen, was in ihnen steckt. Der Stolz und die Freude auf ihren Gesichtern, wenn sie als Clowns in andere Rollen schlüpfen und durch die Manege hüpfen, sich auf das Trapez wagen, über Scherben laufen und auf Nagelbretter setzen, ist ergreifend. Bei der Akrobatik auf großen Bällen, Leitern oder mit Reifen legen sie eine beeindruckende Geschicklichkeit an den Tag, die selbst die Erwachsenen in Erstaunen versetzt. „Was die Kinder hier leisten, ist der Wahnsinn“, ist Solveig Großmann begeistert. „Wir erleben die Kinder hier von einer ganz anderen Seite, wie sie selbst mit schweren Beeinträchtigungen aus sich herauskommen.“ Die Schulleiterin hat das von Eltern des Schulfördervereins initiierte Projekt von Anfang an unterstützt. Eigentlich sollte es vor zwei Jahren schon losgehen. Dann kam Corona und das Projekt musste verschoben werden.

Bei der bunten Schwarzlichtshow lassen die Schüler leuchtende Tücher und Keulen schwingen.
Quelle: Madlen Pilz

Auf der Schule lernen Kinder mit verschiedensten Lernbeeinträchtigungen, etwa durch Autismus, Downsyndrom, spastische Erkrankung oder Entwicklungsverzögerung. „Das war schon eine Herausforderung, alle 120 Schülerinnen und Schüler mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen in dieses Projekt einzubinden“, findet Sandy Steinberg, eine der Initiatorinnen des Fördervereins. Durch den Projektanbieter „Circus ZappZarap“ wurden die Lehrer vorab geschult und während des Trainings sowie der Aufführung professionell begleitet. „Zirkus funktioniert nur, wenn alle an einem Strang ziehen“, sagt Campleiter Boris Kuß. „Wir wollen, dass die Kinder hier eine tolle Zeit haben und sie spüren, dass sie über sich hinauswachsen können“. Bei diesem Projekt würden „beeindruckende Fähigkeiten aus den Kindern „herausgekitzelt“, ergänzt Sandy Steinberg. Gerade nach der langen Zeit der Einschränkungen durch die Coronapandemie „haben es auch diese Kinder verdient, gesehen zu werden.“

Die Clowns sorgen mit lustigen Sketchen für Lacher beim Publikum.
Quelle: Madlen Pilz

Die Zuschauer sind von der Vorstellung begeistert. „Es war toll“, sagt Danilo, ein ehemaliger Schüler der Schule. „Die Kinder waren toll, die Musik war toll, alles war toll.“ Auch die Kinder der Kita der Evangelischen Kirchengemeinde St. Andreas in Teltow sind hingerissen. „Mir hat das mit den Nägeln und Scherben am besten gefallen, ich würde mich nicht trauen, da rüber zu laufen“, sagt der fünfjährige Noah. Für Kitaleiterin Antje Du Chesne ist es ein ergreifendes Erlebnis, ehemalige Kinder ihrer Kita nun in der Manege zu sehen. „Es ist wunderbar, dass die Kinder hier an der Schule so gut aufgehoben sind und auf einen tollen Weg gebracht werden“. Auch Sandy Steinberg vom Schulförderverein ist enthusiastisch: „Das Projekt stärkt den Zusammenhalt der Schüler und ihr Vertrauen in sich und andere.“ Und so glitzerte am Schluss der Vorstellung so manches Tränchen in den Augenwinkeln der Lehrer, Betreuer und Eltern, als der Moderator die Show mit knappen und sehr treffenden Worten beendete: „Teltow, das sind deine Kinder!“

Text: Madlen Pilz

Bild oben: Förderschüler der Teltower Hans-Christian-Andersen-Schule wachsen beim Zirkusprojekt über sich hinaus. (Quelle: Madlen Pilz)