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Touristikbranche kritisiert Bund-Länder-Gipfel: „Wirtschaftspolitisches Versagen“

Die Allianz Selbständiger Reiseunternehmen – Bundesverband e.V. (ASR) übt deutliche Kritik an den Beschlüssen des Bund-Länder-Gipfels zum Pandemiemanagement und fordert, die Not der Reisebranche in einem Tourismus-Gipfel zu thematisieren.

„Es ist nicht nachvollziehbar, dass kurz vor Beginn der ersten Hauptreisewelle zu Ostern jegliches Konzept fehlt, wie Reisen wieder möglich werden sollen“, bemängelt ASR-Präsident Jochen Szech die Beschlüsse von Bund und Ländern zur Pandemiebekämpfung und ersten Lockerungsschritten . In diesen wurden Entscheidungen zur Touristik mit ihren drei Millionen Beschäftigten in Deutschland erneut verschoben. Die Mittelständler fordern einen umgehenden Touristik-Gipfel im Kanzleramt noch vor der für den 22. März geplanten nächsten Bund-Länder-Konferenz.

Der Mittelstandsverband betont, dass die gesamte Touristikbranche alle Maßnahmen mittrage, die notwendig seien, um die Pandemie einzudämmen. Dazu hat die Branche für alle Dienstleistungsketten beim Reisen umfassende Hygienekonzepte erstellt, die sich in anderen EU-Ländern bewährt haben. „Das RKI hat zudem längst nachgewiesen, dass die organisierte Reise keinesfalls die Infektionszahlen in die Höhe treibt“, verweist Szech auf jüngst veröffentlichte Untersuchungen der Bundesbehörde.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hatte differenziert zwischen organisierten („kontrollierten“) Reisen einerseits und „ethnischen“ Reisen wie Familienbesuchen im Ausland sowie dem kleinen Grenzverkehr andererseits. Die organisierten Reisen – wie sie in Deutschland von Tausenden Reiseveranstaltern, Reisebüros und Busunternehmen angeboten werden – seien unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen auch während einer Pandemie möglich und würden nach Bewertung des RKI die epidemische Lage nur zu einem sehr geringen Teil beeinflussen, so der ASR in einer Pressemitteilung. Sorgen bereitet dem RKI dagegen der im Wesentlichen unkontrolliert stattfindende sonstige Reiseverkehr, bei dem nachweislich ein hohes Risiko besteht, dass das Virus nach Deutschland eingeschleppt wird.

Die Touristikbranche kritisiert, dass regionale Entwicklungen völlig unberücksichtigt bleiben, obwohl längst europaweit belastbare Daten vorliegen. „Wer z.B. aus Thüringen kommt und Finca-Urlaub auf Mallorca machen möchte, reist aus einer Sieben-Tages-Inzidenz von 126 (Thüringen) in ein Ziel mit einem Wert von 32. Dennoch gelten die Balearen als Risikogebiet und wer zurückkommt, muss in Deutschland zwingend mindestens fünf Tage in Quarantäne und muss auch dann mindestens zwei Tests durchlaufen“, bemängelt Szech. „Das ist aus epidemiologischer Sicht schlichtweg ohne jeden Sinn“, so der Präsident des Mittelstandsverbandes. „Vor allem aber bricht uns diese anhaltende Diskriminierung des Reisens wirtschaftlich das Genick!“

Der Mittelstandsverband mit seinen 3.500 Mitgliedern fordert das Außenministerium auf, endlich zu einer differenzierten Betrachtung zu kommen: „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst“, erläutert Szech, „aber wir sind nicht in der Lage, unseren Kunden glaubhaft zu vermitteln, warum ein Osterspaziergang im Thüringer Wald ungefährlicher sein soll als ein Finca-Urlaub auf Mallorca. Die Zahlen geben das einfach nicht her: Die Frage, wie man sich auf Reisen verhält, ist viel wichtiger als die Frage, wohin man reist.“

Der ASR kritisiert auch, dass nach wie vor die Corona-Überbrückungshilfen in vielen Bundesländern nur spät und spärlich fließen. „Zusammengefasst: Keine Einnahmen, keine ausreichenden Hilfen, keinerlei Perspektive – und kein Verständnis für unsere Situation“, kritisiert Szech. „Die kaum betroffene Automobilbranche mit nur 800.000 Beschäftigten hat in der Corona-Krise schon zwei ,Auto-Gipfel´ – und entsprechende Finanzhilfen – erhalten. Die 3 Millionen Beschäftigten der Touristik warten aber noch immer auf den ersten Touristik-Gipfel.“ Der ASR fordere daher, dass sich die Bundesregierung innerhalb der nächsten 14 Tage ihrer Verantwortung stelle und einen Tourismus-Gipfel unter Einbeziehung aller betroffenen Verbände durchführen müsse, um diese Ergebnisse in das nächste Bund-Länder-Treffen einfließen zu lassen.

Szech verweist auf die am Mittwochabend vorgestellten dezidierten „Wenn-dann-Lockerungen“ für den Einzelhandel: „Sollte am 24. März kein vergleichbar klares Konzept für den Re-Start der Reisebranche vorgelegt werden, dann kann das nur heißen, dass die Bundesregierung eine gesamte Branche sehenden Auges gegen die Wand fahren wird: Tausende von Arbeitsplätzen werden dann durch Insolvenzen verloren gehen. Das ist leider Fakt.“

Der Verband betont: „Wir fordern doch nichts Unmögliches: Eine klare Strategie mit Zeitplan und Maßnahmen, situationsangepasste Reise-Empfehlungen des Auswärtigen Amtes, eine klare Test- und Impfstrategie – und vor allem ein Ende der Stigmatisierung einer ganzen Branche mit drei Millionen Beschäftigten!“, so ASR-Präsident Szech.

Die Allianz selbständiger Reiseunternehmen Bundesverband e.V. (ASR) vertritt als unabhängiger Bundesverband die Interessen mittelständischer Reisebüros und Reiseveranstalter. Ziel des Verbands ist es, eine möglichst große Vielfalt von Reisemittlern und Reiseveranstaltern auf dem Markt zu erhalten. PM

Symbolbild: Pixabay.com