Gut bestuhlt im Zimmertheater Steglitz

Von Volkert Neef

Die Theater blicken hierzulande auf eine Durststrecke zurück. Viele kämpfen ums Überleben und setzen auf die Hilfe von Sponsoren. So freut sich etwa das Zimmertheater Steglitz über „Stuhlpatenschaften“.

In der Pandemie mussten Theater und andere kulturelle Einrichtungen ihren Spielbetrieb einstellen. Ohne Zuschauer in den Spielstätten verfügen Theater jedoch über keinerlei Einnahmen, doch die Ausgaben für Miete, Versicherungen u. a. laufen weiter. Künstler mussten in der Corona-Zeit andere Einnahmequellen erschließen. Günter Rüdiger, Intendant und Künstlerischer Leiter des Zimmertheaters in der Steglitzer Bornstraße, griff auf die Idee der Stuhlpatenschaft zurück, wie sie auch große Bühnen wie die Komische Oper oder das Maxim-Gorki-Theater anbieten.

„Wir sind mit rund 35 Plätzen das kleinste Theater in Berlin. Jede einzelne Stuhlpatenschaft ist für uns eine sehr große Hilfe“, betonte der Intendant im Pressegespräch. Der Stuhlpate stiftet pro Stuhl 150 Euro an das Theater. Der Name des Spenders wird mit einem Metallschild am jeweiligen Stuhl vermerkt. „Mit großem Stolz und auch großer Freude kann ich vermelden, dass unser Haus in der Bornstraße bisher 20 Stuhlpaten begrüßen durfte. Demnach hat mehr als die Hälfte der Bestuhlung im Zimmertheater dankenswerterweise Stuhlpaten gefunden“.

Am 4. Juni kam die FDP Steglitz zu Günter Rüdiger zu Besuch, da die Liberalen aus Steglitz ebenfalls eine Stuhlpatenschaft übernommen hatten. Der Intendant konnte in seinem Haus Thomas Seerig, Mario Schäfer und Antje Schönfelder begrüßen. Thomas Seerig ist Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und gehört als einziger Vertreter seiner Fraktion dem Präsidium des Landesparlamentes an. Antje Schönfelder ist Stellvertretende Vorsitzende der FDP Steglitz, und Mario Schäfer ist Schatzmeister seiner Partei in Steglitz. Rund 100 Mitglieder gehören diesem Ortsverband an.

Der Parlamentarier Thomas Seerig teilte mit: „Kultur ist zu wichtig, als dass sie zum Opfer von Corona werden darf. Dies gilt gerade für die Kultur vor Ort, dem Zimmertheater Steglitz kann man ganz einfach als Stuhlpate helfen. Die FDP Steglitz steht natürlich zum Theater in der Bornstraße und hat die Patenschaft für einen Stuhl übernommen. Denn es muss ein Leben nach Corona geben, auch für das Zimmertheater Steglitz“. Mario Schäfer sagte: „Es ist doch eine Selbstverständlichkeit, dass wir Steglitzer ein Theater in Steglitz unterstützen. Ich selber bin sehr begeistert vom Theater. Als Kind und Jugendlicher habe ich im hessischen Braunfels im Lahn-Dill-Kreis gewohnt. Dort befindet sich auch eine sehr idyllisch gelegene Waldbühne. Nicht nur als Zuschauer trat ich dort in Erscheinung, als Komparse konnte man mich oft auf der Bühne erleben“. Antje Schönfelder betonte: „In unmittelbarer Nähe des Zimmertheaters wohne ich. Wir sind sozusagen Nachbarn. Bei den Wahlen im September kandidiere ich für das Abgeordnetenhaus hier im Wahlkreis 1 im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, in dem sich auch das Zimmertheater befindet. Als Zuschauerin war ich bereits mehrfach hier zu Gast und war jedes Mal begeistert von dem, was der Intendant Günter Rüdiger und seine Kolleginnen und Kollegen hier kulturell dem Publikum anbieten. Wenn man jetzt in der Corona-Zeit der Spielstätte helfen kann, machen wir das sehr gerne“.

Der Intendant war hocherfreut angesichts dieser Stuhlpatenschaft und über den folgenden, für ihn so glücklichen Umstand: „Als wir vor einigen Tagen den heutigen Termin vereinbart hatten, ging ich davon aus, dass es nur ein kurzes Gespräch mit den FDP-Vertretern wird. Seit heute Mittag steht aber fest: Ab sofort darf wieder gespielt werden, die Behörden haben das erlaubt. Also trete ich heute Abend mit Werken von Kurt Tucholsky auf. Was gibt es Schöneres für einen Schauspieler, als an einem einzigen Tag eine Stuhlpatenschaft entgegennehmen und endlich wieder vor dem geliebten Publikum spielen zu dürfen“?

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