Nach der Bombensprengung: Haus in Stahnsdorf muss abgerissen werden

In der Nacht zum 8. Februar musste in der Wilhelm-Külz-Straße eine 500-Kilo-Bombe aus dem zweiten Weltkrieg gesprengt werden, weil der gefährliche Blindgänger nicht entschärft werden konnte. Die Feuerwehr evakuierte nach dem Fund etwa 3.200 Personen in einem ein Kilometer breiten Sperrkreis. Ein großer Teil verbrachte die Nacht in der Heinrich-Zille-Schule und im Kleinmachnower Rathaus.

Die starke Detonation war bis nach Berlin-Zehlendorf zu hören und beschädigte viele Häuser in Stahnsdorf. Weil sich bereits zwei Tage später Sturm „Sabine“ ankündigte, wurden beschädigte Fenster und Dächer schnell repariert. Einem Gewerbetreibenden, der seine Werkstatt nicht mehr nutzen konnte, wurde eine provisorische Alternative vermittelt. Die Untersuchungen an den beschädigten Häusern dauerten an.

Nötig war die Sprengung, weil die Bombe bei Baggerarbeiten berührt wurde. Doch die hätten gar nicht stattfinden dürfen. Dort, wo die Bombe gefunden wurde, baut die Firma Bonava derzeit sechs Stadtvillen mit 66 Wohnungen (Bäke Quartier). Die Baustelle gilt als Verdachtsfläche, denn in der Region wurden 1943 mehr als 440 Bomben durch Kampfflugzeuge der britischen Air Force abgeworfen. Weil jederzeit Blindgänger zu finden sind, ist bei Erdarbeiten die Anwesenheit eines Kampfmittelexperten Pflicht.

Am 7. Februar aber wären nur Verfüllarbeiten durch ein Subunternehmen vorgesehen gewesen, erklärt Bonava-Pressesprecherin Katja Kargert. Alle Erdaushubarbeiten im ersten Bauabschnitt wurden von einem Kampfmittelexperten begleitet. „Der vorhandene Boden für das Verfüllen war bereits geprüft, reichte jedoch nicht aus. Deshalb wurde geringfügig Boden im zweiten Bauabschnitt ausgehoben.“ Dabei wurde die Bombe gefunden.

Wie stark die im Bau befindlichen Bonava-Mehrfamilienhäuser durch die Druckwelle beschädigt wurden, konnte Kargert noch nicht sagen und auch nicht, ob rechtliche Schritte gegen den Subunternehmer eingeleitet werden. Statiker prüfen die Baustelle noch.

Für eine Stahnsdorfer Familie aber steht bereits fest, dass ihr Haus abgerissen und neu aufgebaut werden muss. Die Verwaltung hat ihr eine Wohnung besorgt, in die sie übergangsweise ziehen könnte. Laut Gemeindesprecher Stefan Reitzig sind aber alle Grundeigentümer versichert und die ersten Zusagen zur Schadensübernahme lägen bereits vor. Die restlichen Fälle leitet die Verwaltung auf Anfrage an das Innenministerium des Landes Brandenburg weiter. Außerdem helfe sie auch bei der Suche nach Einlagerungsmöglichkeiten für Hab und Gut.

Die genaue Zahl der Schäden, die nach der Bombensprengung auftraten, kann die Gemeinde Stahnsdorf nicht nennen, da die Schadensgutachten direkt an die Versicherten gehen und nicht an die Verwaltung.