Silver Lake stellt sich vor

Von Ralf Flucke

Die Corona-Pandemie hält die Welt noch in Atem, doch die Welt wartet schon darauf, wieder entdeckt zu werden. Auch in Europa gibt es noch spannende, fast unbekannte Reiseziele: zum Beispiel in Serbien.

Knapp zwei Autostunden östlich von Belgrad entfernt liegt Srebrno jezero, der „Silbersee“. Auch ohne Serbischkenntnisse ist dieser Ort leicht zu finden – er ist an der Autobahnabfahrt auch als „Silver Lake“ ausgeschildert. Es ist nicht ein See im eigentlichen Sinn, sondern die Region eines 14 Kilometer langen Seitenarms der Donau, in dem bei Sonnenuntergang der Fluss im Gegenlicht silbern glänzt. Hier bemüht sich der serbische Tourismus, neue Wege zu gehen. Man hat hier eine neue Promenade geschaffen, und mit dem künstlich geschaffenen Sandstrand bekommt der Donauseitenarm ein ganz ungewohntes Flair. Baden, Relaxen oder Eis essen am Tag, und am Abend wartet der Spaziergang auf der Promenade. Dann, wenn es endlich kühler geworden ist, findet der Tag seinen Höhepunkt mit dem Genuss des Sonnenuntergangs. Nach dem Flanieren warten Restaurants für viele verschiedene Geschmäcker und Geldbeutel: Das Spektrum der vielen Restaurants reicht von traditionellen Ćevapi und Burek bis zu leckeren, frischen Fischspezialitäten oder Grill- und Schmorgerichten.

Die Hotellerie in der Region bietet zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten – sei es das 4-Sterne-Hotel „Villa Breg“ in Vršac mit Blick über die pannonische Tiefebene, die 4-Sterne-Pension „Vila Milo“ (www.vilamilo.com) für das Paar, das die Nähe des Strandes bevorzugt, das Baumhaus für größere Familien bis hin zum Urlaub auf dem Bauernhof (www.pinkum-touristic.com). Serbien steht für Landurlaub, kleine Dörfer in einem orthodox geprägten Land mit gutem Essen und hervorragenden Weinen. Man kann den lokalen Wein in den familienbetriebenen Keltereien und Destillerien vor Ort in den Dörfern probieren. Doch es sei gewarnt: Die geschmackvollen Weiß-, Rosé- und Rotweine haben es in sich! Genauso sollte man mit dem geliebten Slivowitz, der nach opulentem Essen zur Verdauung gereicht wird, vorsichtig umgehen.

Am Silver Lake wird es nicht langweilig. Von hier aus lassen sich einige historisch interessante Punkte in einer Tagestour besuchen oder sind von Selbstfahrern zu erreichen. Die prähistorische Stätte Lepenski vir mit dem beeindruckenden, versteinerten Skelett eines Mammuts, die Nachbildung der ersten Siedlung von Menschen in Europa im Museum „Milena Pavlović Barili“ in der Kleinstadt Požarevac nahe der Donau und das römische Militärlager Viminacium im nahegelegen Stari Kostolac. Die mittelalterliche Festung Golubac ist ein besonderes Highlight: Sie thront über der Donau und markiert den Eingang in den einzigartigen Karpatendurchbruch des Flusses. Auch das orthodoxe Kloster Tuman und die Festung Ram sind interessante Ziele. Die Bootsfahrt auf der Donau durch das spektakuläre „Eiserne Tor“  ist ein kleines Abenteuer und entführt den Gast in die osmanische Vergangenheit Serbiens und seine Verbindungen auch mit der österreichischen Geschichte. Natürlich lässt sich in den Dörfern und Kleinstädten überall Halt machen, um einen landesüblichen „hausgemachten Kaffee“ zu sich zu nehmen – dieser ähnelt in der Zubereitung stark dem vertrauten „türkischen Kaffee“.

Aber auch die Donau selbst ist Grund genug für eine Reise in den spannenden Nordosten des Landes – eigentlich genügt es bereits, den goldenen Sonnenuntergang über den Donauniederungen in einem der typischen Uferlokale mit ihren schattigen Plätzen unter alten Bäumen zu genießen. Und dann geht es zurück nach Belgrad – doch das ist eine andere Geschichte.

Informationen und Buchungen: Dragan Djurdjević – pinkum.touristic@gmail.com

Bild: Ralf Flucke