Heißes Eisen in alten Gemäuern

Wer aus Jünsdorf kommend den Blankenfelder Ortskern erreicht, wird sie kennen: die große, eiserne Kuh vor dem Dorfanger. Der Verkehr rumpelt gemütlich an ihr vorbei, doch seit Jahren grinst sie frech zurück. „Das ist Hannah, die Angerkuh“, erklärt Werner Mohrmann-Dressel. 2005 kam das Kunstwerk durch die Hände des Schmieds auf die Welt. Mittlerweile leisten ihr im kühlen Schatten alter Linden mehrere Skulpturen Gesellschaft: lustig-versponnene „Spaßvögel“, eine eigene Interpretation der Berliner Siegessäule oder ein etwas ungewöhnlicher Miniatur-Panzer. „Oft stellen die Befehlshabenden bewusst ihre Männlichkeit zur Schau – bei diesem Objekt ist die Anspielung auf gewisse Körperteile also pure Absicht“, schmunzelt Mohrmann-Dressel, bevor der 56-Jährige seinen Schmiedeofen am Dorfanger anheizt.

Aber was macht eine historische Schmiede in Blankenfelde? „In den späten Neunzigerjahren hat die damalige Kommune Blankenfelde das alte Gebäude restauriert, und es wurde  ein Schmied gesucht, der es betreibt, pflegt und wieder Leben in die alten Gemäuer bringt“, blickt der gebürtige Oldenburger zurück. Seit 1998 fertigt er in der alten Dorfschmiede, deren Mauern vermutlich auf das Jahr 1540 zurückgehen, zeitgenössische Objekte, Gebrauchsgegenstände oder Skulpturen. Zudem beteiligt er sich deutschlandweit an Aussstellungen und bietet Schmiedekurse an. „Ich will den Menschen etwas weitergeben“, erzählt Mohrmann-Dressel, während die Glut im Ofen erstaunlich schnell an Fahrt aufnimmt. „Meine Frau steht vollkommen hinter dieser Arbeit – sie war es, die mich überzeugt hat, Schmiede und Kunst zu meinem und unserem Lebensmittelpunkt zu machen.“

Geruch von Feuer, Kohle und Eisen füllt nun die kleine historische Schmiede. Betrieben wird der Ofen mit Koks – dieser wird meist aus Steinkohle gewonnen und brennt durch seinen hohen Kohlenstoffgehalt viel effizienter als herkömmliche Kohle. Deren Veredelung war einst ein lukratives Geschäft, das seine Spuren in der Sprache hinterlassen hat: Wer seinen Reichtum offen zur Schau stellt, gilt bis heute als „Graf Koks“, und wer „Kohle machte“, hatte keine Sorge um sein Auskommen. Und das Metall? „Das bekommt man sozusagen als Meterware beim Metallhändler, aber theoretisch funktioniert auch Schrott“, erklärt der Wahl-Blankenfelder im Dämmerlicht, während die Glut das Ende einer Metallstange verschluckt und auf die Arbeitstemperatur von über 1200 Grad Celsius erhitzt.

Auch im Winter wird es in der Schmiede schnell warm, und die Hammerschläge sind bis auf den Dorfplatz zu hören.

Doch warum ist es so dunkel im Inneren der Schmiede? „Man muss beim Bearbeiten des Metalls sehen können, wie stark es noch glüht. So kann man die Temperatur besser abschätzen und weiß, wann das Objekt noch einmal zurück in die Glut muss.“ Nun ist es soweit: Das glühende Ende der Eisenstange landet auf dem dutzende Kilo schweren Amboss. Kräftige Hammerschläge und gekonnte Drehungen verwandeln es in Sekundenschnelle.  „Hier, ruck-zuck, einzigartig und schon fertig“, schmunzelt Mohrmann-Dressel, als ein robuster und zugleich filigraner Schlüsselanhänger zischend kurz im Wasserbad verschwindet.

„Hier in der Schmiede kann das jeder mal probieren. Wegen Corona gab es kaum Kurse, aber jetzt finden wieder Angebote in kleinen Gruppen statt, und auf den Abstand wird natürlich geachtet“, berichtet der Künstler. Auch wer nach dem Ende des derzeitigen Corona-Lockdowns nur einen Blick in die historische Schmiede werfen will, ist willkommen: Das Atelier befindet sich in Blankenfelde-Mahlow in der Blankenfelder Dorfstraße 14 und ist von Dienstag bis Freits von 10 bis 17 Uhr sowie an jedem ersten Sonnabend im Monat von 10 bis 13 Uhr geöffnet – Abweichungen sind jedoch möglich. Zudem sind auf www.werners-esse.de Informationen zu Ausstellungen, Veranstaltungen und Angeboten aufgeführt: „Jeder ist willkommen, auf Workshops sein Talent zu entdecken oder einfach nur bei den Schmiedearbeiten zuzuschauen!“ ph