„Ob Hausfrau oder Bäcker, alle finden, die sind lecker“ – Seine Majestät Friedrich II. von Preußen eröffnet das 26. Rübchenfest
Es war einer dieser traumhaften Spätsommer-Frühherbst-Tage, an dem sich die Sonne noch einmal richtig Mühe gab! Um die kleine Rübe zu feiern, flanierten am Sonntag dem 28. September viele hundert Menschen die Güterfelder Straße in Ruhlsdorf entlang bis zur Festwiese, wo sie ein buntes Bühnenprogramm erwartete.
Zu Beginn hieß Tina Reich, Vorsitzende des Vereins „Teltower Rübchen e.V.“, die Gäste undUnterstützer des berühmten Rübchens willkommen. In ihren Begrüßungsworten freute sie sich über das herrliche Herbstwetter und bedankte sich bei allen Unterstützern und Förderern, die dieses Ereignis möglich gemacht hatten. Dann übergab sie das Wort an den „Alten Fritz“ alias Hermann Lamprecht, der mal wieder in die Rolle des Preußenkönigs geschlüpft war. Nachdem er ein wenig aus seinem Leben geplaudert hatte, eröffnete er die Rübchensaison mit einem Dank an die beiden Rübchenbauern Axel Szilleweit und Ronny Schäreke, die das edle Gemüse mit Leidenschaft anbauten.
Die musikalische Eröffnung des Festes übernahmen die „Vier-Tore-Musikanten“ aus Neu-Brandenburg – eine professionelle Blaskapelle mit einem bunten Programm für gute Laune. Gespielt wurde Blas-Tanz- und Unterhaltungsmusik aus Böhmen bis zum Obermain und aktuelle Stimmungshits zum Mitsingen.

Leckeres an jeder Ecke
Kulinarisches aus der Region, traditionelles Handwerk und ein buntes Markttreiben boten den Besuchern wieder viel Abwechslung. Natürlich durfte die traditionelle Rübchensuppe nicht fehlen. Dazu begaben wir uns zum Gemüse- und Rübchenbauern Axel Szilleweit. Während wir aßen, erzählte er, dass die Qualität der Rübchen in diesem Jahr phantastisch sei. Die Trockenheit im August sei sehr gut gewesen, denn je trockener, desto besser der Geschmack. Jetzt hoffe man auf einen goldenen Oktober, denn noch nicht alle Früchte seien erntereif. Die Suppe und natürlich die Rübchen in natura gab es auch beim zweiten Teltower Rübchenbauern Ronny Schärecke am Nachbarstand zu kaufen. Insgesamt bewirtschaften die Beiden 4,5 Hektar und erwarten eine Erntemenge von zirka vier Tonnen. Jens Grabow bot an seinem Stand Rübchengeist, Likör, Ketchup, Senf und Marmelade aus Rübchen an, Lebensmittel, die man auch in seinem Hofladen in der Teltower Altstadt kaufen kann. Es fehlte auch nicht die obligatorische Bratwurst vom Metzger Kaplick und die freiwillige Feuerwehr Ruhlsdorf – die übrigens am 25. April 2026 mit einem großen Fest ihr 100-jähriges Bestehen feiern wird – bot aus der Gulaschkanone eine kräftige Erbsensuppe. Natürlich gab es auch noch andere kulinarische regionale Köstlichkeiten wie Wildburger, Fischbrötchen oder Crepes – so war wirklich für jeden etwas dabei.

Vielfältiges Unterhaltungsprogramm
Neben den Vier-Tore-Musikantenwaren die Tänzerinnen des Teltower Carneval Clubs, eine Showtanzgruppe der Tanzschule Kurrat und die Cheerleader von Grün-Weiß Großbeeren mit dabei. Die Bill Haley-Band sorgte mit Musik aus den Fünzigern für Stimmung. Für die Kinder blies der Riese „Tom Balloni“ lustige Figuren aus Luftballons. Viel Spaß hatten sie auch auf der Hüpfsburg „Tom der Tiger“.
Kein Fest ohne Förderverein
Mit dem Teltower Rübchenfest wird eine der wenigen in Brandenburg beheimateten regionalen Spezialitäten, das Teltower Rübchen, in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Partner und Organisator der Veranstaltung ist der Förderverein für das Teltower Rübchen e.V., der sich 1998 gründete und sich seitdem für die Wahrung des Warenzeichens und die Wiederausbreitung der Speiserübe einsetzt. Neben der Bereitstellung von Informationen zu Historie, Anbau, Ernte, Verarbeitung und regionaler Bedeutung organisiert der Förderverein auch einen streng regional ausgerichteten Markt sowie ein Begleitprogramm. Finanziert wird das Fest von der Stadt Teltow mit 15.000 Euro, 10.000 Euro Spenden und Fördermitteln des Landes Brandenburg, vermittelt durch den Verein „pro agro“.

Und wen es interessiert, noch ein bisschen mehr über die Rübe
Wann und wie kamen die Rübchen nach Teltow? Mündlichen Überlieferungen zufolge brachten Bauern, die im 13. Jahrhundert von den Askanierfürsten in die Teltower Gegend geholt wurden, ihr Saatgut mit. Wahrscheinlich gehörten dazu auch Rübensamen. Ein kleiner Beutel genügte schon, um ein ganzes Feld zu bestellen. Anderen Quellen zufolge wurde die Rübe im Jahre 1770 durch Friedrich den Großen in Brandenburg und Pommern eingeführt, um sandige Böden für die Viehhaltung nutzbar zu machen.

Anbau und Ernte
Obwohl der Boden in der Mark Brandenburg extrem mager war, gedieh das Rübchen dort besonders gut. Besonders vorteilhaft war auch, dass das Rübchen nach der Getreideernte als Nachfrucht eingesät werden konnte. Die Rübchen sind, wie der Name assoziiert, recht klein und ähneln durch viele Nebenwurzeln oft kleinen Gnomen. Geschmacklich sind sie leicht scharf, etwas süßer als andere Rüben und rettichartig.
Früher galt das Mini-Rübchen als Arme-Leute-Essen. Es wurde ausgesät, um im Herbst und Winter nach dem Getreide noch eine zweite Ernte einfahren zu können. Im Laufe der Jahre verschwand das Gemüse von unseren Äckern. Das hatte auch damit zu tun, dass die Ernte sehr arbeitsintensiv war. Die Rübchen sind sehr verwurzelt und krallen sich regelrecht in die Erde, was zur Folge hat, dass sie mühsam ausgegraben werden müssen.


Ein weiterer Grund für den Niedergang war die Ansiedlung von Industrie in Teltow. Das absorbierte Arbeitskräfte und Flächen. Nach dem 2. Weltkrieg änderte sich die Situation noch einmal grundlegend: Die Kollektivierung der Landwirtschaft, verordnet durch die DDR-Regierung, setzte auf Planerfüllung. Dazu war der Rübchenanbau, dessen Ernte viel Handarbeit erforderte, aber zu arbeitsintensiv. Glücklicherweise retteten einige Hobbygärtner für den Eigenbedarf das Gemüse.
Dank dem Trend zu regionalen Lebensmitteln erobert sich die Märkische Rübe inzwischen als Trendgemüse Stück für Stück einen Platz auf unseren Speisekarten zurück. Auf der Grünen Woche 1999 wurden die Rübchen erstmals wieder präsentiert.


Auch Goethe und Napoleon liebten das Rübchen
Schon Goethe soll die Gemüse-Delikatesse für ihren feinen Geschmack geschätzt haben. Das belegt unter anderem ein Brief vom 28. September 1807 an seinen Freund, den Komponisten Friedrich Zelter: „…sodann würden Sie mich sehr verbinden, wenn Sie mir einen Scheffel echte Teltower Rübchen schicken könnten, aber freilich, ehe die Kälte einsetzt.“ Das scheint er jährlich erbeten zu haben, denn 10 Jahre später schreib er an Zelter: „….über alles dieses darf ich nicht vergessen, dass zu unserer Danknehmigkeit die köstlichen Rübchen angelangt sind; sie behaupten auch diesmal ihre alten Tugenden.“ (Quelle: Günter Duwe, Das Teltower Rübchen, 3. Aufl., 2016)
Auch Napoleon soll ein Fan der „Navets de Teltow“ (Kohlrüben aus Teltow) gewesen sein. Der Überlieferung nach brachten seine Truppen sie ihm im 19. Jahrhundert an den französischen Hof.
Fotos: Elisabeth Kaufmann
