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Tierquälerei bei Geflügelschlachthof in Seddiner See: Bündnisgrüne fordern Aufklärung und bessere Tierschutzkontrollen

Die Tierrechtsorganisation Aninova hat Videoaufnahmen aus einem Geflügelschlachthof in der Gemeinde Seddiner See veröffentlicht, die zeigen, wie Gänse und Enten von Mitarbeitern misshandelt werden. Bündnisgrüne fordern Aufklärung und bessere Kontrollen für den Tierschutz.

Aninova hat schwerwiegende Verstöße gegen das Tierschutzgesetz in einem Geflügelschlachthof im Ortsteil Seddiner See im Landkreis Potsdam-Mittelmark (Brandenburg) öffentlich gemacht. Betreiber des Schlachthofs ist die Lorenz Marken Geflügel GmbH & Co. KG, deren Produkte bundesweit unter der bekannten Markennamen „Dithmarscher-Geflügel“ unter anderem bei Kaufland, Globus, Metro, Rewe und EDEKA verkauft werden. Das Unternehmen wirbt regelmäßig mit hohen Tierschutzstandards, Transparenz und Freilandhaltung – ein Anspruch, der durch die dokumentierten Zustände in dem Betrieb in seiner Glaubwürdigkeit massiv erschüttert wird.

Das zwischen dem 08. November und dem 05. Dezember entstandene Bildmaterial, das Aninova zugespielt wurde, zeigt eine Vielzahl schwerer Misshandlungen von Gänsen und Enten. Besonders brisant ist, dass diese Übergriffe nicht zufällig auftreten, sondern von verschiedenen Mitarbeitenden an unterschiedlichen Tagen und zu unterschiedlichen Zeiten begangen werden. Die Gewalt wiederholt sich nahezu routiniert – ein deutlicher Hinweis auf strukturelle Probleme und ein tief verankertes Fehlverhalten innerhalb des Betriebs.

Zu sehen ist, wie Transportboxen mit lebenden Tieren achtlos auf den Boden geworfen werden. Gänse werden häufig so grob an den Hälsen gegriffen, dass ihre Körper unkontrolliert pendeln; manche Mitarbeitende reißen die Tiere regelrecht aus den Boxen, während diese verzweifelt strampeln. In mehreren Sequenzen wird dokumentiert, wie Gänse mit der flachen Hand, aber auch mit der Faust geschlagen werden – teils mehrfach. Immer wieder greifen Mitarbeitende den Hals der Tiere so fest, dass es zu deutlichen Würgebewegungen kommt und die Tiere sichtbar in Panik geraten. Oftmals wirkt das Verhalten der Mitarbeitenden nicht nachvollziehbar, geradezu willkürlich, welches Tier als Nächstes misshandelt wird. In einer besonders verstörenden Szene ist zu sehen, wie ein Mitarbeiter offenbar aus purem Spaß Federn von lebenden Gänsen ausreißt.

Zudem geraten viele Tiere in massiven Stress, weil sie direkt beobachten können, was ihren Artgenossen unmittelbar bevorsteht. Teilweise stehen die Förderbänder minutenlang still, während die Tiere kopfüber hängen – ein Zustand, der deutlich erkennbares Leiden verursacht und die Belastung weiter verstärkt. Insgesamt wurden bereits rund 100 Übergriffe dokumentiert, und die Auswertung ist noch nicht abgeschlossen.

Aninova hat am Wochenende das Veterinäramt des Landkreises Potsdam-Mittelmark sowie das Landwirtschaftsministerium in Potsdam über die dokumentierten Missstände informiert. Am 15. Dezember wurde zudem Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Potsdam gestellt. Den Tieren werden hier länger anhaltende Schmerzen und erhebliche Leiden zugefügt; aus Sicht von Aninova ist der Tatbestand der Tierquälerei eindeutig erfüllt. „Die Bilder zeigen ein Ausmaß an Gewalt, das sprachlos macht. Besonders erschütternd ist, dass die Übergriffe nicht von Einzelpersonen ausgehen, sondern von mehreren Mitarbeitenden. Dass ein Unternehmen, das mit Tierschutz und Freilandhaltung wirbt, solche Zustände zulässt, ist völlig inakzeptabel.“ sagt Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender von Aninova.

Der Fall reiht sich ein in eine lange Serie vergleichbarer Aufdeckungen aus Schlachthöfen in ganz Deutschland. Seit Jahren zeigt sich, dass Misshandlungen in solchen Betrieben kein Einzelfall sind, sondern immer wieder auftreten – unabhängig von Größe, Marke oder Image des Unternehmens. Die nun dokumentierten Szenen verdeutlichen erneut, dass industrielle Tiernutzung strukturell mit Leid verbunden ist.

Gerade in der Weihnachtszeit, in der Gänse und Enten traditionell auf vielen Tischen landen, ruft Aninova dazu auf, Alternativen zu wählen und sich für einen pflanzlichen Lebensstil zu entscheiden, der Mitgefühl sichtbar macht und Tierleid verhindert. „Schlachthöfe sind kein schöner Ort – nicht für die Menschen, die dort arbeiten, aber vor allem nicht für die Tiere. Diese Aufnahmen machen erneut deutlich, wie viel Leid hinter den Kulissen der Fleischproduktion entsteht.“ so Peifer abschließend.

Zu dem Vorfall sagte Svenja Künstler, Sprecherin des Kreisverbands BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Potsdam-Mittelmark: „Wir sind geschockt über die Bilder und den Umgang mit den Gänsen und Enten, die in den letzten Augenblicken ihres Lebens geschlagen und gewürgt wurden. Wir begrüßen, dass der Betrieb Konsequenzen gegenüber den mutmaßlichen Tätern gezogen und Videoüberwachung beauftragt hat. Allerdings reicht das nicht. Denn ungeklärt bleibt, warum derartige wiederholte Misshandlungen der Tiere weder im Betrieb noch dem Veterinäramt aufgefallen sind. Auch das ausführliche Interview mit dem Chef des Geflügelschlachthofs in der MAZ beantwortet diese Frage nicht ausreichend. Wir fordern Aufklärung und bessere Kontrollen für den Tierschutz! Der Fall in Seddiner See reiht sich ein in eine Reihe von Verstößen gegen den Tierschutz im Bereich der Nutztierhaltung und Schlachtung in ganz Brandenburg. Wir erwarten von der Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerin Hanka Mittelstädt, dass sie Tierschutz zur Chefsache macht und die Veterinärämter der Kreise unterstützt. Tierschutzsensible Bereiche in Schlachthöfen müssen mit Kameras überwacht werden.“

Foto: Pixabay.com