Stahnsdorfer Kundgebung gegen Antisemitismus: Eklat um AfD-Teilnahme

Das Netzwerk Tolerantes Teltow Kleinmachnow Stahnsdorf (NTTKS) hatte für das vergangene Wochenende zu einer Kundgebung gegen Antisemitismus aufgerufen. Deutliche Verstimmung herrschte im Anschluss, da Initiator Christian Kümpel (FPD) die Judenfeidlichkeit ausschließlich muslimischen Einwanderern zurechnete und sich nicht von der Teilnahme der AfD distanzierte.

Gleich zwei Veranstaltungen in Stahnsdorf standen am Wochenende im Zeichen des Protestes gegen Antisemitismus. Den Auftakt bildete die von 35 Personen besuchte Kundgebung, zu der das Netzwerk Tolerantes Teltow Kleinmachnow Stahnsdorf (NTTKS) für Freitagabend auf dem Friedrich-Weißler-Platz aufgerufen hatte. Den Initiatoren ging es darum aufzuzeigen, dass Antisemitismus kein importiertes Problem ist – denn man importiere nur, was nicht da sei. Antisemitismus sei vielmehr in der Mitte der Gesellschaft verankert und nicht bloß das Problem der Anderen, betonte der Stahnsdorfer
Gemeindevertreter Kai Schultka. Festzumachen sei das etwa an den wiederholt auf einem Jugendpavillon unweit des Gemeindezentrums angebrachten Schmierereien mit antijüdischen Motiven sowie den Weltverschwörungsmythen der Corona-Leugner-Szene („Freiheitsboten“), die in der Region überaus umtriebig sei.

Dass Antisemitismus ausschließlich Geflüchteten zugeschrieben wird, kritisiert auch die Teltower Kulturwissenschaftlerin Josefina Bajer. In den sozialen Medien wurde sie später für ihre Haltung massiv angefeindet. Bei Facebook hatte sie darauf hingewiesen, dass „rechte Agitatoren“ mit ihrer vorgeblich pro-israelischen Haltung den Nahostkonflikt instrumentalisierten, „um gegen Muslime zu hetzen“. Die für Samstagvormittag anberaumten Kundgebung auf dem Dorfplatz, an der sich etwa 40 Personen beteiligten, bildete das Kontrastprogramm hierzu. In seinem Eingangsstatement zeichnete Initiator Christian Kümpel (FDP) ein düsteres Bild von Migration und Zuwanderung, in denen er den Ursprung des antisemitischen Ungeistes erblickt. Während er
Muslime pauschal verantwortlich machte, geriet der organisierte Rechtsextremismus als Hauptbetätigungsfeld antisemitischer Straf- und Gewalttaten überhaupt nicht in den Blick.

Nur konsequent scheint deshalb, dass die Anwesenheit der AfD keinerlei Anlass zu Distanzierung oder Kritik bot. Mit auffälligen Warnwesten im Parteidesign, übergroßen Israelflaggen und mehreren Hunden versuchte die Ortsgruppe der Rechtsaußenpartei, Aufmerksamkeit für sich zu gewinnen. „Es mutet daher befremdlich an, dass weder die Bundestagsabgeordnete Linda Teuteberg (FDP) noch Jochen Felicke, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Berlin und Brandenburg e.V., Anstoß hieran in ihren Beiträgen nahmen“, hieß es im Anschluss vonseiten des NTTKS in einer Presseerklärung. Doch Antisemitismus schien überhaupt nur am Rande Thema der Veranstaltung zu sein, so das Netzwerk. „Im Vordergrund stand der Nahostkonflikt, der aus israelischer Perspektive beleuchtet wurde. Dass Antisemitismus, unter dem die Veranstaltung firmierte, nur der Aufhänger war, um migrationsfeindliche Positionen zu artikulieren, war den Rednerinnen und Rednern entweder nicht bewusst oder gleichgültig. Anlass zur Sorge geben
beide Alternativen“, so das Netzwerk abschließend. PM

Bild: NTTKS