Bisher kam unsere Region 2026 glimpflich davon – verursacht Hitze mehr Waldbrände?
Momentan wird in den Medien täglich über verheerende Waldbrände in Frankreich und Spanien berichtet, doch wir erinnern uns: Auch in unserer Region gab es in den vergangenen Jahren häufig Brände, deren Rauch manchmal tagelang über unsere Orte hinweg wehte. Daher wäre es interessant, die jetzige Risikolage abzuschätzen und allgemein die Gründe für Waldbrände zu kennen, um solche Ereignisse zukünftig besser zu vermeiden – falls möglich.
In Europa haben die Wald- und Vegetationsbrände in diesem Sommer bereits früh alarmierende Ausmaße erreicht – und die Lage verschärft sich momentan insbesondere in den Urlaubsregionen am Mittelmeer weiter. Insgesamt sind in Europa bis Mitte Juli fast 170.000 Hektar Land verbrannt und damit mehr als im Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre.
In einer groß angelegten Studie analysierte der WWF (World Wildlife Fund) Waldbrände, besonders im Mittelmeerraum während der vergangenen Jahrzehnte. Untersucht wurden Ursachen, ökologische Folgen, Risikogebiete und mögliche Erkenntnisse für die Zukunft. Dabei stellte sich heraus: „In etwa 97 Prozent aller Fälle werden diese Brände von Menschen verursacht. Oft ist es Fahrlässigkeit, noch größer ist der Anteil an vorsätzlich gelegten Bränden. Immobilienspekulation und Baulandgewinnung spielen insbesondere in Griechenland und Italien eine Rolle.“ Wichtig ist zu wissen, dass die Mittelmeerländer (also auch Spanien und Frankreich) bereits seit vielen Jahrzehnten unter absichtlich oder versehentlich ausgelösten Waldbränden leiden, und obwohl jedes Jahr Dutzende Feuerteufel überführt und verhaftet wurden, bessert sich die Situation nicht – im Gegenteil.
Die traditionelle sommerliche Trockenheit und Hitze begünstigen die Ausbreitung – aber sie sind nicht der Grund für die Entstehung von Bränden. Bäume oder Gräser entzünden sich nicht einfach selbst, auch nicht bei extremen Wetterbedingungen. Ein Blitzeinschlag, eine achtlos weggeworfene Zigarette oder ein absichtlich gelegtes Feuer können hingegen besonders bei Trockenheit zu schneller Ausbreitung führen. Auch in Deutschland gibt es momentan Regionen, die im Dürremonitor der Meteorologie-Website windy.com als besonders betroffene Gebiete hervorstechen: weite Teile Brandenburgs – also auch unsere Region – gehören bisher nicht dazu, obwohl wir bereits eine Hitzeperiode hinter uns haben (die nächste ist angekündigt).

Screenshot des Dürremonitors der Website www.windy.com vom 25.07.2026/10.35 h: Grau = keine starke Dürre
Nun sind Trockenperioden in Deutschland nicht erst seit Beginn des Klimawandels (um 1850) ein bekanntes immer wieder auftretendes Phänomen. Unsere Region gilt seit Jahrhunderten als „Streusandbüchse“, also als Gebiet mit kargen Böden und geringen Regenmengen – andere Landesteile sind mit größeren Niederschlagsmengen gesegnet. Aber das war eben nicht immer so: Im Januar 1540 begann eine Trockenphase, wie sie Mitteleuropa seit Menschengedenken nicht erlebt hat. Wissenschaftler, die das genauer recherchiert haben, sprechen von einer „Mega-Dürre“, verursacht durch eine extreme Wetterlage, bei der immer neue Hochdruckgebiete über Mittel- und Südeuropa die Regen bringenden Atlantiktiefs fernhielten – und zwar fast ein Jahr lang. Flüsse trockneten aus, Brunnen versiegten, Hunderttausende Menschen starben durch Hunger, teils auch während ausbrechender Unruhen. Das Bemerkenswerte: Von einer Häufung an Waldbränden wurde nicht berichtet. Gab es vielleicht weniger menschliche Feuerteufel?
Von einer ähnlich katastrophalen Megadürre wie 1540 sind wir momentan trotz höherer Durchschnittstemperaturen weit entfernt, aber blockierende Hochdruckgebiete gab es dieses Jahr schon, nur nicht über so extrem lange Dauer. Aber eine andere Vorbedingung, die die Ausbreitung von Waldbränden begünstigt, ist heutzutage gegeben: Nicht nur die Bevölkerungsanzahl und die Dichte besiedelter Gebiete ist gestiegen, sondern auch die Zusammensetzung und die Gestaltung der Vegetation haben sich drastisch verändert. Statt naturbelassenem Mischwald finden sich häufig Monokulturen und statt kleiner Ackerflächen große Agrargebiete, die Sonne und Hitze ungeschützt ausgeliefert sind. Der WWF schreibt: „Die mediterrane Landschaft ist zudem durch übernutzte Wälder, expandierende Plantagen mit leicht brennbaren Baumarten (Kiefer, Eukalyptus, Pappel) und Wassermangel bedroht. Künstliche Aufforstungen nach Bränden erhöhen das Feuerrisiko weiter, besonders bei schnellwachsenden Monokulturen. Folgt auf Waldbrände starker Regen, kann dies zur Degradierung und letztlich zur Wüstenbildung führen.“
Die leicht brennbaren Kiefern sind auch bei uns als Monokulturen verbreitet – hier muss der Waldumbau dringlich erfolgen, außerdem müssen in Wäldern und bei Agrarflächen genügend Brandschneisen angelegt werden, um die Ausbreitung einzudämmen. Was jeder Einzelne in unserer Region tun könnte wäre, solche Maßnahmen aktiv durch Spenden oder politisches Engagement zu fördern sowie durch eigenes, achtsames Verhalten die Brandentstehung zu verhindern. Der WWF schreibt: „Bildung und Wissensvermittlung sind zentrale Bausteine für eine wirksame Waldbrandprävention.“ Und nicht zu vergessen: Immer wieder kosten Brände Menschenleben, Fauna und Flora leiden, und die entstandenen ökonomischen Schäden kosten Milliarden. Umso wichtiger sind Aufklärung und Vorbeugung, um solche Ereignisse auch bei tendenziell zunehmenden Hitze- und Trockenphasen zu vermeiden.
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