Kleinmachnower Sommerkonzerte: Eine Ära geht zu Ende

So viel Enttäuschung gab es nie nach einem Sommerkonzert mit Hans-Joachim Scheitzbach, und das lag keinesfalls an der 12-Ton-Musik Arnold Schönbergs, die er und seine Kollegen diesmal im Repertoire hatte. Es war das letzte Sommerkonzert in diesem Jahr, und es war das letzte mit ihm. Mit fast 80 Jahren gibt er das Cello aus der Hand und verabschiedete sich nun – angetan mit wehendem Schal und Zylinder – von seinen treuen Fans in Kleinmachnow.

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert gibt es die Kleinmachnower Sommerkonzerte und seit 1996 prägte der Kammermusiker Hans-Joachim Scheitzbach die beliebte Konzertreihe. Seine Zuhörer lieben nicht nur die heitere klassische Musik, sondern auch die charmante Art, in der er auch diesmal wieder die Musik und dazugehörige Anekdoten präsentierte. Sowohl das Frühlingskonzert als auch die drei Sommerkon-zerte waren immer ausverkauft.

Scheitzbach wurde 1960 an das Leipziger Gewandhausorchester engagiert, zu-gleich war er einige Jahre Mitglied des Leipziger Streichquartetts. 1967 wurde er als Solocellist an die Staatskapelle Dresden verpflichtet und wechselte ein Jahr später in gleicher Position an die Komische Oper Berlin. Er machte sich als Solist vor allem durch die Interpretation zeitgenössischer Kompositionen einen Namen und erhielt hierfür mehrere Auszeichnungen.

Zu den Höhepunkten seiner solistischen Laufbahn gehören Aufführungen der beiden Konzerte für Violoncello und Orchester von Krzysztof Penderecki unter der Leitung des Komponisten. Er war an vielen Rundfunk- und Schallplatteneinspielungen betei-ligt, Konzertreisen brachten ihn in zahlreiche europäische Länder. Als Kammermusi-ker hat er vor allem klassische und spätromantische Werke in kleinen Besetzungen im Repertoire. Seit 1969 organisiert er Kammermusik- und Serenaden- Konzerte Berlin-Brandenburg mit den Kammervirtuosen der Komischen Oper Berlin.

Nun hat er sich entschieden, endgültig in den Ruhestand zu gehen, er wird in diesem Jahr 80 Jahre alt und möchte mehr Zeit für seine Familie und seine Hobbies haben.

So sehr ihn die Gemeinde Kleinmachnow vermissen wird, so froh ist sie, dass die Som-merkonzerte in der Tradition weitergeführt werden. Seine langjährige Bühnenpartne-rin, Elizabeth Balmas, Violonistin und Konzertmeisterin des Radio-Sinfonie-Orchesters Paris, wird die Konzerte im kommenden Jahr gestalten und moderieren.

Geboren in Versailles, studierte sie am Pariser Conservatoire National Superieur, wel-ches sie mit 14 Jahren mit dem ersten Preis abschloss. In den Folgejahren gewann sie bei Wettbewerben in London den Carl-Flesch-Preis und in Genua den Paganini-Preis. Als Solistin spielte sie in vielen großen europäischen Orchestern. Ihr bevorzugtes Re-pertoire ist dabei die Spätromantik oder Modern, welches sie auch in verschiedenen europäischen Rundfunkanstalten als Geigerin oder Altistin aufgenommen hat. Sie trägt den Titel „Chevalier et Officier des Arts et Lettres“.

Text/ Foto: Gemeinde Kleinmachnow