Himmelsfeuer über Stahnsdorf
Gestern Abend wurde das Magnetfeld der Erde von einem der heftigsten Sonnenstürme der letzten Monate getroffen: Auf einer Skala von 1 bis 9 für den Kp-Index, der die magnetische Wirkung der Teilchenstrahlung darstellt, wurde ein Wert von 8,67 erreicht. Folge: der Himmel über unserer Region glühte förmlich durch das intensive Polarlicht.
Der Stahnsdorfer Fotograf Mario Kacner war gerade am Sonntag von einer Polarlicht-Expedition nach Tromsø/ Norwegen zurückgekehrt, als er von dem aktuellen CME, einem koronalen Massenausbruch der Sonne, erfuhr. Normalerweise bewegen sich die geladenen Teilchen bei einem solchen Ereignis mit einer Geschwindigkeit von 500 bis 800 Kilometer pro Sekunde auf die Erde zu, diesmal wurden sie mit solcher Wucht aus der Sonne herausgeschleudert, dass sie sogar 1.660 km/s erreichten und damit schneller hier eintrafen als erwartet, nämlich schon nach einem Tag. Der schnellste jemals gemessene CME fand im Juli 2012 statt – damals mit bis zu 3.500 km/s – die Erde wurde jedoch (wohl glücklicherweise) von diesem Monster-CME knapp verfehlt. Seit 1995 werden Ausbrüche, die durch oberste Atmosphärenschicht (die Korona) austreten, von einer Raumsonde namens SOHO beobachtet. Bei den Aufnahmen wird der sichtbare Teil der Sonne abgedeckt, der sonst alles überstrahlen würde. Den jetzigen Ausbruch hat die Sonde so aufgenommen (die Teilchenstrahlen treten in mehrere Richtungen aus, die intensivsten in Richtung Erde):
Foto: SOHO/ spaceweather.com
Die Feldlinien des Erdmagnetfelds sind zu den Polen hin gebogen, und die geladenen Teilchen von der Sonne folgen ihnen, bis sie auf Sauerstoff- und Stickstoffatome in der Erdatmosphäre stoßen, an die sie ihre Energie abgeben und diese dadurch zum Leuchten anregen. Je nach Höhe, in der das passiert, ist rotes, violettes oder grünes Polarlicht zu sehen – allerdings meist nur in den Regionen am Polarkreis. Nur besonders intensive Teilchenströme schaffen es, auch in weiter südlich gelegenes Gebiet vorzudringen. Dass bei uns Polarlicht (auch „Aurora“ genannt) zu sehen ist, ist nicht alltäglich, jedoch in den Jahren maximaler Sonnenaktivität (wie 2025 und 2026) durchaus möglich und bereits aufgetreten (wir berichteten davon). Diesmal war die Himmelserscheinung beinahe in ganz Europa zu sehen, selbst in der Schweiz und in Rumänien, besonders viele Meldungen kamen aus Norwegen und Deutschland. Noch heute, am Dienstag, tobt die Aurora über weiten Teilen Kanadas und den USA, selbst in südlichen Bundesstaaten.

Foto: Mario Kacner
In unserer Region entwickelte sich das Polarlicht ungefähr ab 23:00 Uhr, wobei der Neumond und der klare Himmel ideale Beobachtungsbedingungen schufen. Gegen Mitternacht waren in Richtung Norden eher grüne, im Nordosten rote bis violette Himmelslichter zu sehen – anders aber als in Lappland „tanzten“ sie nicht am Himmel. Das mag daran liegen, dass sich der Teilchenstrom diesmal kontinuierlicher Richtung Erde bewegte und es im irdischen Magnetfeld nicht so viele Verwirbelungen gab. Doch auch heute noch ist dieses in Aufruhr, so dass abends noch Polarlichter zu sehen sein könnten, wenn auch mehr in nördlicheren Regionen, ähnlich wie hier in einem Sami-Rentiercamp in der Nähe von Tromsø:

Fotos: Mario Kacner
Egal, wo man das Himmelspektakel erlebt: es ist immer wieder faszinierend, spektakuläre Naturphänomene zu beobachten und deren Schönheit zu bestaunen. Für heute Abend um 19 Uhr wird ein Kp-Index von 6,00 erwartet.
