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Stahnsdorf: Protest gegen möglichen ICE-Standort

Die Deutsche Bahn sucht einen Standort für ein neues ICE-Werk für Wartungen und Reparaturen. Auch das Gebiet um die Stahnsdorfer Rieselfelder ist im Gespräch. Nun regt sich Widerstand gegen die möglichen Pläne.

Die Deutsche Bahn ist auf der Suche nach einem Standort für ein neues ICE-Instandhaltungswerk. Als Standort rückt die Fläche zwischen den Stahnsdorfer Ortsteilen Schenkenhorst, Sputendorf, Güterfelde und Marggrafshof in den Mittelpunkt. Platz gibt es genug, doch davon wären auch die früheren Rieselfelder betroffen, die sich die Natur derzeit zurückerobert. Nun hat sich die Bürgerinitiative „Kein ICE-Werk Stahnsdorf Rieselfelder“ gegründet, die den Standort verhindern will.

Etwa 3.000 Anwohner wären von den Plänen betroffen, argumentieren die Kritiker. In ihrer Nähe würden Hallen und Gleisanlagen entstehen, auf denen nachts Hunderte Meter lange ICEs gewartet, repariert und gereinigt werden, dies alles verbunden mit besonders viel Lärm. Für den Standort würde eine vier Kilometer lange und 400 Meter breite Fläche benötigt, fürchtet die Bürgerinitiative. Deren größte Befürchtung sind nächtliche Hup-Tests, die 100 Dezibel erreichen könnten – dies entspreche dem Start eines Düsenjets.

Bislang bestätigt die Deutsche Bahn nur, dass derzeit verschiedene Standorte in den Regionen Berlin-Brandenburg und Frankfurt am Main gesucht werden, weil in den 2030er Jahren ein weiteres ICE-Werk nötig werde. Allerdings sei noch keine Entscheidung gefallen. Die Bürgerinitiative widerspricht: Vertrauenswürdige Quellen hätten anonym bestätigt, dass bereits eine Vorentscheidung gefallen sei.

Zudem seien wichtige Natur- und Erholungsflächen in Gefahr, und auch touristisch orientierte Betriebe wie Reiterhöfe müssten mit schweren Folgen rechnen. Allerdings sind die Möglichkeiten der Gemeinde Stahnsdorf begrenzt: Die fraglichen Flächen sind Eigentum der Berliner Stadtgüter und damit des Landes Berlin. Die Stadtgüter hätten ein besonderes Interesse, die Flächen zu veräußern, befürchten die Widersacher des möglichen ICE-Werks.

Für die Kritiker ist die Investition von etwa 400 Millionen Euro und die Schaffung von 400 Arbeitsplätzen kein stichhaltiges Argument. Bereits jetzt würden in der Region Fachkräfte fehlen, und die Bürger seien bislang nicht in die Entscheidungsfindung eingebunden worden. Dabei gebe es in Seddin bereits eine gute Alternative, die bereits die notwendige Schienen-Infrastruktur besitze.

Für den 30. Juni ist ein erstes Gespräch zwischen Deutscher Bahn, den Ortsvorstehern der betroffenen Ortsteile und mit Vertretern der Bürgerinitiative geplant. Stahnsdorfs Bürgermeister Bernd Albers hofft auf ein Umdenken der Bahn. Die Gemeinde werde alles versuchen, um den Standort zu verhindern; es gebe genügend Alternativen, unter anderem in Hessen. Er werde alles Mögliche tun, um die Naturlandschaft der früheren Rieselfelder zu erhalten. ph

Symbolbild: Pixabay.com