Kleinmachnows Fachdienst Gemeindegrün: Wo Klimaschutz Beruf ist
Kleinmachnow gilt als grüne Gemeinde: 40 Prozent der Fläche sind als Wald-, Sport-, Grün-, Wasser- oder Biotopfläche ausgewiesen und dienen der Erholung. Der Anteil an Straßen-, Gewerbe- und Sonderflächen ist mit 15 Prozent dagegen vergleichsweise gering. Doch wer kümmert sich in der Gemeinde darum, dass alles im grünen Bereich ist? Dieser und anderen Fragen gingen Schülerinnen und Schüler des Weingartengymnasiums Kleinmachnow im folgenden Beitrag nach. Ein Gastbeitrag von Alex Kensy, Luisa Horn und Pablo Müller Puente und Marco Meißner.
Ein Beruf zwischen Schreibtisch und Straßenbaum
„Ich bin nach wie vor glücklich, dass ich diesen Weg gegangen bin“ Für Antje Butzmann, langjährige Mitarbeiterin im Kleinmachnower Fachbereich für Gemeindegrün, ist ihr Beruf mehr als Verwaltung: Es ist die Verbindung von Planen am Schreibtisch und Arbeiten draußen vor Ort. Gerade für Jugendliche, die sich für Nachhaltigkeit interessieren, könne dieser Berufszweig eine attraktive Perspektive sein.
Vom Facharbeiter zur Planerin für öffentlichen Raum
Butzmanns Weg ins Gemeindegrün begann mit einer Ausbildung als Facharbeiterin für Grünanlagen, also der Pflege öffentlicher Flächen in Kommunen und Städten. Später studierte sie Garten- und Landschaftsgestaltung in Erfurt und arbeitete unter anderem bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten sowie in Planungsbüros für Außenanlagen und Straßenbau. Die Kombination aus Tiefbau-Erfahrung und „Grünkompetenz“ war schließlich ihr Türöffner nach Kleinmachnow, wo sie seit fast 27 Jahren an der Gestaltung des Ortsbildes mitwirkt.
Aufgaben: Straßen, Bäume und neue Wohngebiete
Zum Verantwortungsbereich des Fachbereichs für Gemeindegrün gehört heute vor allem die Mitwirkung an Bebauungs- und Straßenplanungen, etwa für neue Wohngebiete an der Autobahn. Externe Büros erarbeiten die Pläne, doch das Amt bringt fachliche Stellungnahmen ein etwa dazu, wo Bäume erhalten bleiben oder neu gepflanzt werden sollen. Ein Schwerpunkt ist die Baumpflanzung im gesamten Ortsgebiet: Gefällte oder abgestorbene Straßenbäume werden möglichst zeitnah ersetzt, um geschlossene Alleen und ein gutes Ortsklima zu erhalten. Ein aktuelles Beispiel ist das neue Wohngebiet mit der Christa-Wolf-Straße und dem Emma-Maria-Lange-Weg, wo auf Drängen von Butzmann alte Eichen erhalten und Straßenführungen angepasst wurden. Wo vor Ort zu wenig Platz für neue Bäume bleibt, werden Ersatzpflanzungen an anderen geeigneten Standorten im Gemeindegebiet umgesetzt.
Rechtliche Grundlagen und praktische Konflikte
Die Arbeit des Amtes bewegt sich immer im Spannungsfeld von Grünbedarf, Verkehrsplanung und rechtlichen Vorgaben. Pflanzabstände zu Grundstücksgrenzen sind im Brandenburgischen Nachbarrechtsgesetz geregelt Laub- und Nadelbäume benötigen zum Beispiel vier Meter Abstand, Obstgehölze zwei Meter; bei Hecken gilt als Faustregel ein Drittel der Wuchshöhe als Mindestabstand. Gleichzeitig müssen bei Straßenplanungen die Wünsche nach Stellplätzen mit dem fachlichen Ziel größerer Baumscheiben und ausreichendem Wurzelraum in Einklang gebracht werden.
Nachhaltigkeit als Leitlinie
Nachhaltigkeit spielt im Alltag des Grünflächenamtes eine zentrale Rolle. Kleinmachnow verfolgt ein integriertes Klimaschutzkonzept mit dem Ziel, die Gemeinde bis 2035 so weit wie möglich klimaneutral zu machen. Der Schutz und die Weiterentwicklung des Waldes ist darin ein eigenes Maßnahmenfeld. Dazu gehört ein Waldkonzept, das unter anderem die Pflege des Bannwaldes, den Rückbau unnötiger Wege und die Förderung standortgerechter, lokal herangezogener Jungbäume vorsieht. Besonders deutlich wird der Nachhaltigkeitsanspruch bei der Baumpflanzung: Neue Straßenbäume sollen nicht „im Blumentopf“ stehen, sondern genügend Wurzelraum und Wasser erhalten, damit sie sich über Jahrzehnte entwickeln können. Provisorien wie Bewässerungssäcke helfen in trockenen Sommern, ersetzen aber nicht gute Standortplanung.

Zusammenarbeit mit Bürgern, Schulen und Vereinen
Der Fachbereich für Gemeindegrün setzt stark auf Beteiligung: Seit 2016 werden Baumpatenschaften vergeben, bei denen Bürgerinnen, Bürger und auch Kinder „ihre“ Straßenbäume vor der Haustür vor allem durch regelmäßiges Gießen unterstützen. Auf der Gemeindehomepage können Interessierte sich informieren und Patenschaften übernehmen. Zahlreiche Projekte binden Kitas, Schulen und Initiativen ein: Von Kita-Aktionen mit selbst gezogenen Eichensetzlingen über Vogelhaus-Aushänge im Bannwald bis hin zu Schüleraktionen zum „Tag des Baumes“, bei denen verdichtete Baumscheiben auf dem Rathausmarkt gelockert und mit kleinen Zäunen geschützt wurden. Auch mit lokalen Umweltvereinen wie dem Buschgraben-/Bäke-Verein arbeitet das Amt eng zusammen.
Klimawandel als größte Herausforderung
Als größte Herausforderung nennt Butzmann den Klimawandel selbst: Längere Trockenperioden, sinkende Grundwasserstände und ausgetrocknete Regenrückhaltebecken erschweren die Versorgung der Bäume. Die Gemeinde muss teures Trinkwasser zur Bewässerung einsetzen, unterstützt von der Feuerwehr, was viel Geld und Personal bindet. Gleichzeitig leiden die Bäume unter zu wenig Platz im Wurzelraum und der Verdichtung des Bodens durch Verkehr und Fußgänger.
Blick in die Zukunft und ein Appell an die Jugend
Für die Zukunft setzt Kleinmachnow auf einen Gehölzschutzsatz, der Bäume schon ab einem Stammumfang von 12,5 Zentimetern schützt also deutlich früher, als es in vielen anderen Kommunen üblich ist. So soll der notwendige Generationswechsel vom alten Baumbestand zu jungem, zukunftsfähigem Grün gesichert werden. Butzmann arbeitet darauf hin, dass Schulen wieder stärker praxisnahe Umweltbildung anbieten etwa durch Schulgärten und konkrete Projekte vor Ort. Jede und jeder könne im Kleinen anfangen, vom eigenen Gartenbaum bis zur Entscheidung fürs Fahrrad. Entscheidend sei, Interesse für die Umwelt zu wecken und zu fördern. Für Jugendliche, die sich für Klima- und Umweltschutz begeistern, ist der Fachbereich für Gemeindegrün ´üaus ihrer Sicht ein spannender Berufsweg: eine Mischung aus planerischer Verantwortung, praktischer Arbeit im Freien und der Chance, das eigene Lebensumfeld sichtbar mitzugestalten.
Fotos: Alex Kensy, Luisa Horn und Pablo Müller Puente und Marco Meißner
