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Trickbetrüger vermehrt aktiv

Gefälschte Inkassoschreiben im Briefkasten und falsche Polizisten am Telefon: Verbraucherzentrale und Polizei warnen vor Trickbetrügern. Im Landkreis Teltow-Fläming entging eine Seniorin nur knapp dem Unglück.

Die Masche ist bekannt und offenbar immer wieder lukrativ für die Macher: Verbraucher erhalten ein vermeintliches Inkassoschreiben, gespickt mit allerlei Begrifflichkeiten, die den Betroffenen vorgaukeln sollen, sie hielten ein hochoffizielles Schreiben in den Händen. So ist von einem Zahlungsbefehl, einer Genehmigung des Gerichtshofes, von gerichtlichen Mahnbescheiden und Pfändungen die Rede. Als Grund für die Zahlungsforderung in Höhe von beispielsweise 348,60 Euro wird ein vermeintlicher Vertrag mit der „Deutschen Gewinner Zentrale Lotto 6-49“ angegeben. Die Überweisung soll auf ein griechisches Konto erfolgen. Erkennbar ist dieses an der IBAN, die mit dem Kürzel „GR“ beginnt. Ein Überweisungsträger liegt bei.

„Zahlen Sie auf keinen Fall, wenn Sie ein solches Schreiben erhalten“, sagt Stefanie Kahnert, Juristin bei der Verbraucherzentrale Brandenburg. Betroffene Verbraucher sollten sich von derartigen gefälschten Inkassoschreiben weder verunsichern lassen noch darauf reagieren, sondern Anzeige bei der Polizei erstatten.

Es sind immer wieder gefälschte Inkassoforderungen im Umlauf. Nicht immer ist klar, wie die Absender dieser Schreiben an die Daten ihrer potenziellen Opfer gelangen. Betroffene sollten recherchieren, ob ihre Daten möglicherweise frei im Internet zur Verfügung stehen. Betrüger können die Adressdaten beispielsweise aus öffentlichen Telefonbucheinträgen im Netz ergattert haben. „Findet man seine eigenen Daten auf diese Art und Weise selbst im Internet, kann man Kontakt zum Anbieter der Telefonbuchseite aufnehmen und die Eintragung löschen lassen. Wir empfehlen zudem, mit dem eigenen Telekommunikationsanbieter in Verbindung zu treten und zu klären, welche Vereinbarung zur Veröffentlichung der eigenen Daten dort hinterlegt ist und einer Veröffentlichung zu widersprechen“, erklärt die Juristin.

Die Verbraucherzentrale hat eine Schwarzliste mit bekannten unseriösen IBANs und Namen von Fake-Inkassounternehmen zusammengestellt. Verbraucher, die ein unseriöses Schreiben erhalten haben, können dieses auch der Verbraucherzentrale Brandenburg melden: www.verbraucherzentrale-brandenburg.de/beschwerde-box

Betroffene, die unsicher sind, ob sie ein seriöses oder unseriöses Schreiben erhalten haben, können sich individuell bei der VZB beraten lassen:

Tipps, woran man eine unseriöse Inkassoforderung erkennen kann, finden Interessierte hier: Inkasso: So erkennen Sie unseriöse Forderungen | Verbraucherzentrale Brandenburg (verbraucherzentrale-brandenburg.de)

Versuchte Abzocke mit Schock-Anrufen

Unterdessen wurden der Brandenburger Polizei vermehrt sogenannte „Schockanrufe“ gemeldet. Falsche Polizisten versuchten demnach, die Angerufenen um ihr Erspartes oder ihre Wertsachen zu bringen.

Im Havelland, speziell in Schönwalde-Glien, Falkensee und Dallgow-Döberitz zeigten fünf Bürger solche Telefontricks an, die alle einen schweren Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang als Sachverhaltsgrundlage beinhalteten. Die Täter gaben sich dabei am Telefon als Polizisten aus, die nun einen nahen Angehörigen als Verursacher des Verkehrsunfalls auf der Wache hätten. Dieser könne jedoch nur durch Zahlung einer Kaution in Höhe von mehreren Tausend Euro eine Strafe abwenden.

Gleiches auch im Landkreis Teltow-Fläming. Sowohl in Luckenwalde als auch in Baruth/Mark haben Telefonbetrüger ebenfalls mit wie im Havelland gelagerten Schilderungen versucht, an Bargeld zu gelangen.

In allen Fällen kam es zu keinem Vermögensschaden. Während im Havelland die Angerufenen selbst den Telefontrick erkannten und einfach auflegten, waren es in Teltow-Fläming eher glückliche Umstände, dass es nicht zu Vermögensschäden kam. In Luckenwalde kam zufällig die Mitarbeiterin einer Hauskrankenpflege hinzu, die dann das Telefonat übernahm und einfach beendete. In Baruth/Mark hat es eine Senioren ihrer aufmerksamen Bankmitarbeiterin zu verdanken, dass sie kein Opfer wurde. Die Geschädigte beantragte nämlich bereits die Auszahlung von 85.000 Euro bei ihrer Bank. Als sie dann aber den Grund der Auszahlung nannte, wurde auch der Mitarbeiterin klar, dass die Dame höchstwahrschlich auf einen Telefonbetrug reingefallen war und verhinderte Schlimmeres.

Anbei finden sich Hinweise, die Bürger bei allen Formen des Telefonbetruges beachten sollten. Diese so genannten „Schockanrufe‘“ reihen sich neben Enkeltrickbetrügereien und Anrufen falscher Polizisten ein, die alle das Ziel haben, an Wertgegenstände und oder Bargeld der meist älteren Opfer zu gelangen und können in ihrer Form auch stark variieren.

Die Polizei rät in diesem Zusammenhang:

·         „Lassen Sie sich am Telefon nicht ausfragen. Geben sie keine Details Ihrer familiären oder finanziellen Verhältnisse preis!

·         Lassen Sie sich von einem Anrufer nicht drängen und unter Druck setzen. Vereinbaren sie einen späteren Gesprächstermin, damit sie in der Zwischenzeit die Angaben z.B. durch einen Anruf bei Ihren Verwandten oder bei der örtlichen Polizei überprüfen können!

·         Notieren Sie sich die eventuell auf dem Sichtfeld Ihres Telefons angezeigte Nummer des Anrufers!

·         Bevor Sie jemandem Ihr Geld geben wollen: Besprechen Sie die Angelegenheit mit einer Person Ihres Vertrauens. Wenn Ihnen die Sache „nicht geheuer ist“, legen Sie einfach auf und informieren Sie bitte Ihre örtliche Polizeidienststelle!

·         Übergeben Sie kein Geld an Personen, die Ihnen nicht persönlich bekannt sind!

·         Haben Sie bereits eine Geldübergabe vereinbart? Informieren Sie noch vor dem Übergabetermin die Polizei! Sie erreichen sie unter der Nummer 110.“ PM

Symbolbild: Pixabay.com