Zeitgenössische sorbische Kunst – Ausstellungseröffnung im KunstHaus Potsdam
Vom 27. September bis 8. November zeigt der Kunstverein KunstHaus Potsdam Positionen zeitgenössischer sorbischer Kunst. Zwei Kollektive stehen dabei im Mittelpunkt: NSK Lipsk – Neue Sorbische Kunst und kolektiw wakuum. Ihre Arbeiten verbinden die sorbischen Traditionen und künstlerische Ausdrucksformen mit Gegenwartsfragen. Themen wie Identität, Sprache, Queerness und gesellschaftlicher Wandel stehen ebenso im Fokus wie die Frage nach einer zeitgenössischen Übersetzung.
In den vergangenen 100 Jahren ist der Anteil sorbisch Sprechender in der Bevölkerung deutlich zurückgegangen: von etwa 160.000 Personen um die Jahrhundertwende auf heute rund 60.000 im Gebiet der Lausitz. Während traditionelle, religiöse und folkloristische Praktiken vielfach fortgeführt wurden, kam es im 20. Jahrhundert vergleichsweise selten zu Erweiterungen und künstlerischen Innovationen. Insbesondere eine eigenständige Jugend- und Popkultur oder eine zeitgenössische bildende Kunst in sorbischer Tradition blieben lange wenig ausgeprägt. Das Ausstellungsprojekt nacasne serbske wuměłstwo / načasne serbske wuměłstwo (zeitgenössische sorbische Kunst) widmet sich dieser Leerstelle. Eingeladen sind Künstlerinnen und Künstler, die sich mit einer spekulativen Kunstpraxis den Lücken einer modernen Tradition und einer zeitgenössischen sorbischen Kunstproduktion nähern. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sorbische Geschichte, Sprache, Symbole und Identität in die Gegenwart und Zukunft überführt werden können.
Im Rahmen der Vernissage bringt die Performance von Jandźel/Angel van Hell sorbische Tradition und Drag-Kunst miteinander in den Dialog. Anschließend präsentieren die Dresdener Künstlerin Antje Meichsner aka Shannon Soundquist und Paul Geigerzähler ihr kommendes Album „Potscheremo“. Dabei treffen elektronisch analoge Synthesizer auf die fünfsaitige Violine, sorbisches Volkslied auf avantgardistisch-experimentelle Musik, Noise oder Tekno.
„Potscheremo“ thematisiert „das unsichtbare Sorbische im Deutschen“, eine Geschichte von „deutschem Nationalismus, Sprachverboten und Antislawismus.“ Der früher bei amtlichen Verkündigungen genutzte Ausruf „Potscheremo“ ist ein Sorabismus im sächsischen Dialekt und bedeutet: „Kommt zusammen!“, von sorbisch: „Pójće hromadźe!“. Das Album ist insofern auch ein Soundstatement, das zum Zusammenkommen aufruft, gegen erstarkenden Nationalismus und dessen Reinheitsvorstellungen.
Foto: KunstHaus Potsdam, Foto: BKG / Nadine Redlich
