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Stau, Standstreifen, Spurwechsel: die häufigsten Autobahn-Fehler

Viele Autofahrer sind unsicher, welche Regeln auf deutschen Autobahnen tatsächlich gelten – besonders in Stresssituationen wie beim Einfädeln, im Stau oder beim Überholen. „Die meisten Verstöße entstehen nicht aus Absicht, sondern aus Unsicherheit oder falschem Halbwissen. Diese Missverständnisse führen immer wieder zu gefährlichen Situationen und Bußgeldern“, so Melanie Leier, Anwältin für Verkehrsrecht und Partneranwältin von Geblitzt.de.

Der fließende Verkehr auf der Autobahn ist nicht dazu verpflichtet, den Neuankömmlingen Platz zu machen. Melanie Leier erläutert: „Es ist derjenige verantwortlich, der auf die Autobahn auffährt. Wer einfädelt, muss seine Geschwindigkeit anpassen und eine geeignete Lücke finden. Der Verkehr auf der durchgehenden Fahrbahn hat grundsätzlich Vorfahrt.“ Doch was ist, wenn der Beschleunigungsstreifen knapp wird? „Autofahrer sollten möglichst früh beschleunigen und den Verkehr aufmerksam beobachten. Im Notfall darf man am Ende des Beschleunigungsstreifens sogar anhalten, wenn ein sicheres Einfädeln anders nicht möglich ist“, weiß die Anwältin für Verkehrsrecht und ergänzt: „Gefährliche Bremsmanöver oder ein erzwungenes Einscheren sind dagegen unbedingt zu vermeiden. Müssten Autofahrer abrupt stehen bleiben oder würden andere gefährden, wird in diesem Ausnahmefall ein kurzes Weiterrollen auf dem Standstreifen zum Einordnen als sicherer angesehen.“

Darf man im Stau aussteigen?

Bei Staus verlassen manche Menschen ihr Fahrzeug, um sich die Beine zu vertreten oder einen Blick nach vorne zu werfen. „Das ist grundsätzlich nicht erlaubt. Auf Autobahnen dürfen Fahrzeuge nur in echten Notfällen verlassen werden“, betont Melanie Leier. „Wer unnötig auf der Fahrbahn herumläuft oder sich zwischen den Fahrzeugen bewegt, riskiert nicht nur ein Bußgeld, sondern bringt sich auch selbst in erhebliche Gefahr, da die Rettungsgasse von Einsatzkräften genutzt wird.“ In wenigen Ausnahmefällen, etwa bei stundenlangem Stillstand, kann jedoch ein kurzes Aussteigen von der Polizei toleriert werden.

Ist Rechtsüberholen ausnahmslos verboten?

Grundsätzlich gilt auf deutschen Autobahnen das Linksüberholgebot. Es gibt jedoch zwei Ausnahmen, bei denen rechts überholt werden kann: bei dichtem Verkehr oder Stau. „Bewegen sich die Fahrzeuge auf der linken Spur nur langsam, dürfen Autofahrer rechts mit mäßiger Geschwindigkeitsdifferenz vorbeifahren. Bei stockendem Verkehr bis etwa 60 km/h darf rechts höchstens rund 20 km/h schneller gefahren werden“, erklärt Melanie Leier. Sie betont: „Das gilt jedoch nicht als Freibrief für riskante Fahrmanöver: Wer andere Verkehrsteilnehmer bedrängt oder ohne ausreichenden Sicherheitsabstand rechts vorbeizieht, muss weiterhin mit Bußgeldern oder Punkten rechnen. Auch gefährliches Rechtsüberholen bei hoher Geschwindigkeit bleibt verboten und kann Sanktionen nach sich ziehen.“

Wann ist es erlaubt, auf dem Standstreifen zu fahren?

Vielen Fahrern dürfte bekannt sein: Wer den Standstreifen nutzt, um schneller voranzukommen oder einen Stau zu umfahren, begeht einen Verkehrsverstoß und riskiert ein Bußgeld sowie Punkte in Flensburg. „Besonders im Stau muss der Standstreifen frei bleiben, damit Rettungsdienste schnell zum Einsatzort gelangen können“, betont Melanie Leier. Doch gibt es Ausnahmen? Erlaubt ist das Befahren des Standstreifens nur in besonderen Fällen, wie etwa bei einer Panne, einem medizinischen Notfall oder wenn der Verkehr durch entsprechende Verkehrszeichen ausdrücklich auf den Seitenstreifen geleitet wird“, so die Verkehrsrechtsexpertin. Was nicht als Ausnahmesituation gilt, aber dennoch von vielen Autofahrern gemacht wird: An Autobahnkreuzungen, wo sich meist der Verkehr an Ausfahrten staut, wird der Standstreifen als verlängerte Abfahrt genutzt. Melanie Leier sagt: „Auch in diesem Fall darf der Standstreifen nicht befahren werden. Autofahrer müssen in Kauf nehmen, dass sich der Rückstau teilweise auf die rechte Fahrspur der Autobahn auswirkt.“

Foto: Mark Lämmchen_Autobahn (2) / Geblitzt.de