Kissen und Kuscheltiere aus der Biomalzfabrik

Unter der Leitung von Josefine Degraa näht eine Gruppe von zehn Männern und Frauen mit psychischen Erkrankungen in der Biomalzfabrik liebevoll gefertigte, personalisierte Einzelstücke. Durch die Union Sozialer Einrichtungen (USE) gGmbH bekommen Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit, wieder am Berufsleben teilzunehmen – ohne Leistungsdruck, aber mit viel Kreativität.

Dass Degraas Projekt und Label „Josefines Kinder“ heute soziale ­Arbeit und Schneiderhandwerk vereint, ist einigen Zufällen zu verdanken. Vor acht Jahren nähte und designte die an der Deutschen Oper ausgebildete Maßschneiderin noch für ihren eigenen Onlineshop. Ihre 3D-Schultüten, ­Kissen oder Kuscheltiere fanden reißenden Absatz. Bis Josefine Degraa eine Psychologin der USE kennenlernte. Diese Begegnung sollte ihr Leben verändern. 2012 hängte Josefine Degraa ihre Selbstständigkeit an den Nagel, brachte ihre Entwürfe, ihre Kreativität und ihr Know-how in das Sozialunternehmen ein. Die ehemalige Schneiderei der USE in Teltow wurde geschlossen, die Kreative Textilwerkstatt eröffnet. „Natürlich war es eine Umstellung, von der Selbstständigkeit in den sozialen Bereich zu wechseln“, erzählt Degraa. „Die Arbeitsabläufe sind ganz anders. Die Arbeitsschritte dauern länger und müssen so aufgeteilt werden, dass sie fordern ohne zu überfordern. Dennoch muss jedes Produkt den Kundenansprüchen gerecht werden und perfekt aussehen.“

Mit ihrer Arbeit hat Josefine Degraa eine Win-win-Situation für alle Beteiligten geschaffen. Dank ihrer Initiative und der Hilfe von Teltows Bürgermeister Thomas Schmidt wurden Kontakte in der Partnerstadt Gonfreville-lOrcher geknüpft. Seitdem tauschen einmal im Jahr einige Beschäftigte der Werkstatt für behinderte Menschen „ESAT de L’Estuaire“ und der USE für eine Woche ihre Arbeitsplätze. Eine völlig neue Erfahrung, die motiviert und den Menschen mit Behinderung oftmals den ersten Auslandsaufenthalt ihres Lebens ermöglicht.

Josphine Degraa_Teltow_Biomalzfabrik

In den hellen Räumen der ­Biomalzfabrik herrscht ein lockeres Arbeitsklima. Mittags wird zusammen gegessen, die vielen Bestellungen werden gemeinsam ­abgearbeitet und bis in die USA und nach Kanada verschickt. „Ich bekomme hier so viel zurück, dass mein Einsatz jeden Tag aufs Neue belohnt wird“, so ­Degraa. Die Kunden wiederum bekommen schöne handgefertigte Einzelstücke, die ihren Alltag bunter machen und ihnen eine Erinnerung fürs Leben schenken. Bestellt werden können die Produkte unter www.josefines-kinder.de.

Text: TSB/ Foto: Josephine Degraa 2019