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Max Hoene – Der Bildhauer und die zerstörte Denk-Säule auf dem Seeberg in Kleinmachnow

Auf dem Seeberg in Kleinmachnow blieb die Denk-Säule des Bildhauers Max Hoene unvollendet. Nur einige moosüberwachsene Fragmente erinnern heute noch an das Kunstwerk, das 1939 von Reichspostminister Wilhelm ­Ohnesorge in Auftrag gegeben wurde.

Erinnerungskultur ist das Anliegen all derer, die mit ihrer Heimatgeschichte verbunden sind. Dabei stellt die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland eine besondere Periode dar, die mit vielen Vorbehalten betrachtet wird. Auch 80 Jahre nach Ende dieser Zeit schaut man kritisch-distanziert auch auf seine Kunstwerke und Künstler. Dabei sollte man bedenken, dass nicht alle Kulturschaffenden dieser Periode emigrieren konnten. Sie mussten aber nach Kriegsende den kritischen Blick auf ihr Werk aushalten. Bildende Künstler wie Otto Nagel und Otto Maerker, der in Kleinmachnow lebte, hatten es schwer, in ihrem Beruf diese Zeit zu überstehen. Zu diesen Künstlern zählen auch Max Hoene und Carl Crodel, deren Werke mit der Reichspostforschungsanstalt (RFA), auf dem heutigen Gelände der Berlin Brandenburg International School (BBIS) verbunden sind. Hier soll ein Einblick in das Schaffen von Max Hoene gegeben werden, der durch Oberbaurat Walther Schmidt für die RFA auf dem Seeberg den Auftrag für eine Säule als Kunst am Bau erhalten hatte. Im Archiv in Nürnberg (Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg bewahrt seit 1973 den Nachlass von Max Hoene auf) befindet sich eine Skizze einer eckigen Säule als Idee „Steine der Technik“ von W. Schmidt, aus der heraus Max Hoene seine „Denk-Säule“ entwickelt hat.

Max Hoene (geb. 1884 in Rudolstadt / Thüringen – gestorben 1965 in München) / Foto: Germanische Nationalmuseum

Walther Schmidt und Max Hoene kannten sich seit ihrer gemeinsamen Tätigkeit im Deutschen Werkbund aus den 20er Jahren. In der Nazi-Zeit, als der Deutsche Werkbund verboten bzw. zur Reichskunstkammer „arisiert“ war, brauchten die Künstler Aufträge, um ein Auskommen zu haben. Als Architekt war Walther Schmidt zum Oberbaurat der Reichspost aufgestiegen, die eigenständig Postgebäude im ganzen Reich plante und realisierte. Aber der „Bauminister“ Albert Speer nahm dennoch Einfluss auf die Gestaltung der Reichspostforschungsanstalt und verbot den Bau des Hochhauses auf dem Seeberg, wie es auf dem Modellfoto mit der Säule noch zu sehen ist.

Als Material war ursprünglich ein Hartgestein wie Granit oder Diabas vorgesehen. Der Auftraggeber beauftragte aber dann die Fa. Philipp Holzmann, die aus dem Steinbruch der Fa. Schilling bei Kirchheim Kalksteinblöcke brechen ließ, die per Bahn von Würzburg nach Berlin gebracht wurden, wobei die Kubatur und der Zuschnitt der Steinblöcke vor Ort erfolgten.

Max Hoene hat Entwürfe gezeichnet. Vertraglich wurde festgelegt, dass ein Modell der Säule im Maßstab 1:300 anzufertigen sei. Als zweiter Schritt sollte ein Modell im Maßstab 1:10 und zum Schluss ein Ausführungsmodell 1:3 angefertigt werden. Foto: Axel Mueller

Bis Ende 1940 sind gemäß der Modelle die ersten drei Steinschichten als Entwurf ausgearbeitet und können nach ­Kleinmachnow transportiert werden. Auf der Säule aus 38 Kalksteinblöcken werden auf einer Fläche von 132 m² 46 überlebensgroße Figuren, darunter acht in doppelter Lebensgröße eingearbeitet. Die Reliefs sollen eine Tiefe von 20 cm erreichen. Die Feinarbeiten sollen erst nach Errichtung vor Ort durch den Künstler erfolgen. Diese Arbeiten, für die ein Honorar von 36 000 RM vereinbart wurde, sind unfertig geblieben und wurden auch nicht vergütet. Aber die Inschrift im Sockel ist als Entwurf fertiggestellt und stellt ein Zitat aus der Tragödie „Antigone“ von Sophokles dar. Es lautet: Vieles Gewaltige lebt, Aber nichts ist gewaltiger als der Mensch. Die sittliche Kraft setzt den Menschen über alles Erschaffene, Der denkende Geist die schaffende Hand.

Foto des Modells der Reichspostforschungsanstalt in Kleinmachnow, deren
sechs Hauptgebäude heute von der Berlin Brandenburg International School genutzt werden. Die zehn Meter hohe Denk-Säule vor dem Hochhaus, das nicht gebaut wurde, ist als heller Stift sichtbar.
Foto: Tauscher 2013

Die Symbolik der Darstellung, wie sie aus den Skizzen ersichtlich war, erstreckt sich von den Argonauten, die das goldene Vlies aus der Kolchis holen, bis zu Ikarus, dessen Flügel auf seiner Flucht aus Kreta über das Meer unter der Hitze der Sonne zerschmelzen und ihn zum Absturz bringen und weitere allegorische Darstellungen, deren Deutung noch aussteht, da die Zeichnungen eher als Skizzen zu werten sind, deren genauer Inhalt noch von Kunsthistorikern zu bewerten wäre.

Abgelegte Kalksteinblöcke auf dem Gelände der Waldorfschule. Foto: Tauscher 2013

Auf dem Seeberg werden jedenfalls bis 1944 im Rahmen der Baumaßnahme vier Schichten der Kalksteinblöcke mit den von den Handwerkern eingemeißelten Konturen aufgerichtet. In einem Brief von Februar 1945 wird über den Stand der Arbeiten berichtet und die Lieferung von 95 cbm Kalkstein erwähnt. Als nach dem 24. April 1945 mit Eintreffen sowjetischer Panzer die Säule zur Seite geschoben wird, hat sich der Künstler nach München zurückgezogen und erlebt dort das Ende des Krieges und bleibt für immer von seinem aufwendigen Projekt abgeschnitten. Mit der Übertragung des Geländes durch die sowjetische Besatzungsmacht an die SED und die Errichtung der SED-Parteischule 1948 ist das Schicksal dieses Kunstwerkes der Vergessenheit ausgesetzt. Max Hoene klagt 1949 sein ausgebliebenes Honorar bei der Bundesregierung ein und versucht, das angefertigte Modell an die Bundesrepublik zu verkaufen, was aber misslingt. Die Geschichte geht aber weiter, ohne dass Max Hoene entschädigt wird. Max Hoene setzt nach dem Krieg seine Tätigkeit als Bildhauer im Sinne des Deutschen Werkbundes fort und wird 1950 zum 2. Vorsitzenden des neubegründeten Bayrischen Werkbundes gewählt. Die Regelung seines Antrages auf einen finanziellen Ausgleich findet nicht statt, da es keine Reichspostforschungsanstalt mehr gibt. Ein Künstler scheitert an dieser Stelle. Aber aus dem Archiv geht hervor, dass Max Hoene mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde.

Text und Bilder: Axel Mueller