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Günter Käbelmann – Zum 90. Geburtstag des Ortschronisten von Kleinmachnow

Für den Heimat- und Kulturverein Kleinmachnow e. V. (HKV) war Günter Käbelmann eine Institution, die sich nicht leicht in Worte fassen lässt. Wenige Jahre nach Gründung des Heimatvereins e. V. wurde er Mitglied und prägte den Verein durch seine unermüdlichen Recherchen und Dokumentationen, für die er eigene Texte und Fotos beisteuerte.

Und dabei konnte er auch noch jede Feier am Klavier begleiten – und er tat es sichtlich gern. Günter Käbelmann wurde in Kleinmachnow 1936 in seinem Elternhaus in Kleine Eichen geboren. Nach der Lehre und seinen ersten Berufsjahren im Geräte- und Regler-Werk in Teltow wechselte er zu „Max Reimann“, einem Betrieb der Autobusse instand setzte. Aber bald schon fand er als lukrative Tätigkeit über die Gesellschaft für Sport und Technik zur Fahrschule und übte mehr als 30 Jahre die Tätigkeit eines Fahrschullehrers aus. Mit Geduld und Einfühlungsvermögen brachte er mindestens zwei Generationen von Kleinmachnowern das Autofahren bei. Er kannte sie alle und war leutselig und jederzeit hilfsbereit. Nach seiner Heirat mit Hannelore zog er erst in die Ernst-Thälmann-Straße, später als die Familie größer wurde, in die Rudolf-Breitscheid-Straße 37, wo seine vier Kinder aufwuchsen.

Die Eigentümerin bot ihm zu DDR-Zeiten den Kauf des Hauses an, aber sein Einkommen reichte nicht aus. Die Kinder gingen aus dem Haus und die Wende kam. Das Haus wurde verkauft und das Ehepaar Käbelmann musste auf Drängen der neuen Eigentümerin ausziehen. Mehr als zwei Jahre wohnte er in Lichterfelde bis sich die Gelegenheit ergab, zu seiner Tochter nach Wittbrietzen zu ziehen, die sich entschieden hatte, ein Eigenheim zu bauen. Dort lebte er nun mit seiner Hannelore zwei Jahrzehnte und verlor seine Interessen und seine Chronistentätigkeit nie aus den Augen. Bereits in der Kindheit hat der spätere Archivar und Chronist mit dem Sammeln begonnen. Zuerst waren es Kriegsberichte, die seine besorgte Mutter sehr zu seinem Leidwesen vor dem Einrücken der Roten Armee verbrannte. Jahrzehnte später erinnerte er sich an die Erzählung seines Großvaters, der in der Nacht des 2. Dezember 1943 zu einem Einsatz alarmiert worden war, um ein abgestürztes Flugzeug auf dem Gelände der Hakeburg zu löschen. Damals wurden acht verkohlte Leichen aus der Lancaster am Machnower See geborgen, die in Dallgow-Döberitz ihre letzte Ruhe fanden. Günter kann an diese Erinnerung anknüpfen, als er bei einem Besuch bei der Familie Behrend in der Allee am Forsthaus eine Schuppenabdeckung findet, die sich als Teil einer Lancaster-Tragfläche erweist, was sich durch Nachforschungen im Archiv der britischen Airforce bestätigt. Günter Käbelmann ist es also, der entdeckt, dass der vermisste norwegische Dichter, Journalist und Antifaschist Nordahl Grieg, der als Kriegsberichterstatter in dieser Maschine mitflog, über Kleinmachnow zu Tode gekommen ist.

Durch seine Initiative wird das Flugzeugteil als Denkmal in der norwegischen Botschaft aufgehängt und an der Absturzstelle wird von der norwegischen Botschaft ein Gedenkstein errichtet, auf dem die Namen aller Opfer vermerkt sind. Aber dieser Fall war nur eine Episode aus der Vielzahl, die Günter über Kriegsopfer von Kleinmachnow recherchiert hat. In akribischer Weise hat er mehr als 1000 Personen identifiziert, die als Kleinmachnower Bürger oder auch als Auswärtige in Kleinmachnow im 2. Weltkrieg den Tod fanden. Daraus entstand zusammen mit dem Heimatverein eine fundierte Dokumentation. Aber nicht nur die Aufarbeitung dieser Seite der Vergangenheit beschäftigte G. Käbelmann. Er forschte über die jüdischen Mitbürger und deren Schicksal im „Dritten Reich“, forschte auch über die illegitimen Kinder der Nachkriegszeit, die ungewollt gezeugt worden waren und berührte da ein spannungsreiches Thema.

Als er nach Wittbrietzen umziehen musste, fand er dort auch ein reges Betätigungsfeld mit Themen der jüngeren deutschen Geschichte. Im Kontakt mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräber-Fürsorge forschte er über die Kriegshandlungen in der Region um Halbe und Treuenbrietzen während der letzten Kriegstage und ihre Opfer. Er sorgte dafür, dass für diese Kriegstoten in Elsholz Erinnerungstafeln aufgestellt wurden. In Kleinmachnow gelang ihm dies trotz Unterstützung durch den Heimatverein nicht, da die Gemeindevertretung diese in Stein gehauene Form der Erinnerung ablehnte. In akribischer Weise hat Günter die Geschichte von Kleinmachnow der letzten 100 Jahre dokumentiert und historische Ereignisse der ganzen Welt in seine Kurzchronik einfließen lassen.

Für seine Verdienste durfte sich Günter Käbelmann  2010 ins Goldene Buch in Kleinmachnow eintragen. Der Chronistenverband Potsdam-Mittelmark, deren Mitglied er war, zeichnete ihn 2020 aus und verabschiedete ihn, da er fühlte, dass seine Kraft nicht mehr lange reichen würde. Wir gedenken heute seiner als einen freundlichen Menschen und geschätzten Freund. Wir sind ihm dankbar und werden ihn in guter Erinnerung behalten anlässlich seines 90. Geburtstages.

Text und Foto: Axel Mueller

Foto: Plan zum Denkmal „Ort der Erinnerung“ mit der Denkmalbehörde, Thomas Kersting, Günter Käbelmann, Ortschronist und Dr. Rudolf Mach, Vorsitzender des Heimatvereins Kleinmachnow, im April 2003