DEFA-Spuren auf dem Südwestkirchhof
Am 13. Februar fand auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof ein interessantes Projekt statt: Sechs hochmotivierte Schülerinnen und Schüler der Film-AG des Mediencampus Babelsberg und ihr Lehrer setzten den auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf bestatteten DEFA-Legenden mit einer Dokumentation ein lebendiges Denkmal. Ein Gastbeitrag von Petra Geis mit Fotos von Manfred Thomas.
Der Südwestkirchhof Stahnsdorf ist als zu begehende Sehenswürdigkeit ein echter Geheimtipp. Er ist der zweitgrößte Friedhof von ganz Deutschland und damit ein Ausflugsziel von internationaler Bedeutung, vergleichbar mit dem berühmten Friedhof Père Lachaise in Paris. Er ist nicht nur ein Ort der Ruhe, sondern ein bedeutendes Archiv der Filmgeschichte. Viele Persönlichkeiten, die das Gesicht der DEFA geprägt haben, fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Ziel dieses Projekts ist es, die Geschichten hinter den Grabsteinen zu erzählen und das kulturelle Erbe dieser Künstler für kommende Generationen zu bewahren.

Foto: Manfred Thomas
Ich bin Mitglied im Förderverein des Südwestkirchhofes in Stahnsdorf und im Förderverein des Filmmuseums Potsdam – was liegt näher als beides zu verbinden. Also ging die erste Frage an Olaf Ihlefeldt, dem Chef des Südwestkirchhofes: Was hältst du von meiner Idee? Olaf war sofort begeistert. So ging meine zweite Frage an Uwe Fleischer – der nach seiner Tätigkeit als Koordinator Film am Babelsberger Filmgymnasium noch heute mit den Schülern und Schülerinnen Projekte umsetzt. Er findet die Idee toll. Er holt Stefanie Eckert, Vorstand der DEFA-Stiftung, für das Projekt in’s Boot. Die DEFA-Stiftung hat ihre Mitarbeit zugesagt. Der Förderverein des Filmmuseums Potsdam finanziert das Projekt.

Schneller als gedacht geht es mit dem Dreh los – das FILMPROJEKT
„DEFA-Spuren auf dem Südwestkirchhof“ startet bei eisiger Kälte am 13. Februar. Berlinale-Zeit – die Stars frieren am roten Teppich – wir frieren zwischen den Gräbern. Sechs hochmotivierte Schüler und Schülerrinnen von der Film-AG des Mediencampus Babelsberg und ihr Lehrer beginnen mit dem Aufbau des Film-Sets – spektakulär die Idee mit einer Drohne den Eingangsbereich einzufangen.

Aufgeregt und hoch professionell geht es von Grab zu Grab – die Visionäre, die Leinwandhelden und die kreativen Köpfe der DEFA, die mit ihrem Schaffen Generationen geprägt haben, werden besucht. Die von Uwe Fleischer vorbereiteten Texte werden von Olaf Ihlefedt mit viel Leidenschaft vorgetragen. Witzige Anekdoten, spannende Geschichten und traurige Schicksale, alles ist vertreten.
Einer der wichtigsten Protagonisten der DEFA war Professor Dr. Albert Wilkening. Wilkening war Hauptdirektor der DEFA–Studio für Spielfilme in Babelsberg. Nun geht es vorbei an der Gruft von Friedrich Wilhelm Murnau, obwohl er lange vor der DEFA-Gründung starb, ist das Filmgeschäft ohne ihn kaum denkbar. Weiter geht es zu den Schauspielern Hannjo Hasse, Alfred Struwe, Jürgen Holtz, Joachim Gottschalk und seine jüdische Frau Meta Wolff. Ihre tragische Geschichte, die mit dem Freitod endete, wurde im DEFA-FILM „Ehe im Schatten“ (Regie Kurt Maetzig) 1947 umgesetzt.

Wir erzählen die Geschichte von Schauspieler Rolf Ripperger und seiner Frau Annemarie Siemank-Ripperger, auch eine Schauspielerin. Absoluter Publikumsmagnet ist natürlich Manfred Krug. Wer ihn sucht, kann Ausschau halten nach kleinen Matchbox-LKW`s, nach kleinen Stein-Straßen der „Spur der Steine“ oder nach in den Büschen hängenden Krügen. Augen auf, dann findet man sein Grab unter Bäumen.
Aber nicht nur die Schauspieler, nein auch die Kameraleute z.B. Martin Schlesinger „Coming Out“ und natürlich Peter Ziesche mit „Einer trage des anderen Last“ … sind unser Ziel, auch das Grab vom Kostümbildner Günther Schmidt-Heidemann, über seine Kostüme für „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ konnte man nur staunen. Wir gedenken auch Drehbuchautoren, Dramaturgen, Filmkomponisten und Dokumentarfilmern.

So irre viele spannende Geschichten gibt es:
Elisabeth Baronin von Ardenne (1853–1952): Das reale Vorbild für Fontanes Effi Briest – ein Stoff, der von der DEFA ikonisch verfilmt wurde.
Heinrich Zille, seine Milieustudien waren Vorlage für zahlreiche DEFA-Produktionen.
Prof. Dr. Dieter Wiedemann, deutscher Medienwissenschaftler und Medienpädagoge. Er lehrte ab 1995 als Professor für AV-Medienwissenschaft an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg und war in dieser Zeit auch Rektor bzw. von 2000 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 2012 Präsident der Hochschule.

Die kleine Aufzählung soll Lust auf unseren kleinen Film machen und auf einen Besuch auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf.
Führungen finden jeden 1. Samstag im Monat um 11 und um 14 Uhr statt. Alle Termine, wie die Sonder-Führung „DEFA-Spuren auf dem Südwestkirchhof“ finden Sie auf der Website: https://www.suedwestkirchhof.de/
Im Frühjahr startet die Saison des „Info-Haus“, dort kann man sich Audioguides ausleihen.
Kommt zum Südwestkirchhof – mit der berühmten norwegische Holzkapelle – bekannt nicht nur aus der Serie „Dark“!

„DEFA-Spuren auf dem Südwestkirchhof“ – wir holen die Biografien hinter den Grabsteinen zurück ins Licht der Öffentlichkeit. So sorgen wir dafür, dass diese bedeutenden Kapitel unserer Kulturlandschaft nicht in Vergessenheit geraten, sondern für kommende Generationen bewahrt bleiben.
Zum Schluss fliegt die Drohne ein letztes Mal ihre Runde und wir gehen, alle völlig durchgefroren in’s Warme – erstmal was essen – danke dafür dem Förderverein des Südwestkirchhofes. Der Förderverein des Südwestkirchhofes Stahnsdorf, der Förderverein des Filmmuseums Potsdam, die DEFA-Stiftung und die Film-AG des Mediencampus Babelsberg stemmen gemeinsam dieses schöne Projekt – DANKE!

Besonders beliebt das Grab von Manfred Krug und seiner Frau Othilie hier sind seine Fans besonders kreativ , eine Steinspur wird zur Grabstelle gelegt in Erinnerung an den DEFA-Film „Spur der Steine“ oder Krüge.
weitere DEFA-Filme „Fünf Patronenhülsen“, “ Hauptmann Florian von der Mühle“
Foto: Manfred Thomas
Text: Petra Geis
Fotos: Mannfred Thomas
