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Teltow ohne Grenzen – Verein fördert Völkerfreundschaft, Kulturaustausch und europäischen Zusammenhalt

Die Stadt Teltow unterhält freundschaftliche Beziehungen zu fünf Partnerstädten: Gonfreville-l‘Orcher in ­Frankreich, Ahlen in Nordrhein-Westfalen, Zagan in Polen, Rudong in China und seit 2023 auch zu Khothyn in der Ukraine. Anlässlich des „Tags der offenen Höfe“ am 30. August, an dem zahlreiche Eigentümerinnen und Eigentümer in der Altstadt ihre Höfe öffneten und die Gäste staunen liesen, reisten ungefähr 30 Gäste aus den europäischen Partnerstädten an, darunter offizielle Vertreter, die von der Stadt Teltow eingeladen wurden – und dann natürlich die Vereinsmitglieder. Viele kamen individuell oder mit Fahrgemeinschaften, die Ahlener geschlossen mit einem Reisebus.

Am 01. März 2002 wurde der Verein „Teltow ohne Grenzen“, dessen Ziel es ist, junge Menschen für die Städte- partnerschaft zu begeistern und durch persönliche Kontakte den europäischen Zusammenhalt zu stärken gegründet. Deshalb, so ist auf der Website des Vereins zu lesen, seien Städtepartnerschaften ein geeignetes Instrument, um sich für eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit zu engagieren. Seit dem 01. Juli 2026 ist Thomas Schmidt Vorsitzender, nachdem er nach 24 Jahren sein Bürgermeisteramt in Teltow aufgab und sich nun im Ruhestand anderweitig engagiert, zum Beispiel im Verein „Teltow ohne Grenzen“. Mittlerweile hat der Verein etwa 50 Mitglieder.

Erste Städtefreundschaft schon in den Sechzigerjahren
Ersten Kontakte zwischen Teltow und Gonfreville-l’Orcher gab es schon 1964, zunächst nur schriftlich zwischen beiden Bürgermeistern, dann auf gewerkschaftlicher Ebene. 1966 wurde zwischen beiden Städten ein Freundschaftsvertrag geschlossen und Kinder- und Sportlergruppen kamen regelmäßig zu Besuch. Allerdings handelte es sich im strengeren Sinne noch nicht um eine Städtepartnerschaft, denn „das gab es in der DDR nicht, es handelte sich eher um eine Städtefreundschaft“, betont Thomas Schmidt. So wandte sich am 15. August 1964 der Teltower Bürgermeister Alfred Pape in einem ersten offiziellen Brief an Jacques Eberhard, Bürgermeister von Gonfreville-l‘Orcher, mit dem Wunsch, „schriftliche Verbindung miteinander zu pflegen oder aber auch sofort persönliche Kontakte aufzunehmen“. Zwischen beiden Städten wurde dann 1966 ein Freundschaftsvertrag geschlossen.

Es folgten langjährige Beziehungen: vor allem Kinder- und Sportlergruppen sowie Gewerkschaftler waren regelmäßig in Teltow zu Besuch. Einige Teltower Stadtrepräsentanten durften auch nach
Gonfreville-l‘Orcher reisen.

Freunde treffen Freunde – die Partnerschaft zwischen
Gonfreville-l’Orcher und Teltow wird 60 Jahre alt.

Mit der Wende schliefen diese Kontakte erst einmal ein. Es bedurfte dann mehrerer Jahre und wiederholter Bemühungen der französischen Seite, bis eine kleine Teltower Delegation im März 1997 den Weg in die Normandie fand. Kurz darauf wurde das „Komitee für deutsch-französische Partnerschaft in Teltow“ gegründet. Es organisierte in Zusammenarbeit mit dem „Comité de jumelage“ aus Gonfreville-l’Orcher immer mehr Treffen sowie zahlreiche kulturelle Ereignisse. Im Herbst 1999 wurde schließlich der Partnerschaftsvertrag zwischen den Gemeinden Gonfreville-l’Orcher und Teltow von den Bürgermeistern Siegfried Kluge und Jean-Paul Lecoq unterschrieben.

Gegenseitige Besuche und viel Austausch
Die Partnerschaft zwischen Ahlen und Teltow entstand 1991 vor dem Hintergrund des „Abkommens über umfassende Zusammenarbeit“ zwischen den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. „Wir sind von Ahlen angesprochen worden und konnten diese Kooperation dann schnell mit Leben erfüllen“, erzählt der Vorsitzende. Allerdings bestand diese Beziehung zehn Jahre hauptsächlich aus Treffen auf Ebene der Stadtverwaltung sowie aus wenigen Kontakten zwischen einzelnen Künstlern. Erst ab 2004 fanden mehr Bürger der beiden Gemeinden zueinander, nicht zuletzt dank der Mitwirkung von „Teltow ohne Grenzen“. 2005 bildete sich auch in Ahlen ein Partnerschaftsverein. „Das ist ja das, was unsere Städtepartnerschaften so lebendig macht, dass wir uns austauschen“, erläutert der Vorsitzende. „Unsere Partnerschaften existieren nicht nur auf dem Papier, sondern da stehen Personen hinter, die das Thema leben.“

Die Städtepartnerschaft zwischen Teltow und dem polnischen Zagan wurde im Mai 2006 besiegelt.

Aufbauhilfe verbindet
Ahlen hat neben dem Partnerschaftsverein auch noch einen Hilfeverein für die Stadt Khotyn in der Ukraine. Gemeinsam mit diesem hat der Teltower Verein in den letzten Kriegsjahren immer mal wieder Hilfslieferungen dorthin organisiert. „Wir versuchen, so viel wie möglich zu helfen. Aktuell rufen wir gemeinsam mit Ahlen zu Spenden auf, um einen weiteren Schulbus zu finanzieren, damit die Kinder dort sicher in ihre Schulen kommen. Zwei Busse konnten wir schon kaufen“, erzählt Schmidt.

Es war kein Zufall, dass 2023 Khotyn als Partnerstadt hinzukam. Sie entstand auf einer deutsch-ukrainischen Konferenz, die einmal jährlich stattfindet und an der Thomas Schmidt, damals noch als Teltows Bürgermeister, teilnahm: „Wir wurden angesprochen, denn mit Beginn des Krieges suchten viele ukrainische Gemeinden deutsche Partnerstädte.“ Teltow ist die einzige deutsche Städtepartnerschaft und zeichnet sich durch einen trilateralen Vertrag aus: Das gemeinsame Abkommen zwischen Khotyn, Teltow und Zagan in Polen wurde am 23. Januar 2023 im Zaganer Stadtschloss zwischen den drei Bürgermeistern unterzeichnet. Khotyn liegt zirka 80 Kilometer von der Grenze zur Republik Moldau und Rumänien entfernt im Südwesten der Ukraine direkt am Fluss Dnister, einem 1.352 km langen Zufluss des Schwarzen Meeres. Die Stadt liegt nicht direkt im Kriegsgebiet, wird aber trotzdem mit Dronen beschossen. Zurzeit sei nicht geplant, dort hinzufahren, so Schmidt, das sei zu leichtsinnig. Aber umgekehrt werden Freunde aus Khotyn zum „Tag der offenen Höfe“ erwartet.

Initiator und Planer des Teltow-Kanals kam aus Zagan
„Wir haben bewusst nach einer polnischen Partnerstadt gesucht. Die Wahl fiel dann auf Zagan, weil es der Geburtsort von Ernst von Stubenrauch ist. Das ist unsere gemeinsame Wurzel. Darauf konnte man aufbauen und es passte auch menschlich“, erzählt Schmidt. So reiste am 05. Mai 2006 eine 13-köpfige Delegation unter seiner Leitung dorthin, um den Vertrag zu unterschreiben. Inzwischen ist die 204 Kilometer lange Strecke vielen Teltowern bekannt und die Kontakte wachsen sowohl auf privater Ebene als auch zwischen Vereinen, Firmen, Verwaltungen. Einmal im Jahr organisieren die Vereine gegenseitige Besuche. Die polnische Stadt Zagan (Sagan) liegt nur etwa 200 Kilometer entfernt von Teltow am Fluss Bober im südwestlichen Teil der Wojewodschaft Lubuskie (Lebus), eingebettet in die Wälder der niederschlesischen Tiefebene. Hier leben zirka 28.000 Einwohner.

Erste Partnerschaftjenseits von Europa
Im Februar 2018 entschied sich die Stadt Teltow, eine erste nicht-europäische Partnerschaft zu beschließen. Bürgermeister Thomas Schmidt flog mit allen Fraktionsvorsitzenden nach China, um dort die Urkunde zu unterzeichnen, die die Zusammenarbeit mit der ostchinesischen Region Rudong besiegelte. „Wir waren eine richtig große Reisegruppe, es war herrlich“, erinnert sich Schmidt. „Das wurde sogar vom Bund finanziert, denn damals galt China noch als Entwicklungsland, was man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann.“ Rudong heißt der Kreis, der zur Großgemeinde Nantong gehört. Rudong liegt am ostchinesischen Meer, etwa 180 Kilometer nördlich von Shanghai und zählt 1,1 Millionen Einwohner.

Jubiläumsjahr 2026: Große Ausstellungseröffnung am 03. Oktober im Bürgerhaus
2026 ist für die Partnerschaftsbeziehungen von Teltow ein besonderes Jahr, denn mit drei Städten gibt es Jubiläen zu feiern. Es ist 60 Jahre her, dass der Freundschaftsvertrag mit Gonfreville-l’Orcher unterzeichnet wurde; die Beziehungen zur Partnerstadt Ahlen in Westfalen wurden vor 35 Jahren formalisiert und die Partnerschaft mit Zagan besteht in diesem Jahr 20 Jahre. Aus diesem Anlass ist im Herbst eine Jubiläumsausstellung geplant, an der sich alle Partnerstädte beteiligen. Die Vernissage soll am 03. Oktober im Bürgerhaus stattfinden und mit einem Festakt verbunden sein.

„Es gibt eine schöne Tradition, dass die Partnerstädte abwechselnd rund um den 03. Oktober im Wechsel eine Ausstellung platzieren. In diesem Jahr anlässlich der Jubiläen haben wir alle Partnerstädte
gebeten, uns Exponate zur Verfügung zu stellen, sodass wir eine Art Sammelausstellung zeigen können. Das ist auch ein Baustein, der eine Partnerstadt lebendig macht“, freut sich der Vorsitzende. Ob Schüleraustausch oder Ausstellung oder gegenseitige Besuche, das Vereinsleben sei immer lebendig! Im Verlauf des Jahres sind weitere Aktivitäten und gegenseitige Besuche geplant.

Natürlich kosten all diese Aktivitäten Geld. Wie finanziert sich der Verein? Thomas Schmdt erklärt: „Unsere Einnahmen setzen sich aus drei Säulen zusammen: Mitgliedsbeiträge, kommunale Zuwendung, das heißt Förderung von der Stadt und eingeworbene Fremdmittel über Projektanträge. Wir möchten zum Beispiel nächstes Jahr versuchen, Jugendlichen aus der Ukraine Ferien in Deutschland oder Frankreich zu ermöglichen. Zur Finanzierung müssen wir dazu Mittel einwerben, beispielsweise beim Deutsch-Französischen oder Deutsch-Polnischen Jugendwerk. Da es uns am Herzen liegt, Menschen zusammenzubringen, müssen wir kreativ sein und schauen, wo wir Gelder herbekommen.“ So sei es ein besonderes Anliegen des Vereins, jüngere Menschen anzusprechen. Zum Beispiel soll es im nächsten Jahr wieder einen Austausch mit einer Schulklasse aus Gonfreville-l’Orcher geben.

In Teltow erinnern sowohl eine Gonfrevillestraße als auch ein Ahlener Platz, eine Saganer Straße und eine Rudongstraße an das wachsende Netzwerk der internationalen Beziehungen.ek

Fotos: Dirk Pagels