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Ehrenamt mit Herz und Verstand

Die Stahnsdorferin Marion Storm engagiert sich für die Interessen und Rechte von Senioren im Ort. Als Vorsitzende des Seniorenbeirats sieht sie sich als Bindeglied zwischen Senioren und Politik.

Vor über einem Jahr, im November 2021, fand im Rahmen der Brandenburgischen Seniorenwoche der erste „Runde Tisch“ des Seniorenbeirats in Stahnsdorf statt. Das Thema: „Älter ­werden in Stahnsdorf“. Themen wie Mobilität, altersgerechtes Wohnen oder auch Essen für Senioren standen dort im Fokus. Mittendrin: Marion Storm, die Vorsitzende des Seniorenbeirats in Stahnsdorf. Vor wenigen Wochen wurde sie vom Landkreis Potsdam-Mittelmark für ihr Engagement geehrt. Während der Corona-Lockdowns habe sie sich vorbildlich dafür eingesetzt, der Vereinsamung älterer Menschen entgegenzuwirken. Sie kaufte für Senioren ein, ging mit ihnen spazieren und half so, einsame Stunden zu verkürzen und das Leben lebenswerter zu machen. Die gelernte Drogistin nahm den Ehrenamtspreis des Landkreises aus den Händen von Landrat Mario Köhler entgegen.

Eine schöne Würdigung – doch für ­Marion Storm ist ihr Einsatz nicht auf die Corona-Pandemie beschränkt. Seit vielen Jahren leitet die 71-Jährige einen ­Literaturkreis, an dem regelmäßig zehn Personen teilnehmen. Die aus Lübeck stammende Storm wurde als junges Mädchen von ihrer Oma ans Lesen herangeführt, und seither hat sie die Leidenschaft für Literatur gepackt – eine Leidenschaft, die sie mit anderen 70- bis 85-jährigen Personen teilt und die sie sich selbst ­während der Zeit der Kontaktbeschränkungen nicht vermiesen ließ. Zusammen mit der Seniorenbegegnungsstätte verteilte sie Tablets an die betagten Frauen und Männer. die dann in der Handhabe von Videokonferenzen unterwiesen wurden. So konnte sich der Literaturkreis weiterhin „treffen“. Mit dem ebenfalls aus dem heutigen Schleswig-Holstein stammenden berühmten Autor der Novelle „Der Schimmelreiter“, Theodor Storm, ist sie dennoch nicht verwandt.

Die 1951 geborene Storm ist auch über Stahnsdorf hinaus vielen in der Region bekannt. Früher hatte sie einen Teeladen in der Zehlendorfer Straße in Teltow, wo sie jeden ersten Sonntag im Monat den „Teltower Salon“ veranstaltete, in dem es neben intensiv geführten Diskussionen auch immer etwas zu essen gab. Später führte sie das „Café im Garten“ in der Ruhlsdorfer Straße in Stahnsdorf – heute ist dort die Osteria Ballerino heimisch.

Die Gesprächsbereitschaft und das Interesse an anderen Personen kommen ihr auch in der Arbeit im ­Seniorenbeirat ­zugute. Denn ohne eine rege Zusammenarbeit mit der Kommune, dem Fachbereich Soziales und der Seniorenbegegnungsstätte kann der Beirat wenig bewirken. Die Voraussetzungen hierfür sind gut, denn das Gremium ist eng mit der Gemeinde verflochten.

die Belange der älteren Bevölkerung ein. Sie sieht den Beirat als „Bindeglied zwischen Senioren und Politik“ und fordert seine stärkere Einbindung. „Wir würden unsere Erfahrungen gerne mehr einbringen“, meint Storm gegenüber dem lokal.report: „Es gibt so viele Bereiche, in denen die Interessen von Senioren mehr berücksichtigt werden müssten.“ Als Beispiel nennt sie die S-Bahn-Erweiterung von Teltow nach Stahnsdorf. „Die S-Bahn wird den Ort verändern“, ist sie überzeugt, „daher müssen wir im Vorfeld überlegen, wie wir das auch im Sinne einer seniorenfreundlichen Gemeinde lenken wollen – da wollen wir gehört werden.“ Dazu gehöre beispielsweise, die Ortsteile Schenkenhorst und Sputendorf mit mehr Busverbindungen besser an die S-Bahn-Station anzubinden. Außerdem: „Wenn ein neues Wohnquartier entsteht, müssen seniorengerechte Wohnungen und Mehrgenerationenhäuser mitgedacht werden. Dazu entsteht Bedarf an erreichbaren Lebensmittelläden, Ärzten sowie sozialen und kulturellen Einrichtungen.

Im Laufe des Jahres organisiert der Seniorenbeirat immer wieder Veranstaltungen zu relevanten Themen, oft auch in Kooperation mit dem Fachbereich Soziales der Gemeinde Stahnsdorf. Bei einer Rollstuhlrallye im Mai konnten Interessierte am eigenen Leib erleben, wie schwierig bestimmte Situationen im Alltag von Gehbehinderten und Rollstuhlfahrern sind. Bordsteine, holprige Wege, enge Stellen – das alles sind Herausforderungen für Menschen, die nicht mehr agil sind. Mit einem Spezialanzug ließ sich außerdem erleben, wie sich alte Menschen körperlich fühlen. Eine Simulationsbrille veranschaulichte außerdem die eingeschränkte Sehfähigkeit, mit der viele alte Menschen umgehen müssen. Beim zweiten „Runden Tisch“ im Juni dieses Jahres wiederum stand das Thema Demenz im Mittelpunkt. Für Storm steht fest, dass die Versorgung von Menschen mit Demenz oder auch mit körperlichen Gebrechen eine gemeinschaftliche Aufgabe ist. Ziel müsse sein, den Übergang von „gesund“ zu „krank“ und den Erkrankungsprozess zu verlangsamen – dies könne nur mit einer starken Gemeinschaft gelingen, die für diese Themen sensibilisiert ist.

Wie wichtig ehrenamtliches Engagement in diesem Zusammenhang sein kann, beweisen Menschen wie Marion Storm oder auch Rosemarie Kaersten, die 2012 den Seniorenbeirat Stahnsdorf mitbegründet hat und in diesem Jahr mit der Ehrennadel der Gemeinde Stahnsdorf ausgezeichnet wurde. Wichtig für Storm ist daher auch das nächste Projekt, das bereits in Arbeit ist. Das Ziel: Einen Grundstein zu setzen für einen Ehrenamtspool, um beispielsweise pflegende Angehörige zu entlasten, die oftmals am Limit ihrer Leistungsfähigkeit angelangt sind.

Und Marion Storm, woher bezieht die 71-Jährige selbst ihre Energie, um sich weiterhin für die Rechte von Senioren einzusetzen? „Für mich ist es schön zu sehen, wenn andere Menschen Freude haben durch das, was ich tue“, erklärt sie ihre Motivationsquelle. Unterstützt wird sie bei ihren Tätigkeiten von ihrem Ehemann Helmut Steder-Storm. Denn auch für sie gilt: Gemeinsam ist eben besser als einsam. Rosa Ortega

Titelbild: Redaktion