Die Namen der Vergessenen

Flucht hat viele Ursachen und Gesichter, aber mitunter keine Namen. Das gilt vor allem für einen großen Teil derjenigen, die auf der Flucht nach oder in Europa ums Leben kamen. In den letzten 25 Jahren sind das mehr als 35.000 Menschen. Sie sind, namentlich bekannt wie unbekannt, Teil der Auflistung, die im Buch „Todesursache: Flucht – Eine unvollständige Liste“ veröffentlicht wurde.

Am Eröffnungswochenende der Interkulturellen Woche 2019 initiierte Martin Bindemann, Diakon der evangelischen Kirchengemeinde St. Andreas in Teltow, eine 24-stündige Lesung aus diesem Buch. Bürger aus der TKS-Region lasen aus Essays, Berichten vom Überleben und aus der mehr als 300 Seiten umfassenden Liste des Buches. Teil der Lesung waren auch verschiedene künstlerische Aktionen. Ob darstellendes Spiel, musikalische Einlagen wie die eines Chores aus Eritrea oder Kunstprojekte, der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt. Es sei nach wie vor wichtig, dass sich die Menschen mit der Thematik auseinandersetzen, betonte der Diakon. Denn in der politischen Diskussion werde allzu oft vergessen, dass hinter jeder abstrakten Zahl ein Mensch stehe. Einzelschicksale dürfen sich nicht in Statistiken auflösen und in Vergessenheit geraten.

Die Organisation der Lesung war ein Mammutprojekt, die 24-stündige Lesung selbst auch. Ein Aufwand, der Wirkung zeigte: Während der gesamten Zeit war die Kirche nicht ein einziges Mal leer, es waren immer Leser und Zuhörer anwesend, auch nachts. Damit hat das Team um Bindemann erreicht, was sie erreichen wollten: „Projekte wie dieses leben davon, dass sich Menschen beteiligen, dass sie Ideen und Zeit einbringen.“ Gegen das Vergessen und für ein Miteinander, in dem man für sich selbst und andere einsteht.

Text/ Fotos: M. Pilz