Kleinmachnower Schüler spielen „Mein Kampf“ als Farce

Zusammen mit dem Potsdamer Theater Poetenpack spielen Schülerinnen und Schüler des Evangelischen Gymnasiums Kleinmachnow am 20. und 21. Januar George Taboris Farce „Mein Kampf“ in den Neuen Kammerspielen.

Das Stück beschäftigt sich in schwarzhumoriger Form mit dem Werdegang Hitlers und dem Trauma der Shoah. Es spielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts in einem Männerwohnheim in Wien. Der junge Adolf Hitler mietet sich hier ein, um sich an der Kunstakademie zu bewerben und trifft auf den jüdischen Buchhändler Schlomo Herzl. Hitler ist hier keineswegs der blutrünstige Dämon, sondern eher ein unsympathischer, aber nicht durchweg abstoßender Wirrkopf. Im Verlauf des Stücks entwickelt er sich in zugespitzter und teilweise grotesker Handlung zum Antisemiten und despotischen Diktator. Tabori folgt damit einer Tradition jüdischen Humors und knüpft an Brecht und Chaplin an.

Die Inszenierung des Theaters Poetenpack balanciert gekonnt auf dem schmalen Grat zwischen Lachen und Grauen, zwischen Tragik und Komik, integriert Live-Musik und die Jugendlichen als einen „Chor der Schutzengel“.

Karten für die Termine am 20. Januar um 19:00 Uhr und am 21. Januar um 11:00 Uhr können ab 14 Euro unter der Rufnummer 0331 9512243 oder online unter info@theater-poetenpack.de reserviert werden.

Das 1999 gegründete freie professionelle Theater Poetenpack präsentiert sein vielfältiges Repertoire an verschiedenen Potsdamer Orten und hat dabei schon viele besondere Räume in Spielorte verwandelt, wie die Belvederes auf dem Pfingst- und dem Klausberg, die Französische Kirche, die Kirche am Neuendorfer Anger, das Heckentheater im Park Sanssouci und den Garten des Museums Alexandrowka. „Theater als Erfahrungsraum“ heißt ein neuer Arbeitsbereich, der mit „Nathan der Weise“ seinen Anfang nahm.

„Es gibt Projekte, bei denen passt alles zusammen. Es gibt Projekte, bei denen sind alle Beteiligten am maximalen Erfolg interessiert und arbeiten hart, konzentriert und voller Begeisterung. So ein Projekt war die Aufführung „Nathan, der Weise“ vom Theater Poetenpack aus Potsdam. Gemeinsam mit 20 Schülern wurden in einem einwöchigen Workshop religionsbestimmende Glaubensrituale theaterwirksam erarbeitet. […] Der Theaterabend wurde zutiefst berührend: Laien-Theaterspiel junger Menschen ging in erstklassiger professioneller Schauspielkunst auf; und als der junge Syrer Osama aus der Integrationsklasse auf den Knien eine Sure betete, war es ganz still im Saal und alle Zuschauer hatten die Botschaft von Verständigung, Respekt, Toleranz und Gemeinschaft verinnerlicht – ein großartiger Abend!“

So schrieb Johanna Woydt, Geschäftsführerin des Kulturvereins Bückeburg e.V.: Mit dem Pilotprojekt „Nathan der Weise“ beschritt das Theater neue Wege. Erstmals wurden Jugendliche mit und ohne Fluchthintergrund und professionelle Schauspieler*innen gemeinsam an einer Produktion beteiligt.

Für eine Fortsetzung wurde George Taboris Farce „Mein Kampf“ ausgewählt, bietet sie doch in ihrer Vielschichtigkeit und humorvollen Auseinandersetzung mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte eine ideale Grundlage, junge Menschen aktiv mit den historischen Entwicklungen zu konfrontieren und Bezüge zur Gegenwart herzustellen.

Die Spielszenen der Schüler*innen ergänzen und kommentieren das Geschehen auf der Bühne. Die Jugendlichen werden an großen Gruppenszenen beteiligt und erhalten eigene Spielaufgaben. Durch die eigene Erfahrung des Theaterspielens wird ihnen eine Auseinandersetzungsform ermöglicht, die durch ihren Körper geht und Kopf, Herz und Hand anspricht. Körper-, Wahrnehmungs- und Raumübungen sind ebenso Teil des Projekts wie die szenische Arbeit und die Auseinandersetzung mit den Themen des Stücks. Theater wird so zum Erfahrungsraum auf vielen Ebenen und berührt Teilnehmende und Zuschauer zugleich.

Axel Schalk, Zitty – Theaterkritiker, wählte „Mein Kampf“ vom Theater Poetenpack zu seiner Lieblingsinszenierung des Jahres 2018: „George Tabori pur, schauspielerisch, dramaturgisch vom Theater Poetenpack auf den Punkt gebracht und ebenso verstörend, besonders dadurch, dass in der Inszenierung von Regisseur Andreas Hueck singende Schülerinnen das Asyl bevölkern.“

Text: Theater Poetenpack/ Foto: Ewe Rafeldt