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Künftige Stammbahn: Regionalbahn setzt sich gegen S-Bahn durch

Die Reaktivierung der 1961 endgültig stillgelegten Stammbahn ist noch immer im Planungsstadium. Dennoch ist nun eine wichtige Vorentscheidung gefallen: Die Strecke soll als Regionalbahn Berlin und Potsdam besser miteinander verbinden. Die Option S-Bahn scheint damit vom Tisch.

Die jahrzehntelang stillliegende Stammbahn zwischen Potsdam und Berlin soll für Regionalzüge reaktiviert werden. Dagegen wird der Wiederaufbau als S-Bahn-Strecke nicht weiter verfolgt. Darauf haben sich nach Informationen der „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ Berlins Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) und Brandenburgs Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) geeinigt. Zuvor hatte es meist auf Berliner Seite über Jahre ergebnislose Debatten gegeben.

Bislang bevorzugte Berlin die Option eines Wiederaufbaus als S-Bahn; dagegen hatte Brandenburg für eine bessere Anbindung des Landes an Potsdam und Berlin stets die Regionalbahn als Lösung bevorzugt. Die Reaktivierung der Stammbahn gehört zum Infrastrukturprojekts i2030, welches die Neubau- und Reaktivierungsvorhaben im schienengebundenen Nahverkehr beider Länder zusammenfasst. Derweil plädiert der Fahrgastverband Igeb seit Jahren für eine Regionalbahn. „Wir brauchen die Stammbahn“, erklärte dessen Sprecher Jens Wieseke. Nach Einschätzung des Igeb könnten die ersten Regionalzüge jedoch frühestens im Jahr 2036 rollen, möglicherweise auch erst 2040. Hierfür sei der Ablauf des Planfeststellungsverfahrens entscheidend.

Die Deutsche Bahn hatte sich zuletzt ebenfalls für die Option einer Regionalbahn ausgesprochen. Nur so könne das Mobilitätsangebot zwischen Berlin und Potsdam deutlich verbessert werden. Laut Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) sind die Pendlerzahlen zwischen beiden Städten in der Region ein Spitzenwert. Die derzeitige Verbindung über Wannsee und die Stadtbahn sei bereits überlastet; mehr Züge könnten daher nicht auf die Fahrt geschickt werden.

Seit 1945 ist die erste Bahnlinie Preußens zwischen Berlin-Düppel und Griebnitzsee unterbrochen. Zwischen Berlin-Zehlendorf und Düppel verkehrten bis 1980 noch S-Bahnen, bevor auch auf diesem Abschnitt Ruhe einkehrte. Seit dem Mauerfall haben sich Berlin und Brandenburg mit gegenseitigen Vorstellungen gegenseitig blockiert: Berlin bevorzugte eine S-Bahn, Brandenburg forderte eine Regionalbahn. Allerdings hatten bereits im März erste Zeichen auf einen Kurswechsel in Berlin hingedeutet.

Allerdings werden nicht alle auf der Potsdamer Stammbahn geplanten Verkehre in den Nord-Süd-Fernbahntunnel geführt werden können, da er schon heute als überlasteter Schienenweg gilt, berichtet der VBB. Stattdessen werde geprüft, auch Verbindungen über die „Kurve Schöneberg“ und den Berliner Innenring Richtung Berlin Ostkreuz zu führen. Zwischen Schöneberg und Treptow muss die Strecke dafür elektrifiziert und zweigleisig ausgebaut werden. Halten sollen die Züge in diesem Bereich am Südkreuz sowie gegebenenfalls in Neukölln oder an der Hermannstraße. Mit dieser zusätzlichen Erweiterung der Schieneninfrastruktur wird gleichzeitig der Ausbau des Bahnknoten Berlin weiter vorangetrieben.

Sebastian Rüter: „Nachricht ist ein toller Erfolg“

Sebastian Rüter, direkt gewählter Landtagsabgeordneter für Teltow, Kleinmachnow, Stahnsdorf und Nuthetal, erklärte zu den jüngsten Plänen: „Ich freue mich sehr über die Entscheidung, die Stammbahn als Strecke für Regionalzüge zwischen Griebnitzsee, Zehlendorf und Potsdamer Platz zu reaktivieren. Mit dem Wiederaufbau der Potsdamer Stammbahn wird eine wichtige Alternativstrecke zwischen Potsdam und Berlin geschaffen. Nicht nur für die Gemeinde Kleinmachnow und das Gewerbegebiet Europarc Dreilinden, sondern für die gesamte Region ist der Wiederaufbau von großer Bedeutung. Ich bin mir sicher, dass die Reaktivierung für die Bürgerinnen und Bürger eine nachhaltige und sinnvolle Alternative zum Auto darstellt und damit zu einer spürbaren Entlastung der Straße führt.“

„Diese Nachricht ist ein toller Erfolg. Besonders auch für die Bürgerinitiative Stammbahn, die sich seit vielen Jahren für die Reaktivierung der Stammbahn als Regionalverkehrsstrecke einsetzt. Bis wir mit der Stammbahn aus Kleinmachnow nach Berlin oder Potsdam fahren können, wird es noch etwas dauern. Als Wahlkreisabgeordneter freue ich mich sehr, dass es weitergeht und werde die Planungen natürlich auch in Zukunft begleiten.“, so Rüter weiter.

ph/PM