Corona: Erste Bundesländer bieten Auffrischungsimpfungen an

Derzeit wird debattiert, ob und für wen eine dritte Corona-Schutzimpfung zur Auffrischung nötig ist. Unterdessen starten Berlin und andere Länder mit Auffrischungsimpfungen – zunächst nur für besonders gefährdete Menschen. Brandenburg wartet offiziell noch ab, doch im Ludwigsfelder Krankenhaus beginnen erste Drittimpfungen.

Berlin hat am Mittwoch mit Corona-Drittimpfungen begonnen. Diese Auffrischungen richten sich an besonders gefährdete Menschen, die zu Jahresbeginn zuerst geimpft worden waren. Laut Gesundheitsverwaltung sollen in vollstationären Pflegeeinrichtungen, Pflege-Wohngemeinschaften, Seniorenwohnanlagen und Tagespflegen neue Impfangebote gemacht werden.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) plädierte unterdessen für eine offizielle Richtlinie, welche Personen sich ein drittes Mal impfen lassen sollten. KBV-Chef Andreas Gassen sagte, er hoffe, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) bald eine entsprechende Empfehlung formuliere. Das würde auch Diskussionen von Ärzten mit Patienten erleichtern. Laut Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses angekündigt erhalten vorrangig über 80-Jährige, Pflegebedürftige und immungeschwächte Personen das neue Impfangebot. Diese könnten in einer ersten Phase bis zu 200.000 Berlinerinnen und Berliner bekommen.

Neue Coronavirus-Impfverordnung des Bundes zu Drittimpfungen

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten sich Anfang August darauf geeinigt, dass bestimmte sogenannte vulnerable Gruppen ab September eine Auffrischungsimpfung gegen Covid-19 erhalten sollen, sofern der Abschluss der ersten Impfserie mindestens sechs Monate zurückliegt. Dementsprechend wurde die Coronavirus-Impfverordnung des Bundes angepasst und am Dienstag im Bundesanzeiger veröffentlicht. Seit Mittwoch ist diese in Kraft. Der überarbeiteten Verordnung zufolge können Auffrischungsimpfungen durchgeführt und abgerechnet werden. Die Verordnung des Bundesministeriums für Gesundheit sieht für die Auffrischimpfungen keine Einschränkungen auf bestimmte Gruppen vor. Vielmehr haben alle Bürger, für die es einen zugelassenen Impfstoff gibt, unabhängig von ihrem Versichertenstatus Anspruch auf eine Auffrischimpfung.

Hintergrund für die Anpassung der Coronavirus-Impfverordnung sind die Beschlüsse der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) von Anfang August. Danach sollen Personen mit einem besonders hohen Infektionsrisiko eine Auffrischimpfung erhalten, wenn die abgeschlossene Impfserie mindestens sechs Monate her ist. Dazu gehören Pflegebedürftige und Personen ab 80 Jahren sowie immunsupprimierte und immungeschwächte Personen. Eine offizielle Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) steht bislang allerdings noch aus. Am Mittwochmittag hieß es allerdings, die Aufarbeitung der vorliegenden Daten sei in vollem Gange, so Stiko-Chef Thomas Mertens. Lange werde es nicht mehr dauern, auf ein genaues Datum für die Empfehlung könne er sich aber noch nicht festlegen. Neben Berlin beginnen auch andere Bundesländer nun mit den Auffrischungsimpfungen, etwa Bayern, Thüringen oder Sachsen. Das Brandenburger Gesundheitsministerium teilte mit, dass auch in der Mark mit Drittimpfungen begonnen werden könne – das sei noch im September möglich. Allerdings würden noch viele Ärzte auf die Stiko-Empfehlung warten.

Startschuss in Ludwigsfelde

Ungeachtet der abwartenden Haltung von Brandenburger Medizinern startet das Krankenhaus Ludwigsfelde in dieser Woche mit Auffrischungsimpfungen für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Das Angebot gilt für die Kolleginnen und Kollegen, deren zweite Impfung mehr als sechs Monate zurückliegt“, so das Evangelische Krankenhaus Ludwigsfelde-Teltow am Donnerstag in einer Pressemitteilung. Die Auffrischungsimpfungen würden in enger Abstimmung mit den Brandenburgischen Gesundheitsministerium erfolgen, Grundlage sei ein Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz aus dem August. „Wir freuen uns, dass fast alle Mitarbeitenden bereits zwei Mal geimpft sind und damit über den vollständigen Impfschutz verfügen“, erklärt der Ärztliche Direktor des Krankenhauses, Dr. Burkhard Schult. „Denn geimpfte Mitarbeitende schützen sich selbst und sorgen dafür, dass Patientinnen und Patienten sich mit einem guten Gefühl in ihre Hände begeben können. Mit dem Angebot der Auffrischungsimpfung wollen wir dafür sorgen, dass das so bleibt.“

KBV-Chef Gassen wagt Pandemie-Ausblick

Zum Thema, wer für eine dritte Impfung in Frage kommt, sagte KBV-Chef Gassen: „Im Grundsatz geht man davon aus, dass Auffrischimpfungen für alle Menschen Sinn ergeben, die eine schwächere Immun-Antwort hatten und deshalb möglicherweise auch eine abfallende Impfwirkung. Das sind in der Regel hochbetagte oder immungeschwächte Personen. Dazu gibt es allerdings bisher noch keine klare wissenschaftliche Positionierung.“ Für den weiteren Verlauf der Pandemie wagt Gassen eine vorsichtige Prognose: „Ich gehe davon aus, dass im Frühjahr 2022 Schluss sein wird mit Corona“, sagte Andreas Gassen der Düsseldorfer Rheinischen Post. „Bis dahin wird die Impfquote noch einmal etwas höher liegen, vor allem nimmt aber auch die Zahl der Genesenen mit Antikörpern zu. Einschränkungen werden dann wohl gänzlich unnötig werden.“ ph