Stadtquartier Box Seven – Richtfest in Friedrichshain

Am 24. April fand das Richtfest für das neue Stadtquartier Box Seven in der Boxhagener Straße/ Ecke Holteiststraße in Berlin-Friedrichshain statt.

Das neue Stadtquartier entsteht auf dem Gelände der einst dort angesiedelten Deutsche Kabelwerk AG. Thomas S. Hirschmann, der in Guatemala lebende Enkel des Firmengründers, nahm ebenfalls am Richtfest teil.

Der Verein für die Geschichte Berlins e.V. (VfdGB) präsentierte bereits am 19. April die mit Spannung erwartete und von zahlreichen Fotos begleitete Lesung mit Sven Heinemann (SPD), Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin. Die Lesung fand statt in der Zentral- und Landesbibliothek in Berlin-Mitte. Die Lage der Juden gestaltete sich täglich dramatischer im NS-regierten Deutschland, ihre beabsichtigte Entwürdigung markierte einen bis heute unfassbaren Leidensweg. Die Aussicht auf Besserung der Verhältnisse zeigte sich nicht annähernd. Das Kappen der deutschen Wurzeln war somit überlebensnotwendig. Der erfolgreiche Eigentümer der Deutschen Kabelwerke AG in Boxhagen, Siegfried Hirschmann, schaffte es noch rechtzeitig, gemeinsam mit seiner Frau vor Kriegsbeginn aus Deutschland zu fliehen. Er mit „nichts weiter als einem kleinen Koffer“ in Guatemala an. Zurück blieb ein traditionsreiches Unternehmen. Es wurde von den Nazis arisiert und durch die späteren Inhaber als Rüstungs- und VEB-Produktionsstätte weiterbetrieben. Die Bemühungen der Hirschmann-Erben auf Wiedergutmachung zeigten sich im Gegensatz zu den wirklichen Finanz- und Immobilienwerten von nur geringem Erfolg.

Sven Heinemann, sozialpolitisch stark engagiert und zudem versierter Buchautor, erzählte eindrucksvoll eine eng miteinander verknüpfte Boxhagener Familien- und Wirtschaftsgeschichte in drei Strängen: Die Entstehung Boxhagens als perfekter Wirtschaftsstandort. Die seinerzeit weit über Berlins Grenzen hinweg agierende Deutsche Kabelwerke AG, eine Großfabrik, deren Namen heute kaum mehr bekannt ist. Das Leben und Wirken des ideenreichen Industriellen und Gründers Siegfried Hirschmann.

Auf das schreiende Unrecht, das jüdischen und anderen Mitbürgern im Dritten Reich widerfahren ist, wies auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hin, der beim Richtfest persönlich dabei war. Er betonte auch, die Stadt wachse jedes Jahr netto um rund 40.000 Bürger. Daher brauche man zusätzlichen Wohnraum. Die hier „ab Herbst 2018 zu findenden 640 Miet- und Eigentumswohnungen tun daher Berlin sehr gut.“

306 PKW-Stellplätze, 8.000 Quadratmeter Bürofläche, 6.000 Quadratmeter Stadtgarten und 2.000 Quadratmeter Einzelhandel entstehen auf einem Grundstück von 26.000 Quadratmetern Größe. 60.221 Quadratmeter Nutzfläche verzeichnet das Projekt Box Seven. Insgesamt werden dort 4.000 Fenster eingebaut und fast 540 Kilometer Elektrokabel. Über 6.000 Tonnen Rohstahl gehören zum Projekt und 126.080 Tonnen Beton. Über 650 Handwerker von 54 Unternehmen auf der gesamten Baustelle haben unter anderem auch 78.750 Tonnen Boden ausgehoben. Beim Richtfest zugegen waren auch die beiden FDP-Politiker Sebastian Czaja, Fraktionsvorsitzender im Abgeordnetenhaus und Stefan Förster. Der Köpenicker Liberale gehört ebenfalls dem Berliner Abgeordnetenhaus an. Er ist Sprecher seiner Fraktion für Bauen, Wohnen, Denkmalschutz. Stefan Förster sagte: „Bei diesem Objekt in der Boxhagener Straße, an der Ecke Holteistraße, zeigt sich, dass es durchaus erfolgreich sein kann, wenn private und staatliche Bauherren gemeinsam, wie es ja hier der Fall ist, zusammenarbeiten. Es ist so: Wir brauchen Wohnraum und nochmals Wohnraum. Da ist es dem Wohnungssuchenden zweitrangig, ob Genossenschaften, Privatleute, kommunale oder andere staatliche Bauherren oder ein Zusammenschluss dieser Bauherren den dringend benötigten Wohnraum in der Bundeshauptstadt schaffen.“

 

Foto: Berlins Bürgermeister Michael Müller beim Richtfest für das Stadtquartier Box Seven.

 

Text/Foto: VTN