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Kleinkunst als große Kunst

Von Volkert Neef

„Kleinkunst-Cocktail“ im Steglitzer Zimmertheater: Die kleinste Bühne Berlins begeistert noch bis Januar 2022 mit Literatur, Kabarett und Musik. Auf unsere Leser warten Freikarten im Gewinnspiel.

Manchmal ist die deutsche Sprache merkwürdig. Im Kirschkuchen sind natürlich Kirschen vorzufinden. Glücklicherweise findet man im Hundekuchen kein Hundefleisch vor! Wenn in der Kunstszene von „Kleinkunst“ die Rede ist, hat das rein gar nichts mit „Kleiner Kunst“ zu tun.

„Das Gegenteil ist der Fall“, betont Günter Rüdiger. Er ist Intendant und zugleich Künstlerischer Leiter des Zimmertheaters in der Steglitzer Bornstraße und gilt mit seinen 35 Stühlen als das kleinste Theater in Berlin. „Kleinkunst ist sehr oft große Kunst. Man muss ja bedenken, bei uns im Zimmertheater beispielsweise treten beim ,Kleinkunst-Cocktail´ mehrere Künstler auf. Sie stehen nicht gemeinsam auf der Bühne. Jede Kollegin, jeder Kollege zeigt aus einem langen Soloprogramm dann im Rahmen des ,Kleinkunst-Cocktails´ nur wenige Ausschnitte aus dem eigenen Programm. Jeder Ausschnitt, diesen Anspruch erheben wir Kulturschaffenden, soll unser Publikum begeistern, mitreißen, zum Lachen oder zum Nachdenken bringen. Mit dieser Art der Kunst, das darf ich berichten, sind wir in Steglitz sehr erfolgreich, und das schon seit vielen, vielen Jahren“.

Der Intendant erklärt weiter: „Jeden ersten Sonntag im Monat findet unser ,Kleinkunst-Cocktail´ statt. Es treten Monat für Monat andere Künstler auf oder sie zeigen beim nochmaligen Auftritt Stücke aus ihrem reichhaltigen Repertoire, die bisher noch nicht zu sehen waren.“

Am ersten Novembersonntag besuchte die Redaktion eine Aufführung im Zimmertheater. Dabei las Helmut Uwer aus seinem Werk die Passage „Im Textilfachgeschäft“ vor. Dem Autor passt im Laden bei der Anprobe die Hose noch. Doch schon am nächsten Tag stellt er hzu Hause fest: „Entweder ist die Hos´ zu groß oder zu klein“. Der Magier Chris Hyde zeigte aus seinem vielseitigen Programm einige Kartentricks und ließ aus dem Publikum einen Gast würfeln. Aufgrund des gezeigten Ergebnisses sieht er haargenau voraus, wie die nächste Woche starten wird! Chris Hyde kann sogar beweisen, was alles Schreckliches passieren würde, hätte der Gast ein anderes Ergebnis gewürfelt…

Der Kabarettist Hendrik Bloch will das Bundespatentamt zur Rechenschaft ziehen. Dort heißt es immer noch „ERfinder“. Was ist aber mit den vergessenen Damen passiert? Hendrik Bloch schlägt vor, das Bundespatentamt sagt gendergerecht „SIEfinderIN“. Die Regisseurin und Schauspielerin Marianne Schmidt kennt ist unter anderem aus dem „Theater des Westens“ und dem regionalen Berliner Fernsehen bekannt, wo sie dem Publikum über Jahre hinweg „Gute-Nacht-Geschichten“ vorgelesen hatte. Nun präsentiert sie ihre Werke auch im Zimmertheater – dieses Mal für Erwachsene, denn: „Die großen Leute sollen ja nicht ins Bett geschickt werden!“

Mit rheinischem Humor im passenden Dialekt konnte der 1961 geborene Comedian und Schauspieler Markus Weiß den Gästen klarmachen, warum man „mit Karnawall, de Karnawalls-Bütt, mit de Funkemariechen un de Kammelle-Bonbons nix am Hut hätt in Preußen.“ Für den gelungenen musikalischen Teil sorgte das Duo „Folkshelden“ und Tanja Arenberg zusammen mit Günter Rüdiger.

Bei dem Welterfolg „Riders in the Sky“ des Komponisten Stan Jones drängt sich der Eindruck auf, Jonny Cash stehe mit auf der Bühne und bilde zusammen mit Tanja Arenberg und Günter Rüdiger das Trio beim „Yippie-yi-o, Yippie-yi-yay, Ghost-riders in the sky“. „Kleinkunst“ bedeutet also tatsächlich „Große Kunst“.

Für die Leser der Dezember-Ausgabe des Lokal-Reports stellt Intendant Günter Rüdiger Freikarten zur Verfügung: Mit etwas Glück kann die Gewinnerin oder der Gewinner das neue Jahr mit einem „Kleinkunst-Cocktail“ starten.

Bild: Volkert Neef