Ein Franzose in Teltow

Seitdem im Jahr 2002 der Verein „Teltow ohne ­Grenzen“ gegründet wurde und eine Delegation von vier Teltowern mit Trabis nach Gonfreville l‘Orcher in die Normandie fuhr, haben sich Teltows städte-partnerschaftliche Kontakte vertieft und intensiviert, und weitere Partnerstädte kamen hinzu. Der Trabi des Vereinsvorsitzenden Alain Gamper fährt noch immer ganz wacker und war auch in zwei weiteren Partnerstädten zu Gast – nur China, wo die vierte ­kommunale Partnerschaft beheimatet ist, ist für das betagte Gefährt doch etwas zu weit entfernt.

Die auswärtigen Beziehungen Teltows gehen schon in die sechziger Jahre zurück, als die DDR mehr internationale Anerkennung anstrebte. Da lag es nahe, eine französische Stadt anzuschreiben, die kommunistisch regiert wurde (und es bis heute blieb). Dabei war der partnerschaftliche Austausch systembedingt zunächst eher einseitiger Natur: Nach Abschluss des Freundschaftsvertrags im Jahr 1966 kamen mehr französische Gruppen (zum Beispiel Sportvereine, Gewerkschafts- und Kindergruppen) nach Teltow als umgekehrt. Das änderte sich erst einige Zeit nach der Wende, als den ehemaligen DDR-Bürgern die Welt offenstand und man sich auf frühere Kontakte zurückbesann.

Das Teltower „Urgestein“ Eberhard Derlig war es, der Alain Gamper (seit 1997 in Teltow ansässig) zunächst als Dolmetscher für die Städtepartnerschaft gewann. Dabei hatte er sich genau den Richtigen ausgewählt: Gamper, der im Burgund geboren wurde und in St. Etienne aufwuchs, war schon als Jugendlicher mit ausländischen Gästen in Kontakt gekommen, die seine Eltern für ein Auslandsschuljahr beherbergten. Später, als Germanistikstudent, betreute er den Schüleraustausch mit Deutschland, und als die französische Armee nach ihm rief, verlegte er seinen Wohnsitz und Studienort ganz nach Berlin. Nach Teltow wollte er eigentlich niemals ziehen: Das „Grau in Grau“ kurz nach der Wende fand er wenig attraktiv, doch wie es der Zufall wollte, fand er genau dort einige Jahre später die passende Wohnung. Dass Teltow zugleich auch seine neue Heimat wurde lag auch daran, dass die dortige städtepartnerschaftliche Privatinitiative genau sein Metier war.

1999 wurde ein Vertrag zwischen dem damaligen Teltower Bürgermeister Siegfried Kluge und dem „Komitee für deutsch-französische Partnerschaft in Teltow“ geschlossen, der die Zusammenarbeit besiegelte, doch schon bald merkte man, dass man der Initiative einen größeren Rahmen geben müsste: 2002 wurde daher der Verein „Teltow ohne Grenzen e. V.“ gegründet, der mittlerweile 35 Mitglieder hat und teilweise von der Stadt Teltow und von Sponsoren finanziert wird. Seitdem nahmen die organisatorischen Aufgaben immer mehr zu. Schon kurz nach der Wende war eine (von der Bundesregierung bestimmte) zweite Partnerstadt dazugekommen (Ahlen in Westfalen), aber erst 2004 kam es auf Initiative des Vereins zu einem intensiveren Austausch und gegenseitigen Besuchen. Zwei Jahre später wurde dann gezielt eine städtepartnerschaftliche Verbindung nach Polen gesucht. Die Wahl fiel auf Żagań, das nicht nur 204 km von Teltow entfernt und damit ideal für gegenseitige Besuchsfahrten gelegen ist, sondern auch eine bedeutende Geschichte hat: Persönlichkeiten wie Wallenstein oder Johannes Kepler wirkten in der niederschlesischen Stadt.

Seitdem ist der Verein „Teltow ohne Grenzen“ mit der Organisation von Treffen, Veranstaltungen und persönlichen Kontakten wirklich ausgelastet. Der Vorsitzende, Alain Gamper, hat neben seiner Tätigkeit beim Sender „Potsdam TV“ (neuerdings „Hauptstadt TV“) alle Hände voll zu tun, um nach Feierabend und an Wochenenden die vielfältigen Aufgaben zu meistern. Hilfreiche Unterstützung hat er dabei durch seine Frau Rosemarie, die wie er eine neugierige und herzliche Art hat und offen auf Menschen zugeht – eine Wesensart, die bei internationalen Kontakten sehr nützlich sein kann.

Bei allem persönlichen Einsatz stoßen die Gampers und die anderen Vereinsmitglieder doch manchmal an ihre Grenzen: Es ist sehr schwierig, in Teltow bezahlbare Quartiere für auswärtige Besuchergruppen zu finden, es bleibt kaum Zeit für die vierte Partnerstadt (das chinesische Rudong), und es ist leider bisher nicht gelungen, die Schulen der Region intensiver in den Austausch mit einzubeziehen. Neue (auch gern jüngere) Mitglieder, mehr Kontakte und Sponsoren wären dem Verein daher sehr willkommen. Vielleicht hilft für die Zukunft das französische Sprichwort: „À vaillant coeur rien d’impossible“  –  „Für ein tapferes Herz ist nichts unmöglich“.

Rosemarie und Alain Gamper vor dem Aux Delices Normands in Stahnsdorf

Text: kp/ Foto: mk

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