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Auffrischungsimpfung: Biontech oder Moderna?

Um den vollständigen Corona-Impfschutz zu erhalten, wird nach spätestens 6 Monaten eine Auffrischungsimpfung empfohlen. Mit den Präparaten von Biontech und Moderna sind zwei Impfstoffe besonders gefragt. Doch welcher ist der richtige?

Bei seiner Ankündigung, die Lieferungen mit dem Impfstoff von Biontech-Pfizer vorübergehend zu rationieren, bemühte der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ein PS-starkes Bild: Der mRNA-Impfstoff von Biontech-Pfizer sei der „Mercedes“ und das Präparat von Moderna der „Rolls Royce“ unter den weltweit rund 60 eingesetzten Vakzinen gegen das Coronavirus. Auf derselben Pressekonferenz fügte der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, hinzu: Beide Stoffe erreichen bei vollständiger Anwendung einen Wirkungsgrad von über 90 Prozent.

Verschiedene Untersuchungen zeigen nach aktuellem Forschungsstand jedoch an, dass Moderna beim Rennen um die Wirksamkeit ein kleines Stück die Nase vorne haben könnte. Dafür hatte das Mayo Clinic-Institut in Rochester (USA) in den USA die Impfdaten von Zehntausenden Bewohnern des Bundesstaates Minnesota ausgewertet. Zugleich hat in Belgien ein Team um die Biologin Deborah Steensels gut 1.600 Krankenhausmitarbeiter untersucht. Beide Studien ergeben, dass Moderna-Geimpfte doppelt so viele Antikörper gegen das Virus ausgebildet hatten wie Biontech-Geimpfte. Außerdem sinkt die Zahl der Antikörper der Biontech-Geimpften schneller wieder ab.

Auf einen Moderna-Vorteil weisen auch Zahlen zu Impfdurchbrüchen hin. In der Schweiz hatte das Bundesamt für Gesundheit ermittelt, dass von 100.000 Menschen, die eine Biontech-Impfung erhalten hatten, 101 eine Durchbruchinfektion hatten, in der Moderna-Gruppe waren es nur 41. Auch in Deutschland war die Impfdurchbruchrate bei Biontech-Geimpften mit 0,05 Prozent etwas größer als bei den Moderna-Geimpften mit 0,03 Prozent. Die Zahlen dazu beruhen auf Berechnungen des Robert-Koch-Instituts.

Einen deutlichen Unterschied beschreiben Studien im Vergleich der Wirksamkeiten gegen Delta-Variante des Virus. Dabei scheint Moderna größeren Schutz zu bieten. Die US-Untersuchung des Mayo-Clinic-Institutes ergab: Wenn die Deltavariante vorherrscht, schützt der Moderna-Impfstoff zu 76 Prozent vor einer Infektion, der von Biontech-Pfizer zu 42 Prozent.

Welcher Impfstoff wirkt länger?

Einigkeit herrscht unter Wissenschaftlern derzeit darüber, dass die Impfschutzwirkung im Laufe der Zeit nachlässt. Die volle Grundimmunisierung ist etwa zwei Wochen nach der zweiten Spritze ausgebildet. Beide Stoffe schützen dann sogar zu über 90 Prozent vor einer Infektion. Das zeigt eine Auswertung von umfangreichem Datenmaterial aus Schweden. Die Forschergruppe um Peter Nordström an der Universität Umeå hat dazu Untersuchungswerte von gut 840.000 Menschen unter die Lupe genommen. Ihre Studie zeigt, dass selbst nach zwei bis vier Monaten noch ein Impfschutz von klar über 80 Prozent bei beiden Impfstoffen besteht. Danach aber sinkt das Immunlevel von Moderna oder Biontech-Geimpften deutlich unterschiedlich schnell: Nach einem halben Jahr schützt der Moderna-Impfstoff bis zu 59 Prozent vor einer Infektion mit Krankheitszeichen, der Biontech-Impfstoff zu 47 Prozent.

Welcher Impfstoff für die Auffrischung?

Bei allen Geimpften fällt das Immunisierungslevel im Laufe der Zeit – Experten raten daher zu Auffrischungen. Dabei gehen die Meinungen über den richtigen Impfstoff auseinander. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt den gleichen Impfstoff, der auch für die Grundimmunisierung genutzt wurde.

Untersuchungen zeigen jedoch auch Vorteile von Kreuzimpfungen. So haben in den USA Wissenschaftler untersucht, wie die Auffrischung mit Moderna wirkt, wenn für die Grundimmunisierung Biontech benutzt wurde, und umgekehrt. Der Biochemiker Rob Swandacher hat die Ergebnisse zusammengefasst und bezieht sich dabei auf die Daten aus klinischen Studien mit Tausenden Teilnehmern in den USA. Swandachers Resultate deuten darauf hin, dass Kreuzimpfungen die Bildung von Antikörpern stärker vervielfacht, als wenn für die dritte Impfung derselbe Stoff wie bei den ersten beiden verwendet würde. Zum Beispiel: Bei jemandem, der zweimal mit Biontech geimpft wurde, erhöht eine Auffrischung mit Moderna den Antikörperanteil im Blut um den Faktor 17,3, bei einer Auffrischung mit Biontech um den Faktor 14,9.

Welcher Impfstoff für wen?

Die Stiko empfiehlt, für die Booster-Impfungen einen der mRNA-Impfstoffe zu verwenden. Auch Menschen, die zuvor mit den Vektor-Vakzinen von Astrazeneca oder Johnson&Johnson geimpft wurden, können laut Stiko zur Auffrischung des Schutzes auch den Wirkstoff von Moderna oder Biontech erhalten. Eine Einschränkung gibt es jedoch für Unter-30-Jährige: Sie sollen laut Stiko nur noch das Vakzin von Biontech erhalten. Die Analyse der gemeldeten Impfdaten hatte gezeigt, dass in dieser Altersklasse bei Moderna-Impfungen häufiger als bei Biontech Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen aufgetreten waren. ph

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