Wer war eigentlich dieser Nordahl Grieg?

Am 15. September ermittelt Kleinmachnow die schnellsten Läufer der Region und gedenkt dabei eines Norwegers, obwohl dieser nie einen Fuß in die Gemeinde gesetzt hat. Der ­Kleinmachnower Lauf Club e. V. organisiert den Nordahl-Grieg-Gedenklauf in diesem Jahr zum 13. Mal. Doch wer war dieser Nordahl Grieg?

Johan Nordahl Brun Grieg, wie er mit vollem Namen heißt, wurde am 01. November 1902 in Bergen geboren und war wohl ein ziemlicher Abenteurer. Als ­Jugendlicher heuerte er trotz bürgerlicher Herkunft als Matrose auf einem Frachter an, verbrüderte sich mit Hafen-
arbeitern und war linken Ideen zugänglich. Er versuchte sich als Lyriker und Schriftsteller, feierte mit 20 Jahren einen Erfolg mit seinem ersten Gedichtband. Es folgen ­Essays, Reportagen, Romane und Dramen. Auch Bertolt Brecht wurde auf ihn aufmerksam und veranlasste die Übersetzung von zwei Grieg-Stücken ins Deutsche.

Work and Travel – das praktizierte Grieg schon damals und arbeitete 1927 als Korrespondent in Fernost, wo er über die Anfänge des 22 Jahre währenden chinesischen Bürgerkriegs berichtete. Mitte der 30er
Jahre zog es ihn nach Russland, er wurde nun endgültig Kommunist. Als Kriegsreporter folgte Grieg den Internationalen Brigaden in den Spanischen Bürgerkrieg, so wie es auch die von 1961 bis 1962 amtierende Bürgermeisterin von Kleinmachnow, Toni Stemmler, getan hat.

Am Tag des Überfalls der Deutschen Wehrmacht am 09. April 1940 meldete sich Grieg freiwillig beim Norwegischen Militär und arbeitete in England zunächst für den Geheimdienst. Später flog er bei Angriffen der Royal Air Force als Kriegsberichterstatter mit. In dieser Funktion saß er auch in der Lancaster-Maschine LM 316, die am 02. Dezember 1943 um 16:32 Uhr auf dem Militärflugplatz ­Binbrook, Großbritannien, abhob. Wenige Stunden später wurde Grieg ­zusammen mit den sieben Besatzungsmitgliedern beim Luftangriff auf Berlin abgeschossen. Die Absturzstelle liegt am Ufer des Machnower Sees.

Man kann sagen: Nordahl Grieg führte ein Leben zwischen Kunst und Krieg. Und selbst wenn seine Werke in Deutschland wenig bekannt sind, so ist er in Norwegen ein Held. Sein 1936 geschriebenes Gedicht Til Ungdommen (Dt.: An die Jugend) wurde in vertonter Form sehr populär und zu einem seiner bekanntesten Texte. Nach den Massakern von Oslo und Utøya im Juli 2011, bei dem der Rechtsextremist Anders
­Breivik 77 Menschen ermordet hat, wird das Lied zur Hymne gegen Terror und Hass. In Griegs Heimatstadt ist eine Schule nach ihm benannt, es ist die Partnerschule der ­Maxim-Gorki-Gesamtschule in ­Kleinmachnow, wo auch der Gedenk-lauf startet. Alle Informationen unter:
kleinmachnower-laufclub.de.

Foto von : Gedenkstein Machnower See von OTFW via wikimedia