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Adieu Diesel: VBB stellt Ausstiegsstrategie vor

Von Volkert Neef

Der VBB will sich von seinen alten Dieselzügen trennen und mittelfristig auf Akku-Züge mit Elektroantrieb setzen. Ab 2037 sollen Dieselzüge der Vergangenheit angehören.

Am 20. April fand vom Bahnhof Berlin-Gesundbrunnen eine Sonderfahrt mit einem Akku-Zug der Firma Stadler nach Hennigsdorf und zurück statt. Gäste im Akku-Zug waren u. a. Berlins Bürgermeisterin und Mobilitätssenatorin Bettina Jarasch (Grüne), Brandenburgs Infrastrukturminister Guido Beermann (CDU), Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn und Thomas Dill, Bereichsleiter des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB).

Momentan fahren fast 73 Prozent aller Züge im Regionalverkehr in Berlin und Brandenburg klimafreundlich mit Strom per Oberleitung. Beide Bundesländer haben sich das Ziel gesetzt, bis 2037 alle verbliebenen nicht elektrifizierten Strecken unabhängig von fossilen Brennstoffen zu machen. Der Diesel soll komplett abgeschafft werden. Eine Oberleitung ist nicht unbedingt erforderlich, wenn sich Züge elektrisch in Bewegung setzen. Für Batterie-Triebzüge genügt eine abschnittsweise Elektrifizierung der Strecke. Der Prignitz-Express, also der RE 6 und die RB 55, ist im Bundesland Brandenburg mit seinen ca. 140 Kilometern derzeit die längste Strecke ohne Oberleitung. Bei einer Neuausschreibung auf dieser Strecke soll der Diesel künftig durch Strom ersetzt werden. Hier ist diese Änderung für 2028 geplant. 

Brandenburgs Infrastrukturminister Guido Beermann teilte mit: „Man hört während der Fahrt die Akku-Geräusche. Das ist authentisch. Was wichtig ist: Das ist keine neue Technologie. Es wird schon seit Jahren getestet und ist zum Teil schon auf dem Markt. Das Motto lautet: Adieu Diesel! Einst hat der Diesel die Dampflok abgelöst. Nun ersetzt der Akku-Zug den Diesel. Das wird auch viele Bürgerinnen und Bürger bewegen, auf den ÖPNV umzusteigen.“

Bettina Jarasch, Bürgermeisterin und Senatorin für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz, erwartet, dass der Bund die Elektrifizierung der Bahnstrecken in Berlin und Brandenburg finanziell sehr stark unterstützen wird. „Die Beschaffung der Züge übernehmen wir, aber bei den Oberleitungen erwarten wir mehr vom Bund.“ Sie wies darauf hin, das Bundesverkehrsministerium habe angekündigt, die Klimaziele auch im Schienenverkehr unbedingt erreichen zu wollen.

In der Region wird zudem mit einem starken Bevölkerungswachstum gerechnet. Der Landesentwicklungsplan der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg (LEP HR) weist die Strecke von Hennigsdorf bis Oberkrämer (bei Kremmen) als Achse für die künftige Siedlungsentwicklung aus. Aufgrund wachsender Pendlerzahl und zur besseren Anbindung an die Prignitz soll demnächst ein 30-Minuten-Takt zwischen Hennigsdorf und Neuruppin den Fahrgästen zur Verfügung stehen. Bis 2026 soll das der Fall auf dieser Strecke sein. Neuruppin hat als Mittelzentrum eine besondere Funktion und ist ein sehr bekannter Tourismusstandort. Velten, Hennigsdorf und Oranienburg sind wichtige Bahnindustriestandorte und weisen hohe Pendlerzahlen in beide Richtungen auf.

Bild: Volkert Neef