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Berliner Schüler mit Margot-Friedländer-Preis ausgezeichnet

Margot Friedländer kam 1921 in Berlin zur Welt. Ihre Eltern und ihr Bruder starben in den Vernichtungslagern der Nazis. Margot Friedländer, die Jüdin, überlebte das KZ Theresienstadt. Sie verfasste 2008 ihre Autobiografie „Versuche, dein Leben zu machen.“ Drei Jahre später erhielt sie das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Berliner Schüler und Pädagogen, die sich mit der NS-Vergangenheit auseinandersetzen und die Themen Antisemitismus, Ausgrenzung und Rassismus behandeln, können am Wettbewerb teilnehmen. Am 21. März 2017 verlieh man diesen Preis in Anwesenheit von Margot Friedländer. Die Laudatio hielt der Regierende Berliner Bürgermeister Michael Müller (SPD). Der erste Preis, der mit 5.000 Euro datiert ist, ging an die Reinickendorfer Carl-Bosch-Oberschule. Die Oberschüler befassten sich mit den „Euthanasie-Morden“ am heutigen Gedenkort „Geschichtslabor“ am Reinickendorfer Eichborndamm 238. Die Nazis hatten von einem „Kinderfachkrankenhaus“ gesprochen. Dort fanden medizinische Versuche an behinderten Kindern statt. Einwandfrei konnten bis heute 81 Morde nachgewiesen werden in der „medizinischen Einrichtung.“ Die genaue Zahl der ermordeten Kinder wird wohl niemals mehr ermittelt werden können.

Der zweite Preis in Höhe von 1.700 Euro ging an das Projekt „Sog nit kejnmol“, in dem Schüler des Gottfried-Keller-Gymnasiums in Berlin-Charlottenburg die Biografien ehemaliger jüdischer Nachbarn der Schule recherchieren und ab 2017 eine jährliche Gedenkveranstaltung am 9. November an Gleis 17 initiieren möchten. Michael Müller betonte: „Die Internationalen Wochen gegen den Rassismus erinnern uns schmerzlich daran, dass Diskriminierung, Ausgrenzung, Benachteiligung oder Gewalt gegen Menschen anderer Herkunft, Religion oder Lebensweise selbst in einer internationalen Metropole wie Berlin immer noch vorkommen. Ich finde es gut, dass die Schwarzkopf-Stiftung unter André Schmitz mit ihrer Förderung des Engagements in dieser Richtung ein Zeichen setzt. Schulen wie die Carl-Bosch-Oberschule oder das Gottfried-Keller-Gymnasium sind für mich Vorbilder. Denn sie gehen nicht den einfachen, den bequemen Weg, sondern stellen sich der Auseinandersetzung. Damit sind sie ein unverzichtbarer Teil der Weltoffenheit Berlins.“ Klar sprach er auch an, dass „zahlreiche Wissenschaftler der NS-Einrichtung nach dem Zweiten Weltkrieg wie selbstverständlich an anderen führenden Stellen in Wissenschaft und Forschung“ wieder ihren Dienst antraten ohne „jemals zur Verantwortung gezogen worden zu sein.“

Der ehemalige Berliner Staatssekretär Andre Schmitz-Schwarzkopf ist Vorstandsvorsitzender der „Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa. Er ging auf die aktuelle politische Lage ein und sagte: „Wenn mir vor zwei oder drei Jahren jemand gesagt hätte, wie salonfähig heute rechtes Gedankengut wieder geworden ist, ich hätte es wirklich nicht geglaubt.“ Der Reinickendorfer Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) sagte im Pressegespräch: „Die Reinickendorfer Schülerinnen und Schüler sowie ihre Lehrerinnen und Lehrer haben sich mit der grausamen Vergangenheit einer von Nazis erschaffenen Einrichtung im Bezirk auseinandergesetzt. Daher freue ich mich über die Würdigung und Anerkennung für die Leistungen der Beteiligten der Carl-Bosch-Oberschule.“

Hakan Tas (DIE LINKE) gehört dem Berliner Abgeordnetenhaus an. In seiner Fraktion ist er Sprecher für Inneres, Partizipation und Flüchtlinge. Hakan Tas erklärte: „Über den Erfolg der Carl-Bosch-Gymnasiastinnen und Gymnasiasten habe ich mich enorm gefreut. Es ist wichtig, dass Jugendliche die unmenschlichen Verbrechen der NS-Diktatur zum Gegenstand aktueller Forschungen gestalten und hier mit neuen Erkenntnisgewinnen dazu beitragen, dass die Opfer und Täter jener Zeit benannt werden. Insbesondere liegt es im Interesse aller Demokratinnen und Demokraten die Kultur des Gedenkens und des Mahnens aufrecht zu erhalten, damit derartige Verbrecher in Deutschland nie wieder eine Chance erhalten, Menschen für ihre faschistische Ideologie zu begeistern.“ Thomas Seerig ist behindertenpolitischer Sprecher der Berliner FDP-Fraktion. Der Liberale ist durch eine eigene Mobilitätsbehinderung in Sachen „Umgang mit behinderten Menschen“ besonders sensibel. Thomas Seerig sagte: „Ich freue mich, dass sich junge Menschen mit einer Zeit beschäftigen, in der Menschen wegen Krankheit das Recht auf Leben abgesprochen wurde und dieses Engagement auch gewürdigt wird. Damit solche Zeiten nie wiederkommen und die Medizin sich auf das Heilen von Krankheiten konzentriert“.

 

Bildunterschrift: Margot Friedländer und Michael Müller mit den Preisträgern.

Text/Foto: VTN